Manuellsens KI-Song wird auf Spotify gesperrt
Warum der erste deutsche KI-Rap-Track gesperrt wurde und was GRiNGO damit zu tun hat.
Spätestens jetzt sollten all jene, die KI-Songs bisher als keine Bedrohung für reale Kunst betrachteten, vom Gegenteil überzeugt sein. Der KI-Boom besteht schon lange und überschwemmt das Internet. Doch KI blieb bisher immer rein KI und echte Künstler:innen blieben echte Künstler:innen. Der KI-Song mit dem „sympathischen“ Namen „Wieso sagt ChatGPT?“ öffnet nun eine Tür, die bisher verschlossen blieb.
Wieso Manuellsen?
Das Konzept ist so einfach wie genial. Während noch vor einem Jahr viele behaupteten, KI von realen Videos oder Musik unterscheiden zu können – zumindest jene, die keinen Gruppenausflug von Facebook auf TikTok hinter sich haben –, scheint es mittlerweile kaum noch möglich, den Unterschied zu bemerken. Während Künstler:innen versuchen, ihren Online-Auftritt mit tausenden TikTok-Videos anzukurbeln, auf denen sie ihre Songs lipsyncen, akustisch einspielen oder einen dreifachen Flick-Flack machen, kann KI die Plattform weitaus effizienter bespielen. Videos werden nicht gedreht, sie werden gepromptet – und sollte der produzierte Track keine direkte Hörerschaft finden, ist Version 5.7 nur ein paar Klicks entfernt.
In einer Zeit, in der Output und Klicks über Erfolg entscheiden, scheint KI der Endgegner jedes Indie-Künstlers und jeder Indie-Künstlerin zu sein. Doch während die Angst vieler Kunstschaffender, von einer KI ersetzt zu werden, emotionale und ethische Fragen aufwirft, hält auch strafrechtlich relevante Kritik Einzug in die Debatte. Die Frage „Was hat die KI trainiert?“ füllt momentan ganze Räume mit Anwält:innen, die behaupten, die KI sei mit unlizenziertem Material der Künstler:innen trainiert worden. Deshalb versuchen viele Musikschaffende seit Jahren, auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Doch genau diese Debatte droht in Deutschland nun zu kippen – denn der Mann, der Bushido 2015 ein NRW-Verbot erteilte, lässt der KI freien Lauf.
Nicht mehr aufrufbar
Der KI-Künstler Nimi ging auf TikTok mit seinem Song „Wieso sagt ChatGPT?“ viral. Zu sehen ist ein imaginärer Künstler, der am Klavier seine Gesangskünste zum Besten gibt – mal auf der Bühne als Headliner, mal in einem prunkvollen Saal mit Publikum. Nachdem Manuellsen den Song in einem seiner Streams hörte, entschloss er sich, ein Feature beizusteuern. Sein eigenes Fazit: Es sei gar nicht so einfach, gegen eine „perfekte“ KI-Stimme anzukommen. Der „Künstler“ Nimi gewann laut hiphop.de über 14.000 Follower auf Instagram, und der Song, der am 12. Juni 2026 erschien, entpuppte sich als wahrer Erfolg. Mittlerweile zählt er über 193.000 Streams auf Spotify – und das wird auch erst einmal so bleiben.
Wer sich selbst ein Bild von dem KI-Song mit Manuellsen machen möchte, muss leider TikTok nach Snippets durchforsten oder Manuellsens Festplatte klauen: Nimi ist gesperrt. Stand 15. Juni 2026 ist der Song auf Spotify nicht aufrufbar und das Instagram-Profil gesperrt. Die Frage lautet: Warum macht Spotify diesen „ChatGPT“? Fragen wir doch einfach die KI selbst – ChatGPT antwortet:
„Dafür gibt es meist nur wenige mögliche Gründe:
- Der Titel wurde vom Rechteinhaber (Label, Künstler oder Distributor) vorübergehend oder dauerhaft zurückgezogen.
- Es gibt ein Urheberrechts- oder Lizenzproblem.
- Der Song wurde neu hochgeladen und die alte Version entfernt.
- Er ist in bestimmten Ländern vorübergehend nicht verfügbar.
- Es handelt sich um einen technischen Fehler der Plattform.“
Natürlich lässt sich an diesem Punkt nur spekulieren – doch könnte es Urheberrechtsprobleme geben? Fast schon ironisch, wie die erste Rap-Kollaboration zwischen KI und Mensch in Deutschland aus bisher unbekannten Gründen von Streamingplattformen gesperrt wird. Ob das mit den aktuellen Rechtsstreitigkeiten rund um SUNO AI zusammenhängt oder einen trivialeren Grund hat, bleibt offen.
GRiNGOs KI-Feature
Doch das Feature-Debüt gab es gleich zweimal. Auch GRiNGO entschloss sich, einem ganz besonderen Feature-Gast eine Chance zu geben: einer KI namens „KiKi“ – sehr originell. „Aua, oh oh, GRiNGO ist sauer“ – denn wenn man die Kunstfreiheit schon an eine KI verkauft, dann doch bitte mit Streams. Der ebenfalls am 12. Juni erschienene Track „Ma Chérie“ steht mittlerweile bei über 56.000 Streams auf Spotify, während die Künstlerin KiKi mit 147 Instagram-Followern eher unbekannt geblieben ist. Immerhin ist dieses Werk noch auf Spotify zu hören und der Instagram-Kanal nicht gesperrt. Ob KiKis Instagram schlicht zu irrelevant ist, um gesperrt zu werden, oder ob er sich im Vergleich zu Nimi an alle rechtlichen Vorgaben gehalten hat – das wissen bislang nur die Plattformbetreiber und die Künstler:innen selbst.




