Interview

Keo im Interview: „Wir machen die Musik für uns, so ehrlich wie möglich“

Keo sprechen im Interview über ihre EP „Siren“, ihr erstes Headline-Konzert außerhalb Großbritanniens in Berlin und die nächsten Schritte der Band.

Wer Keo noch nicht kennt, aufgepasst: Die Band besteht aus vier Jungs und kommt aus Großbritannien. Leadsänger Finn,  Jimmy an der Leadgitarre, Conor am Bass, und Oli sorgt am Schlagzeug für die Beats. Mit ihrer ersten EP „Siren“ schaffte es die Indie-Rock-Grunge-Gruppe, sich eine große Fanbase in UK aufzubauen. In Deutschland sind sie noch Newcomer. Mit ihrer Europatour versuchen sie das nun zu ändern. Anfang April 2026 spielten sie in Berlin im Fluxbau. Wir waren vor Ort, um die Band zu interviewen und euch vorzustellen.

Da zwei von euch Brüder sind: Wann kam der Moment, in dem klar wurde, dass ihr zusammen Musik machen wollt?

Conor: Wir wussten immer, dass wir irgendetwas mit Musik machen würden.

Finn: Ja genau, das war keine bewusste Entscheidung, das war einfach so. Unser Vater ist irischer Folkmusiker, und wir haben früher als Duo für ihn als Vorband gespielt, in kleinen Pubs quer durch Großbritannien. Dort haben wir das Handwerk der Live-Musik gelernt. Dann kam im Lockdown ein Wendepunkt – was machen wir jetzt wirklich, um diese Band zu starten, und was für eine Band soll es sein? Und jetzt sind wir hier.

Wie seid ihr auf euren Bandnamen gekommen?

Conor: Auch so eine Sache, die wir einfach wussten: Wir müsssen Keo heißen.

Finn: Keough, ja. Also, es wird „Kyo“ ausgesprochen, fast wie K-Y-O. Das ist ein irischer Name. Ich glaube, das bedeutet… Pferd… irgendwie. Es ist unser Nachname. K-E-O-G-H ist die eigentliche Schreibweise. Manchmal wünschte ich, wir hätten das beibehalten.

Und die anderen – wie seid ihr zur Band gestoßen?

Oli: Ich bin jetzt seit vier Jahren in der Band. Ich habe Finn an der Musikhochschule kennengelernt. Wir haben Tontechnik studiert. Er hat mich Schlagzeug spielen gehört, und dann haben wir angefangen, zusammen Musik zu machen. Er war am Mischpult und hat mich aufgenommen.

Finn: Ja, und es war sehr gut. Ich erinnere mich noch daran, wie ich das erste Mal mit Oli gespielt habe. Mir wurde klar – es gibt ein altes Sprichwort: Du bist nur so gut wie dein Schlagzeuger. Und das hat sich bewahrheitet.

Jimmy: Ich habe die Jungs über eine Anzeige kennengelernt, die ich für einen Bassisten für eine andere Band aufgegeben hatte, die ich gründen wollte – was nirgendwo hingegangen ist. Dann haben sie mich von meinem eigenen Projekt abgeworben. Aber wir kannten uns auch schon ein bisschen über gemeinsame Freunde in der Szene.

Woher kommt ihr und wo seid ihr aufgewachsen?

F: Conor und ich sind eigentlich von überall.

C: Ja, Devon ist, wo wir unsere Kindheit verbracht haben.

F: Wir haben in Irland gelebt, eine Zeit lang in Watford. Und in Portugal. Wir sind dorthin gezogen – als ich so 14 oder so war. Das war wirklich schön. Dann sind wir vor vier oder fünf Jahren nach London gezogen.

Wann seid ihr also als Band zusammengekommen?

J: Ich glaube, das war vor knapp drei Jahren.

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Erinnert ihr euch noch an euer erstes Konzert – wo und wie war das?

C: Das war Amersham Arms.

F: Das würde ich nicht mal als erstes Konzert zählen. Wir haben auch einen Open-Mic-Abend im Camden Eye gemacht. Ich erinnere mich, dass ich große Angst hatte, weil wir nicht wirklich wussten, wer wir sind.

C: Es waren auch nur ungefähr zwölf Leute da.

F: Je weniger Publikum, desto beängstigender!

J: Ich glaube, wir haben alle ein anderes erstes Konzert. Meines war das in Georgetown 2023, kurz nachdem ich dazugekommen war. Das war ein tolles Konzert! Aber ich hatte davor total Schiss und war richtig nervös.

F: Wenn man eine kleine, aufstrebende Band ist und noch nicht alles über sich und sein Können herausgefunden hat, fühlt sich jedes Konzert wie ein Alles-oder-Nichts-Moment an. Dann wird man etwas älter und spielt mehr, und man schaut zurück und denkt: Ach, passt schon.

C: Ich glaube, es war etwa ein ganzes Jahr, in dem jedes Konzert das letzte hätte sein können.

F: Ja, stimmt. Aber ich glaube, es ist gut, dass wir mit dieser Einstellung rangegangen sind – auch wenn es nicht unbedingt so war.

Was war euer erstes größeres Konzert, bei dem ihr das Gefühl hattet: Das wird jetzt ernst, das ist unser Durchbruch?

F: Für mich hat sich der Electric Ballroom wie etwas Ernstes angefühlt. Es war eine besondere Gelegenheit. Ich erinnere mich, wie ich auf den Balkon geschaut habe und James Corden das Konzert verfolgt hat. Ich dachte nur: Was zur Hölle macht James Corden hier? Das war der Moment, in dem ich dachte: Das wird ein bisschen größer als gedacht.

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Ihr habt jetzt eure neue EP – „Siren“ veröffentlicht. Die EP wurde größtenteils live aufgenommen. Warum habt ihr euch für diesen Ansatz entschieden?

F: Die Art und Weise, wie wir unser Handwerk verfeinert haben, ist einfach, indem wir Musik im Proberaum einstudiert haben – bis sie so klingt, wie wir sie haben wollen. Wir wissen nicht, wie wir das durch einen produzierten, nachgestellten Prozess replizieren sollen. Wir haben versucht, es so zu machen: erst das Schlagzeug, dann den Bass – und das hat keinen Charakter. Im Nachhinein kannten wir uns bei der EP-Aufnahme noch nicht so gut mit Live-Aufnahmen aus. Was wir seitdem gemacht haben, ist noch krasser. Wir nehmen jetzt sogar meinen Gesang live auf. Das ist eine schwer zu erlernende Fähigkeit – man muss als Band sehr eng miteinander sein und schon jahrelang zusammengespielt haben.

C: Man muss diese Energie der Musik einfangen.

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Gibt es auf der EP einen Song, der nicht live aufgenommen wurde?

C: „Thorn“ wurde nicht live aufgenommen.

J: Und ich glaube, ich habe meine Gitarre bei „Amber“ nochmal neu eingespielt.

F: Um ehrlich zu sein, hatten wir bei der EP-Aufnahme noch nicht unseren Durchbruch gehabt. Unsere Fans und die Ticketverkäufe kamen erst viel später. Also hatten wir nur ungefähr vier Tage, um das Ganze aufzunehmen. Und Oli, du warst in diesen vier Tagen sogar krank.

O: Ja, das war wirklich die Hölle.

F: „Thorn“ hat ein wenig darunter gelitten. Abgesehen davon war das meiste live. Es hätte noch mehr live sein können, wenn es nach mir gegangen wäre. Wir haben es in einer Garage aufgenommen.

J: Unsere liebsten Aufnahmen sind das Live-Material.

Wen versucht ihr mit eurer Musik zu erreichen? Habt ihr ein bestimmtes Publikum im Sinn?

C: Jeden, der etwas daraus mitnehmen kann.

F: Keine Frage, wir sind sehr ehrgeizig, was größere Shows und mehr Fans betrifft. Aber das ist eher zweitrangig. Wir versuchen, die Musik für uns zu machen und so ehrlich wie möglich zu bleiben.

Welche Künstler:innen oder Bands haben euch beeinflusst?

F (scherzhaft): Alle. Wen versuchen wir gerade nachzuahmen? Sun Kil Moon?

J: Ich weiß nicht. Die Originale – zum Beispiel Radiohead.

F: Das war eher früher – ich glaube, wir sind da ein bisschen rausgewachsen, weil jede Band irgendwann durch diese Phase geht, in der sie wie Radiohead klingen will. Das ist eine schwere Frage. Jeff Buckley, Sun Kil Moon … das höre ich gerade viel.

J: Oh, und wir haben viel The Waterboys gehört.

F: Ja, stimmt. Wie heißt nochmal dieser Song, den wir so mögen?

C: „We Will Not Be Lovers“.

F: Ja, und „A Girl Called Johnny“. Den mag ich.

Ihr spielt viele Live-Shows. Ist das gerade euer Hauptfokus?

F: Es passiert eine Menge. Heute ist dieses Konzert unser Hauptfokus, und wir nehmen es von Tag zu Tag. Es hat uns alle ein bisschen überrascht, wie viel los ist. Es ist schwer, kreativ zu sein, wenn man nicht gelangweilt ist. Aber wir geben unser Bestes. Es gibt viele Karten, die wir noch im Ärmel haben und auf die wir warten – so ganz dürfen wir das aber noch nicht verraten.

O: Live-Shows waren immer unsere Priorität und unser wichtigstes Marketing-Tool – wir spielen einfach viele Live-Shows.

C: Das ist etwas, worauf wir stolz sind, oder?

O: Ja. Man muss eine gute Performance haben.

J: Das ist auch nichts, womit man geboren wird.

O: Man muss es üben. Man muss eine Million Shows spielen. Irgendwann fangen wir auch an, mehr Musik zu veröffentlichen.

F: Wir haben diese Debatte schon oft geführt – ob der Aufnahmeprozess oder der Live-Prozess wichtiger für uns ist. Oder vielleicht, was wir uns normalerweise fragen: Was macht mehr Spaß? Ich kenne die Antwort immer noch nicht, weil es bei beidem extreme Höhen und Tiefen gibt. Wir behandeln beides gleichermaßen.

J: Aufnehmen kann befriedigender sein, aber die Tiefs sind viel entmutigender.

Eure erste Tour war in Großbritannien und komplett ausverkauft. Wie fühlt es sich nun an, eine internationale Tournee zu spielen?

C: Es fühlt sich mehr nach Neuland an.

F: Ich fühle mich neu belebt, weil wir diesen ganzen Druck nicht haben. Unsere britischen Fans kennen uns so gut und erwarten jeden Abend etwas. Und wir erwarten jeden Abend etwas, weil wir sie so gut kennen. Heute Abend hingegen – wer weiß?

C: Es fühlt sich ein bisschen so an, als würden wir wieder etwas aufbauen.

F: Ja, aber wir sind viel besser als am Anfang.

C: Es ist auch unsere erste Deutschland-Show – erstes Headline-Konzert außerhalb von Großbritannien.

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Jetzt, wo ihr euren Durchbruch hattet – ist es anders als erwartet, dass so viele Menschen eure Musik hören?

F: Ich glaube, das ist für jeden von uns anders. Es ist schwer. Es bringt mehr Nachteile mit sich, als ich erwartet hatte – ehrlich gesagt. Aber wahrscheinlich auch mehr Vorteile. Seltsamerweise habe ich fast das Gefühl – das klingt jetzt sehr hippie –, dass ich das schon mal erlebt habe. Das ist eine Sache, auf die ich mein ganzes Leben so viel Druck ausgeübt habe. Ich habe alles auf diese Karte gesetzt, und als es dann passiert ist, als es anfing voranzugehen, fühlte es sich an, als wären wir dafür bestimmt. Als gäbe es keine andere Wahl.

C: Ich habe mir am Anfang gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht, wie es wäre, viele Fans zu haben. Ich wollte auf größeren Bühnen vor Menschen spielen – nicht unbedingt wegen der Fans. Es ging mir nicht um die Berühmtheit. Meine Gedanken drehten sich mehr darum, ein Projekt aufzunehmen, auf das wir wirklich stolz sind.

F: Genau. Einfach einen Tag nach dem anderen nehmen. Als wir in Birmingham gespielt haben, sind wir nach der Show in einen Pub. Es kam raus, dass wir da waren, und so viele Leute kamen rein. Dann kann es sich ein bisschen so anfühlen, als würden Augen auf einem liegen. Aber wir sind alle sehr dankbar dafür. Unsere Fans sind nette Menschen, sie wollen Bands gründen, und wir inspirieren andere junge Menschen dazu, Bands zu starten – darüber kann man sich nicht beschweren.

J: Man sieht sich manchmal selbst in den Fans.

Gibt es einen bestimmten Ort oder ein Festival, von dem ihr immer geträumt habt, dort zu spielen?

O: Glastonbury wäre krass.

F: Ja, das wäre nicht schlecht. Wir sind alle traurig, dass es gerade ein Ruhejahr gibt. Für mich wäre unser eigenes Finsbury Park eine Sache.

C: Für mich ist es die nächste Stufe – die, die ich seit Bandgründung im Kopf hatte: Kentish Forum.

F: Ja, das ist es, oder? Kentish Forum. Das ist das eine, das ich mir immer gesagt habe: Wenn wir das erreicht haben. Kentish Forum ist vielleicht DAS EINE für uns alle. Wir sind dort zusammen zu vielen Konzerten gegangen.

J: Meins wäre Brixton. Weil es South-East ist. Das ist meins.

Was sind eure nächsten Schritte? Habt ihr Dinge geplant?

F: Ne, nicht wirklich. Ihr müsst einfach abwarten.

C: Wir haben eine tolle Festivalsaison vor uns. Ziemlich aufregend.

O: Und zwei Amerika-Shows.

F: Die USA werden großartig. Darauf freue ich mich. Und viele Festivals. Wir haben zwar schon auf Festivals gespielt, aber nicht so wie wir es jetzt machen werden.

C: Und auch Istanbul!

Habt ihr noch eine Nachricht an unsere Leser:innen?

F: Kommt und seht uns spielen!

Die Jungs live zu erleben macht auf jeden Fall viel Spaß. Vor allem in der recht kleinen Venue in Berlin konnten sie mit ihrer Musik eine krasse Stimmung machen. Nun wartet ein Sommer voller Live-Shows und Festivalauftritte auf der ganzen Welt auf die Band. Wer sie also jetzt entdeckt hat, wird noch einiges mitbekommen.