Ennio trotzt der Musikindustrie: „Haifischbecken“ nur physisch erhältlich
5.000 NFC-Chips in 11 Minuten ausverkauft: Ennio provoziert die Streamingbranche mit „Haifischbecken“ – und beweist, dass sein Konzept aufgeht.
Der Münchner Indie-Pop-Musiker Ennio setzt mit seinem neuen Album ein klares Statement. Mit „Haifischbecken“ kritisiert er die Musikindustrie – und krempelt mit seinem ungewöhnlichen Releasekonzept die gewohnten Abläufe der Branche um.
Die neue LP, die am 8. April erschien, ging auf keiner Streamingplattform online. Das Album ist ausschließlich über Ennios Online-Shop sowie auf seiner bevorstehenden Tour erhältlich. Die Lieder sind auf einem NFC-Chip gespeichert. Bereits einen Tag vor dem Release lud Ennio einen Clip hoch, in dem er das Konzept erklärte: Der NFC-Chip kann einfach ans Handy gehalten werden und lädt die Songs im MP3- und WAV-Format direkt auf das Gerät. Die Chips sehen aus wie kleine Mini-CDs des Albums und lassen sich zudem als Schlüsselanhänger nutzen.
Ein Album, das lebt
Plus: Die Dateien auf der „Mini-CD“ können nachträglich angepasst werden. Ennio versprach, während seiner bevorstehenden Tour regelmäßig neue Skizzen und Ideen auf den Chip zu laden – die Songs und musikalischen Entwürfe entwickeln sich damit stetig weiter. In Ennios Worten: „Dieses Album ist kein fertiges Produkt, sondern es lebt und ihr seid Teil davon.“
Mit dieser Art von Veröffentlichung hat der Musiker bewusst keinen Überblick über Streamingzahlen oder die Reichweite des Albums – und das ist gewollt. Während des Schreibprozesses habe er sich gefragt, wofür er die Musik überhaupt mache: „Es kann nicht sein, dass ich Musik mach für nen Algorithmus, was der mag. Diese Musik ist für euch. Das Album soll leben.“
Die LP ist Ennio besonders wichtig. Neben vielen persönlichen Themen übt er mit dem Titelsong „Haifischbecken“ deutliche Kritik an der Gier der Musikindustrie. Er vergleicht sie mit Haien, die ausschließlich an Profit und Streamingzahlen interessiert sind. Ennio stellt sich dem entgegen: 2025 gründete er bereits sein eigenes Label Orgel Enterprise – nun wehrt er sich offen gegen die Streamingdienste.
5.000 Chips in 11 Minuten ausverkauft
Die Strategie ging auf. Der Verkauf der NFC-Chips startete am Mittwoch, den 8. April, um 16 Uhr – und der Online-Shop war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. 5.000 der „Mini-CDs“ waren in nur 11 Minuten vergriffen. Ennio meldete sich direkt im Anschluss und zeigte sich überrascht vom Ansturm. Er versprach seinen Fans, bald neue Chips im Shop anbieten zu können. Die „Mini-CD“ ist für 16 Euro im Online-Shop vorbestellbar und wird ab dem 24. April verschickt. Auch auf der Haifischbecken-Tour, die am 15. April in Hamburg startet, sollen die Chips erhältlich sein.
Kein Einzelfall – aber ein radikaler Schritt
Mit dem Einsatz von NFC-Technologie ist Ennio nicht der Erste. Andere Künstler:innen haben das Medium bereits genutzt, ihre Alben jedoch parallel auf Streamingplattformen veröffentlicht. Ennio geht einen Schritt weiter und verzichtet konsequent auf Dienste wie Spotify, Apple Music und Co. Damit reiht er sich in eine wachsende Bewegung ein: Immer mehr Musiker:innen entscheiden sich aktiv dagegen, ihre Kunst über große Streamingplattformen anzubieten. Pink Floyds Live-Album „Is There Anybody Out There? The Wall Live 1980–81“ ist bis heute nicht auf Spotify zu finden, da sich die Band anfangs stark gegen Streamingdienste wehrte. Frank Oceans Album „Endless“ ist ausschließlich über Apple Music erhältlich. Zudem droppen immer mehr Künstler:innen Singles vorab nur als YouTube-Videos und veröffentlichen die Streaming-Version erst mit dem gesamten Album.
Mit dem Chip gehört den Hörer:innen die Musik – sie ist nicht länger nur „ausgeliehen“.
Erlöse für Musikgeräte in Schulen
Die Erträge aus dem Verkauf der NFC-Chips sollen in Musikgeräte für Schulen fließen, um Kindern den Weg zur Musikkarriere zu erleichtern. Denn das hätte sich Ennio in seiner eigenen Jugend gewünscht: jemanden, der an seinen Traum glaubt.
Exklusives Interview im Musikexpress
Heute, am Donnerstag, den 9. April, trifft der Musikexpress Ennio zu einem exklusiven Online-Interview. Wer mehr erfahren möchte, kann auf Instagram unter @musikexpress_magazin vorbeischauen – das Video geht um 18 Uhr online.




