Taylor Swifts „Wood“ ist der Cringe for all generations
Taylor Swift sollte sich, wenn es nach Josef Winkler ginge, mal lieber gegen das US-Gewaltregime aussprechen.
Kleinen Moment, ich dreh noch schnell das Radio leiser. Puh. Also, ich finde ja, man könnte zumindest mal darüber nachdenken, bei jungen Frauen, die auf einmal in sich fühlen, dass sie Songs schreiben und total viel ausdrücken können in music und die dann Singer-Songwriterin werden, eine Karenzzeit mit Veröffentlichungssperre einzuführen, bis sie ihre ganz harte Taylor-Swift-Phase überwunden haben und reflektieren können: Will ich das wirklich? Und kann ich das durchziehen, wenn ich mich nicht drauf verlassen möchte, einfach Taylor-Swift-Musik zu machen? Es gibt ja nämlich doch schon sooo viel Taylor-Swift-Musik auf der Welt, nicht zuletzt – und meiner Meinung nach ja völlig ausreichend – von Taylor Swift.
Ich weiß nicht, bin ich der Einzige, dem’s immer alles zusammenzieht, wenn die in diesem neuen Lied mit ihren „opened thighs“ und dem Typ seinem „magic wand“ ankommt? So ein bisschen naughty, auf einmal, da schau her … Oh Himmel. Wie wenn mir mein Onkel von seinen erogenen Zonen erzählt. Ich krieg da den Vogel am Radiovormittag. Das ist kein Boomer-, das ist kein Millennial-, das ist kein Gen-Z-, das ist der Cringe for all generations, tät ich mal sagen, und mein Wunsch wäre ja, die gute Frau würde, statt hier mit ihrer „sexuality“ rumzunerven, als Königin der Herzen und Superstar zum Anfassen zum Beispiel mal in der realen Welt eine Ansage machen gegen das faschistische Gewaltregime bei ihr daheim.
Die waren doch immer so engagiert, da. Damals.
Aber da muss dann noch mal Joan Baez ran. Und der Bruce und der Neil, die alten Kämpfer, die packen’s noch mal! Und schad, dass der Country Joe McDonald nimmer lebt und der Pete Seeger – die täten den MAGA-Fools Zunder gegeben! Die täten die Resistance mobilisieren gegen die Trumpisten! Die waren doch immer so engagiert, da. Damals.
Oh Mann. Und bei uns labert und podcastet und kommentiert sich die halbe Nation über Wochen eins, weil ein Video „aufgetaucht“ ist, wo ein Politiker vor 8 Jahren erzählt, dass ein junges Mädchen „rehbraune Augen“ hat – was übrigens semantisch/inhaltlich etwas recht anderes ist als „braune Rehaugen“ –, und während die Partei dieses Politikers im ganzen Land die Sozialhilfe kürzt und Kinder mit rehbraunen Augen in die Armut rutschen lässt, die „Migrationspolitik neu denkt“ und die Eltern von Kindern mit rehbraunen Augen den Taliban ausliefert, und noch ungefähr 99 andere Gründe liefert, warum man sie ggf. nicht wählen sollte, dreht alles am Rad, was das doch dieser käsige Schwabe da für ein Perverser ist. Und die „Wokeness-Debatte“ schießt sich mal wieder selbst ins Knie, und freuen tut’s: die Rechten und die libertären Honks in allen Etagen.
Aber wissen Sie, was auch arg ist? Ich hab vorhin für den Gäg googeln müssen, ob Country Joe McDonald noch lebt oder nicht, und siehe, auf Wikipedia steht das Todesdatum: Das war vor einer Woche! Mensch Meier, Country Joe. Da haben wir uns knapp verpasst nach all den Jahren. Open up the Pearly Gates! R.I.P., alte Fischhaut.






