Apparat
A HUM OF MAYBE
Mute/PIAS (VÖ: 20.2.)
Nach der großen Krise erreicht die Dancefloor-Electronica-Institution eine neue Transzendenz.
Die Sache mit der kreativen Arbeit ist gar nicht so einfach: Nichts ist schöner, als aus dem Nichts eine neue Welt zu schaffen. Und nichts kann unmöglicher sein, wenn man in einer Blockade steckt. So ging es Sascha Ring, besser bekannt als Apparat. 2019 veröffentlichte er sein letztes Soloalbum LP5, war damit für einen Grammy nominiert, gemeinsam mit Modeselektor als Moderat folgte 2022 das gefeierte MORE D4TA. Aber irgendwie schlich sich danach eine Schreibblockade ein. Neue Musik schaffen? Eine Herausforderung, die dem sonst so umtriebigen und produktiven Künstler plötzlich nicht mehr so leicht von der Hand zu gehen schien. Wie geht man mit so einer Krise um? Am besten lernen, den eigenen Perfektionsdrang in den Griff zu kriegen. Zwischen März und September letzten Jahres setzte sich Ring zum Ziel, jeden Tag eine Songidee zu entwickeln, egal wie unfertig die sein würde.
Und der Plan ging auf: Elf dieser Skizzen arbeitete er gemeinsam mit seinem langjährigen musikalischen Weggefährten Philipp Johann Thimm und weiteren Mitstreitern aus. A HUM OF MAYBE heißt also jetzt sein sechstes Album und vereint alles, was man an Apparats Musik über die letzten zweieinhalb Jahrzehnte lieben gelernt hat: Rings sehnsuchtsvolle, zerbrechliche Vocals und experimenteller Pop, glitchy Electronica, Ambient-Momente und natürlich das Spiel mit Techno-Elementen.
A HUM OF MAYBE positioniert sich irgendwo zwischen Einkehr und Dancefloor – oder finden wir da etwa Einkehr auf dem Dancefloor? Ring schafft es dabei gerade aufgrund der frickeligen Soundwelten, trotz großer Emotionen nie in den Kitsch abzurutschen. In seinen stärksten Momenten (und davon gibt es auf dem Album einige, etwa „Tilth“ mit der syrisch-US-amerikanischen Performerin KÁRYYN oder der Opener „Glimmerine“, um nur zwei zu nennen) erreichen die Songs eine Art der Transzendenz, schweben über den Dingen und nehmen uns dabei mit. Adieu Krise!
Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.



