Festivalbericht und -fotos

20 Jahre Immergut Festival: Bier schmeckt auch aus der Tasse


Das Motto: Alles bleibt anders

Trotz des 20. Geburtstages des Festivals wird um das runde Jubiläum kein großer Wirbel gemacht. Das diesjährige Motto „Alles bleibt anders“ zeigt sich subtil; Stichwort Nachhaltigkeit, Stichwort Frauenquote.

Das Line-up: Die Quote lebt

Obwohl die Headliner vornehmlich männlich besetzt waren (siehe Bilderbuch, International Music, Deerhunter, Frittenbude, Roosevelt), fiel positiv der hohe weibliche Anteil von Bandmitgliedern und Acts auf: Nilüfer Yanya, Alli Neumann, Mavi Phoenix, Sophia Kennedy, Boy Harsher, Cate le Bon, Karen Gywer und Dena nur mal als Beispiele. Mehr Frauen auf Festivalbühnen zu bringen, ist erklärtes Ziel vieler Akteure der Musikindustrie. Das Immergut fängt schon einmal damit an.

Das Publikum: Whitest Girls and Boys Alive

Das homogene Line-up zieht homogene Besucher*innen an: erwachsen gewordenes Indiepublikum. Von knalliger Festivalexzentrik und Coachella-Style sieht man hier nicht viel. Dafür Europafahnen bei Bilderbuch.

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Die Nachhaltigkeit: immergrünerrocken

Das Immergut tut sein Bestes, jedes Jahr ein wenig nachhaltiger zu werden. Regionale Fischbrötchen und Getränke, einige Komposttoiletten und Baustoff-Zulieferer aus dem Ort gibt es schon länger. Neu in diesem Jahr: der Wechsel von Stromaggregaten auf Öko-Strom aus der Standleitung und die wiederverwendbaren Emaille-Becher. Wir lernen: Bier schmeckt auch aus der Tasse und wenn man die Augen schließt, klingt es auf dem Gelände ein wenig wie Kuhglockengeläut.

Das Wetter: Erlesen

Genau, auch die Literatur-und Popzeitschrift „Das Wetter“ ist für eine Lesung mit anschließender Diskussion da, daneben Autor*innen wie Giulia Becker, Heinz Strunk und Linus Volkmann. Dazu diverse (pop-)politische Panels, unter anderem unter Beteiligung von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Der Trend, auf Musikfestivals Talks und Lesungen abzuhalten, setzt sich auch beim Immergut fort. Jetzt müssen die Autor*innen nur noch in ihre neue Headliner-Rolle hineinwachsen. Ach ja, es war übrigens die meiste Zeit sonnig.

Die Stimmung: Harmonie als Strategie

Kein vollgestopfter Timetable, keine riesenhaften Zeltstädte, keine zermürbenden Warteschlangen beim Essen oder am Dixie: das Stresslevel beim Immergut geht gegen Null. Wer drei Tage ausrasten will, muss sich schon anstrengen. Oder das Festival einfach als Startrampe in die bevorstehende Festivalsaison begreifen. Das Büffet ist hiermit eröffnet.


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