5 Coverversionen, die wirklich für’n A**** sind

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Eines vorweg, weil man mit einem Feature wie diesem ja oft Leute verärgert. Musik ist vieles – und vor allem Geschmackssache. Was ein Cover für jemanden so richtig scheiße macht, hat oft nur minimal mit der musikalischen Qualität zu tun. Liebe zum Original, andere Wertmaßstäbe, Sympathien des Autors oder der Autorin – das spielt natürlich alles mit rein. Deshalb: Nehmt es sportlich, ergänzt auf unserer Facebookseite, was euch noch fehlt oder maßregelt uns für unsere Anmaßung, Schnöseligkeit, Fehleinschätzung oder was auch immer.

1. Timmy Trumpet & Gabry Ponte – „Mad World“

Man könnte diese Liste ausschließlich mit EDM-Acts füllen, die es nach der Generation Eurodance noch viel konsequenter und kunstverachtender geschafft haben, das ehrwürdige Cover-Game unter die Grasnarbe zu reiten. Ein besonders gefährlicher Bursche dabei ist Timmy Trumpet. Der spielte sogar mal recht erfolgreich Jazz-Trompete, beschloss aber irgendwann, das nur noch zu Karikaturzwecken zu machen und stattdessen „DJ“ zu werden. Seitdem ist der Australier immens erfolgreich und hat statt 500 nörgeligen Jazz Connaisseuren mit Geheimratsecken bis zum Nacken nun tausende hotte junge Menschen mit Glitzer im Gesicht und sonst wenig an vor der Bühne stehen. Verrückte Welt. Tja – und damit wären wir bei seiner Version des Tears For Fears-Klassikers, den viele in der „Donnie Darko“-Version von Michael Andrews und Gary Jules noch ein wenig schöner finden. Wie man auf die Idee kommen kann, die Zeilen „the dreams in which I am dying are the best I ever had“ in einen EDM-Banger mit Schlumpf-Effekten auf den Vocals zu verwursten, weiß wohl nur der kleine Timmy.

2. The Script – „Loose Yourself“

Unsympathische White-Boy-Rockbands, die aussehen wie Junge-Union-Ultras gab es in den Nullerjahren zuhauf. Eine der besonders erfolgreichen waren The Script aus Irland, bei denen wir uns schon immer fragten, warum die Millionen Alben verkaufen. An der Musik konnte es nicht liegen, an Daniel O’Donoghues Stimme auch nicht. Aber egal: Hier soll es um ihren Beitrag zur eigentlich legendären und oft sehr guten „BBC Live Lounge“ gehen. Damit schafften sie es zurecht weltweit in zahlreiche Cover-Shitliste, und man fragt sich ein wenig mitleidig, warum ihnen denn niemand im Management oder im Studio gesagt hat, dass es keine gute Idee sei „Lose Yourself“ von Eminem zu covern. Frühestens nach dem Schlussakkord wäre das der richtige Move gewesen, wie man hier sieht und hört:

3. RIN x Bausa – „Keine Liebe“

OK, hier könnte man jetzt kleinlich sein und sagen, dass RIN und Bausa ja nur Teile vom Echt-Klassiker „Du trägst keine Liebe in dir“ geborgt haben. Aber egal: Es wiegt eben schwer, dass die beiden sich hier einen der wenigen großen deutschsprachigen Popsongs vornehmen und mit ihrer Chauvi-Attitüde vollwichsen. Klar, schon das von Michael van Dyke geschriebene Original hatte diese weinerliche Sad-Boy-Attitüde, die die Schuld für Liebesdinge immer bei der ach so kalten Frau sucht. Aber den lyrischen Bumsbruder Bausa der in seinen Lyrics immer Probleme untenrum unsympathisch obenraus kompensieren muss und den ach so sweeten RIN, der hier (im Gegensatz zu ihr) weiß, dass sie eine Bitch ist – das hat dieses Lied nun echt nicht verdient. Und bei der Gelegenheit: Sowieso schade, dass man RIN sein Rape-Skit „Arrêté“ so schnell verziehen hat. Anyway – wir hoffen Echt oder van Dyke haben an der Nummer gut verdient …

4. Nickelback feat. Kid Rock – „Saturday Night’s Alright (for Fighting)“

Es gibt Konstellationen, da weiß man ja eh, dass man alles, was dabei rauskommt scheiße finden wird. Für uns wären Nickelback und Kid Rock so eine Kombi. Wir waren dann aber doch überrascht, dass das Ergebnis noch ein bisschen mehr scheiße werden kann, wenn die keinen eigenen Song rauspressen, sondern sich einen wirklich guten, raunchy Rock-Klassiker von Elton John vornehmen – und dermaßen in Grund und Boden dreschen und anschließend breitbeinig draufpullern, dass man sich nur noch mit Ekel abwenden kann.

5. Weezer – „Enter Sandman“

Tom Morello, Bruce Springsteen und Eddie Vedder haben wir ja schon vor einigen Tagen abgewatscht (was wir wirklich nicht oft tun), deshalb lassen wir ihren „Highway To Hell“ aus dieser Liste raus. Nun hauen allerdings auch noch Weezer in einen ähnliche Kerbe: An James Hetfields 58. Geburtstag (dem 3. August) veröffentlichten sie ihren Beitrag zur „The Metallica Blacklist“-Compilation, auf der 53 Metallica-Cover zu finden sind, u. a. von St. Vincent, Miley Cyrus, Elton John und Phoebe Bridgers. Das kann spannend werden, wenn man es NICHT so macht wie Weezer. Hier ist es gar nicht die Musik, die nervt oder schlecht ist – im Gegenteil, Weezer gniedeln sogar das Solo sehr gekonnt. Was vielmehr nervt und die Sache völlig überflüssig erscheinen lässt, ist der lähmende Respekt vor dem Original. Weezer verkleiden sich hier einfach nur mit Kostümen von der Resterampe als Metallica, machen auf böse, was sie nicht sind, wollen bloß nix falsch machen – und um Himmelswillen nicht die Metallica-Fans verärgern, die im Ruf stehen musikalisch auf „Futtern wie bei Muttern“ zu stehen. Der einzige Weezer-Witz ist das kleine Gedächtnis-Solo bei Minute 3.14. Ansonsten kann man das Ergebnis auf jedem Schützenfest spielen – genauso wie es die all die Coverbands tun, die das als Hauptberuf machen. Aber hey, immerhin ist das Video nice:


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