Tyler Ballgame
FOR THE FIRST TIME, AGAIN
Rough Trade/Beggars/Indigo (VÖ: 30.1.)
Croonend, posend, verspielt – der neue Retro-Pop-Star ist da.
Tyler Perry entdeckte seine musikalische Bestimmung, als seine Roy-Orbison-Cover bei Open Mics den größten Eindruck hinterließen. Also tauschte er verhuschten Folk gegen das Showman-Alter-Ego Ballgame. In Musikvideos wirft sich Perry nun mit der leicht wahnsinnigen Theatralik eines Jack Black in Pose.
Und auf seinem Debütalbum FOR THE FIRST TIME, AGAIN verbindet der in L.A. lebende Songwriter warme, eingängige 60ies- und 70ies-Klänge mit moderner Indie-Verspieltheit und einer wandelbaren Stimme voller Crooner-Schmelz. Die Ohrwurm-Single „I Believe In Love“ wirkt wie eine überdrehte Solo-Beatle-Nummer. Mit „You’re Not My Baby Tonight“ präsentiert Perry eine gelungene Impression einer Elvis-Ballade.
Im Wall-of-Sound-artigen „Down So Bad“ gibt er mehr den Orbison. Und zum Finale „Waiting So Long“ lässt er noch mal den Soul Brother No. 1 raus. Von Oldschool-Titeln à la „Got A New Car“ sollte man sich dabei nicht täuschen lassen: Statt um Karren und Mädchen geht’s um „spirituelles Erwachen“, außerdem viel um Einsamkeit und Verzweiflung. Und es wird auch schön schräg: Am perkussiven „Ooh“ hätten John Lennon und Harry Nilsson ihre Freude gehabt. So wie 2026 seine Freude am neuen Retro-Pop-Star Tyler Ballgame haben wird
Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.



