35 Jahre Local Heroes: Wie ein Kulturprojekt die deutsche Musikszene prägte

Frei, unabhängig, solidarisch – seit 35 Jahren entdeckt Local Heroes die Nachwuchsmusiker:innen von morgen. Die Geschichte eines Projekts, das größer wurde als gedacht.

Wir schreiben das Jahr 1989: Die Mauer fällt, und Deutschland steht vor einer neuen Herausforderung – der kulturellen Verbindung zwischen Ost und West. Auftritt Dieter Herker, der bis dahin im Wendland an der innerdeutschen Grenze ein basisdemokratisches Kulturverständnis gelebt hatte, geprägt vom Kulturverein Platenlaase und der Anti-AKW-Bewegung um Gorleben. Während im Radio die Scorpions mit „Wind of Change“ Platz eins der deutschen Jahrescharts erreichen, hört Herker zuhause Krautrock und die Bands des Schneeball-Labels – Musik, die sich keiner Industrie ausliefert. Er will sich der neuen Aufgabe mit einem bewährten Mittel der kulturellen Verständigung stellen: mit Musik. So entsteht die Idee von Local Heroes – so einfach wie genial.

Ab 1991 finden erste Vorentscheide in Salzwedel, Uelzen und Lüchow-Dannenberg statt – drei Orte entlang einer Grenze, die es offiziell nicht mehr gibt. Kennt ihr noch Devilish? Nein? Dann vielleicht unter ihrem heutigen Namen: Tokio Hotel. Denn über die Jahre finden viele interessante Bands den Weg auf die Bühnen von Local Heroes. Madsen, Guano Apes, Schmutzki und der heutige Weltproduzent Zedd sind nur eine kleine Auswahl der Teilnahmeliste.

Vom Ost-West-Projekt zum nationalen Newcomer:innen-Preis

Local Heroes entwickelt sich von einem verbindenden Ost-West-Element zu einem Showcase der deutschen Newcomer-Szene. Der gemeinnützige Verein strukturiert sich gemeinsam mit Aktion Musik zu einem festen Newcomer:innen-Preis um – mit jährlichem Bundesfinale auf Schloss Hundisburg im Magdeburger Umland und Vorentscheiden in inzwischen 13 Bundesländern. Über die Jahre haben sich tausende Nachwuchsmusiker:innen beworben: ohne Teilnahmegebühr, ohne Major-Label-Anbindung. Gefördert werden alle populärmusikalischen Stile, von Indie über Hip-Hop bis Elektronik.

Doch der Newcomer:innen-Preis ist dabei nur die sichtbarste Spitze. Drumherum hat sich über die Jahre ein Fördernetzwerk entwickelt, das Bands und Acts weit über den Wettbewerb hinaus begleitet: Coachings, Mentorings, Booking-Vermittlung, Pressearbeit, Studioaufnahmen und Showcases auf Festivals.

Finalisti:innen im August, Workshops im September, Preisverleihung im November

Wie das konkret aussieht, lässt sich am laufenden Programm für 2026 ablesen. Aktuell finden in den Bundesländern Vorausscheide und Landesfinale statt – etwa über Konzerte im ländlichen Raum mit etablierteren Acts wie Van Holzen. Im August werden dann die diesjährigen Bundesfinalist:innen verkündet.

Vom 3. bis 6. September folgt ein Workshop-Wochenende auf Schloss Hundisburg bei Magdeburg: vier Tage mit individuellen Artist-Coachings, Videoproduktionen und Interviews. Die dort entstandenen Musikvideos und Songs werden dann am 19. November erscheinen, ehe am 28. November in Magdeburg die Preisverleihung steigt.

35 Jahre Local Heroes

Jetzt feiert Local Heroes eine 35-jährige Geschichte mit vielen Höhepunkten und umgesetzten Visionen: von der Einladung zur Expo 2000 in Hannover über Kooperationen und Patenschaften mit Udo Lindenberg, Silly und Smudo bis zur 2015 vollzogenen Stabübergabe an Julia Wartmann, die das Projekt seither leitet.

Herker selbst bleibt beratend an Bord. Der Blick zurück auf 35 Jahre Positives für die deutsche Musikszene lässt daher auf ein ewiges Bestehen von Local Heroes hoffen – sodass viele neue Künstler:innen gefördert und entdeckt werden können.