VIP-Soundcheck vor dem Konzert: Echte Exklusivität & Nähe oder Abzocke?

Für 200 bis 300 Euro verspricht der VIP-Soundcheck Nähe zur Band – konkret steckt dahinter eher eine Art Mini-Konzert. Lohnt es sich wirklich?

Ticketpreise steigen gefühlt immer weiter, VIP-Angebote gelten schon lange nicht mehr nur die very important people, und wer auch nur die winzigste Chance auf Plätze in der ersten Reihe haben möchte, steht für seine Lieblingsband stundenlang Schlange. Wo hört das alles auf?

Mit genügend Geld auf der hohen Kante lässt sich scheinbar noch mehr Zeit, noch mehr Nähe und noch ungeteiltere Aufmerksamkeit erkaufen. Es eröffnet sich eine neue exklusive Nische im Konzertmarkt: der VIP-Soundcheck. Was steckt wirklich dahinter – und sind sie das Geld wert?

Vor allen anderen in der Location – aber wie intim ist das wirklich?

Vor allen anderen in die Halle dürfen und beim Soundcheck Mäuschen spielen – vielleicht sogar ganz entspannt mit den Musiker:innen quatschen? Ganz so intim und ungestellt laufen die VIP-Soundchecks meistens nicht ab. Zunächst müssen Fans bei großen Künstler:innen meist 200 bis 300 Euro für die exklusiven Tickets hinblättern. Das kommt natürlich auf die jeweilige Künstler:in an, aber wer global hohe Streamingzahlen einheimst – wie Zara Larsson, BTS oder auch FKA twigs – kann das schon mal für ein paar Minuten Zuhören beim Soundcheck verlangen. Und die Fans zahlen es. Besonders bekannt ist das Soundcheck-Phänomen im K-Pop-Bereich.

Kein echter Soundcheck – sondern ein XS-Konzert

Aber ist das überhaupt ein echter Soundcheck? Wer schon mal hinter den Kulissen eines Konzerts war, denkt dabei zuerst an „eins, zwei, drei, check“, bevor kurz ein paar Lieder angesungen, aber nicht beendet werden, einige Knöpfe verstellt und viel Feinschliff vorgenommen wird. Ein Soundcheck verlangt vor allem Geduld und Feingefühl – sind da kreischende Fans nicht nur ein Störfaktor?

Meistens finden die VIP-Soundchecks erst nach den offiziellen Soundchecks der Bands statt. Bei den sogenannten VIP-Soundchecks handelt es sich daher eher um Mini-Konzerte in der Länge von drei bis vier Songs, bei denen nur kleine Gruppen von Fans anwesend sind. Häufig interagieren die Artists mit den Fans, filmen ist allerdings manchmal verboten.

Plus: Durch das wenige Publikum können die VIPs meistens auch direkt vor der Bühne stehen.

Der zweite Benefit: Anstehen adé

Ein weiterer Benefit, den VIP-Soundcheck-Tickets oft haben: Man kann sich das stundenlange Anstehen vor der Halle sparen. Bei vielen Soundcheck-Tickets ist nämlich inbegriffen, dass man nach dem kleinen Privatkonzert stehen bleiben darf – und somit die ersten Reihen vor der Bühne fast sicher hat.

Das ist nicht immer so, aber ein generell früherer Einlass gegenüber den allgemeinen Tickets ist so gut wie immer Bestandteil des VIP-Packages. Wer jedoch seinen Platz vorne aufgibt, hat dann häufig noch die Möglichkeit, ganz in Ruhe Merch zu besorgen, bevor die begehrtesten Teile weg sind.

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Bekannte Artists, die bereits VIP-Soundchecks angeboten haben, sind zum Beispiel Zara Larsson und Tate McRae. Die „Lush Life“-Sängerin zeigt sich dort zum Beispiel im Kontrast zu ihrer großen Show nicht Full Glam im Klitzerkleid, sondern ganz entspannt in Jeans und Sweater. Für ihre nächste Show in Tokio gibt es VIP-Upgades für umgerechnet circa 126 Euro – hier ist das allgemeine Konzertticket noch nicht inklusive, ein Stehplatz würde beispielsweise um die 70 Euro kosten – zusammen also fast 200 Euro. Für die Pre-Show im australischen Adelaide und im koreanischen Seoul sind es ebenfalls knapp unter 200 Euro, hier sind die Konzerttickets im VIP-Angebot inbegriffen.

Tate McRae spielt in ihren Soundchecks neben eigenen Songs auch exklusive Cover, darunter Songs von SZA, Taylor Swift, Lana Del Rey, Noah Kahan und vielen mehr. Teil ihres Soundcheck-Konzepts sind Q&A-Formate, in denen sie ihren Fans Rede und Antwort steht. Bei ihrer „Miss Possessive Tour“ 2025 in der Lanxess Arena in Köln lagen die Preise für ein akustisches Set inklusive Meet and Greet bei 384,50 Euro.

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Lohnt es sich – und zu welchem Preis?

Insgesamt also ein exklusives Erlebnis, das aber von Veranstalter zu Veranstalter unterschiedliche Regeln befolgt und andere Benefits beinhaltet. Wer zusätzlich zu einem Konzert in voller Länge eine Handvoll Songs in intimer Atmosphäre erleben möchte, für den lohnen sich die hohen Preise vielleicht. Eine gesteigerte Chance auf gute Plätze haben die VIP-Fans jedenfalls auch. Gleichzeitig stärkt die Einteilung in unterschiedlichste Ticketkategorien einen eh schon absurden Konzert-Klassismus: Menschen, die sich nur General-Admission-Tickets leisten können, müssen sich wortwörtlich hintenanstellen.

 

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