Frauenfeindlich? „Euphoria“ Staffel 3 empört mit Sexarbeits-Klischees

Alle Hauptcharaktere in der Sexarbeit, Fetisch-Inszenierungen, kein kritischer Blick – warum „Euphoria“ Staffel 3 Fans und Star Chloe Cherry auf die Barrikaden treibt.

Die dritte Staffel von „Euphoria“ läuft und die ersten Reaktionen der Fans fluten die For-You-Pages. Die Reaktionen sind gemischt – viele kritisieren, dass sich der Stil der Serie verändert hat. Vor allem aber rückt die Darstellung der weiblichen Charaktere in den Fokus, die auf Social Media scharf verurteilt wird.

Fünf Jahre später: Alle Hauptcharaktere in der Sexarbeit

Die Handlung der dritten Staffel setzt fünf Jahre nach der zweiten Staffel an. Die Hauptcharaktere sind nun alle erwachsen und befinden sich nicht mehr in der Highschool. Schon nach der Ausstrahlung der ersten Folge zeigten sich Fans stark enttäuscht von den Lebensrealitäten der Fernsehcharaktere – insbesondere von der Darstellung der weiblichen Personen. Denn alle vier weiblichen Hauptcharaktere Rue, Jules, Maddy und Cassie sind auf die eine oder andere Weise in Sexarbeit verwickelt.

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Rue, gespielt von Zendaya, die in den vorherigen Staffeln mit ihrem Drogenmissbrauch zu kämpfen hatte, arbeitet nun in einem zwielichtigen Stripclub. Maddy hat sich zur OnlyFans-Managerin hochgearbeitet, während ihre ehemalige beste Freundin Cassie auf genau dieser Plattform Karriere zu machen versucht. Auch Jules wird in der Serie als „Prostituierte“ bezeichnet – als Sugar Baby eines reichen Mannes.

Stereotypisierend statt empowernd: Die Sexualisierung greift tief

Die Kritik an dieser Präsentation von Frauen fällt umfangreich aus. Die Sexualisierung wirke laut Social-Kommentierenden in keiner Weise empowernd, sondern stereotypisierend und frauenverachtend. Beispielsweise Cassie, die in Hundekostümen und knappem Korsett vor der Kamera twerkt oder mit Schnuller im Mund inszeniert wird – die Serie bedient sich dabei laut Kritiker:innen auch stark sexuelle Fetische. Hinzu käme, dass Rue als lesbische Person auf Frauen reagiert wie ein heterosexueller Mann, was ebenfalls in ein tief misogynes Bild einspielen würde.

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Allein die Tatsache, dass vier von fünf weiblichen Hauptpersonen in der Sexarbeit tätig sind, sei laut Kritisierenden im Internet zutiefst unrealistisch – zumal alle einen Highschool-Abschluss besitzen und damit vielfältige Karrieremöglichkeiten offen stehen würden. Laut offiziellen Zahlen des „Victim Service Center Florida“ seien wohl lediglich rund ein Prozent der weiblichen Bevölkerung der USA in der Sexarbeit tätig.

Fehlende kritische Haltung – auch aus den eigenen Reihen bemängelt

Doch nicht nur die schiere Häufung der Sexarbeits-Darstellungen stößt auf Kritik. Laut vielen Stimmen im Netz fehlt der Serie eine kritische Haltung dazu. Das wurde sogar aus den eigenen Reihen der Produktion angemerkt. „Euphoria“-Star Chloe Cherry, die selbst für ihre Mitwirkung in pornografischen Inhalten bekannt wurde, kritisierte ebenfalls die Darstellung der weiblichen Charaktere in der dritten Staffel. Besonders die Inszenierung von Cassie, gespielt von Sydney Sweeney, als OnlyFans-Star fand bei ihr keinen Anklang.

In einem Interview mit „Refinery 29“ zeigte sie sich schockiert: „Für mich ist es einfach total verrückt zu sehen, wie jemand wie Cassie in die Sexarbeit abrutscht. Also… Heilige Scheiße, sind wir als Gesellschaft wirklich schon so weit?!“

„OnlyFans und Sexarbeit sind zwar mittlerweile normaler geworden, aber das liegt buchstäblich nur daran, dass sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert hat“, erklärt sie. „Das hat nichts mit Selbstbestimmung oder Macht zu tun. Die wirtschaftliche Lage ist furchtbar, deshalb wenden sich die Menschen dem zu. Ich glaube wirklich, dass OnlyFans ein verrücktes, seltsames Phänomen der 2020er Jahre ist, auf das ich später zurückblicken und über das ich sehr verwirrt sein werde.“

Cassie-Darstellerin Sydney Sweeney habe hingegen diese Art von Entwicklung ihrer Rolle noch mehr gepusht. In einem Interview mit „Empire“ erzählte sie, sie wäre bereit, alles für den Charakter zu machen. Auch habe sie bei Showrunner Sam Levinson viele Ideen eingebracht. „Sam ist ein so brillanter Filmemacher, mit dem man einfach toll zusammenarbeiten kann, denn ich lese etwas, rufe ihn dann an und sage: ‚Lass uns noch verrückter werden.‘ Und er antwortet: ‚Ich bin voll dabei.‘ Und diese Staffel ist völlig abgedreht“, erzählte sie.

Kein neues Problem: Kritik zieht sich durch alle Staffeln

Der Vorwurf der misogynen Darstellung ist kein neues. Bereits in den ersten Staffeln gab es Kritik an der Präsentation sexueller Inhalte – umso schwerwiegender, da es sich damals noch um minderjährige Schüler:innen handelte. Gewaltvolle Sexdarstellungen, Sextapes und stark sexualisierte Inszenierungen von Schülerinnen waren schon bei Staffel 2 große Kritikpunkte. Die extremen Abbildungen von Sexualität und Drogenkonsum bei Minderjährigen waren freilich auch Teil des Erfolgskonzepts der Serie. In den vergangenen Staffeln gab es daher immer wieder Momente, in denen toxische Männlichkeit erkennbar kritisiert wurde.

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Diese kritische Perspektive fehlt laut Kommentierenden im Netz in der dritten Staffel. Plus: Das „Time Magazine“, das bereits einen Gesamtblick auf „Euphoria“ werfen konnte, erklärte ebenfalls, dass Rue als einziger weiblicher Charakter nicht durchgehend sexualisiert gezeigt wird.