Konzertbericht

System of a Down in Berlin: Olympiastadion feiert Konzert-Comeback

SOAD spielten im Berliner Olympiastadion ein 30 Songs starkes Set ohne Pause & zeigten dabei beeindruckende Spielfreude.

Neuigkeiten sind rar für die Fans von System of a Down, denn die Band tourt selten und hat seit 2005 kein Album mehr veröffentlicht. Ihre singuläre Position aufgrund des einzigartigen Sounds, hergestellt durch Einflüsse armenischer Volksmusik, und ihre traditionell starke politische Positionierung sind jedoch ungebrochen.

Um die Jahrtausendwende bedeutete das für viele – den Autor dieser Zeilen eingeschlossen – ein veritables Erweckungserlebnis. Der Stimmung im Stadion ist am Mittwochabend (8. Juli) dieses Erbe anzumerken.

Pop-up-Shop und Fantum

Schon von Montag bis Mittwoch gab es einen Pop-up-Shop. Viel Aufhebens um Merch für eine Band, die einst eine LP „Steal this Album!“ betitelte. Von den Fans wurde er dennoch angenommen, wie an den vielen Shirts zu sehen ist, die eigens für das Berliner Konzert gestaltet wurden – und an den vielen Fußballtrikots. Optisch ist das alles höchst fragwürdig, zum Glück stimmt der Sound.

Das Wetter ist perfekt, um einen angenehm sonnigen Nachmittag im Olympiastadion zu verbringen, ohne allzu sehr ins Schwitzen zu kommen – es sei denn, man möchte. Obwohl viele altersbedingt mit Rückenschmerzen zu kämpfen haben dürften, sind sie dem Pogo nicht abgeneigt.

Der Support kommt von Acid Bath und Queens of The Stone Age, die eigentlich auch alleine, vielleicht etwas kleinere, Stadien füllen könnten. Diese Edel-Unterstützung wollen sich viele der teils weitgereisten Fans nicht entgehen lassen, doch spätestens um 20 Uhr ist das Olympiastadion bis unters Dach gefüllt, der Innenraum sowieso.

Ein Set ohne Verschnaufpause

Pünktlich um 20 Uhr eröffnen SOAD mit „Soldier Side – Intro“ und „B.Y.O.B.“, exakt so wie das 2005 erschienene „Mezmerize“, das, zusammen mit dem sechs Monate später erschienenen Zwillingsalbum „Hypnotize“, das letzte Album war, das die Band ihren Fans gönnte. Frühe Highlights sind die lautstark vom Stadion gesungenen „Radio/Video“ und „I-E-A-I-A-I-O“, das sich als erstaunlich gut funktionierende Stadion-Hymne entpuppt.

Hydration Breaks mag es bei der FIFA geben, aber bei SOAD wird das knapp 30 Songs fassende Set gnadenlos und quasi ohne Ansagen durchgezogen. Serj Tankian interessiert sich nicht für die vermeintliche Pflicht, der Sänger müsse gleichzeitig auch Entertainer sein. Nicht weil er nichts zu sagen hätte, sondern weil er sich nicht mit Plattitüden abgeben will.

System of a Down live in Berlin, 2026
Wir waren bei der Show im Olympiastadion dabei – so war’s

Alte Kraft, ungebrochene Energie

Auch wenn sein Bart mittlerweile kürzer und deutlich grau meliert ist, haben System of a Down nichts von ihrer früheren Energie verloren. Shavo Odadjian am Bass springt noch immer als berufsjugendlicher Derwisch über die Bühne. Der Drummer John Dolmayan knüppelt in einem seltsamen Muscle-Shirt mit Bundesadler so unnachgiebig wie präzise. Vielleicht sind die Stimmen nicht mehr ganz so voll wie sie mal waren, doch im Duett zwischen Serj Tankian und Gitarrist Daron Malakian entfaltet sich noch immer ein beeindruckendes Volumen, das unter die Haut geht.

Nach eindreiviertel Stunden gipfelt das Konzert in „Toxicity“ mit zahlreichen Circle Pits und setzt mit „Sugar“ einen schnörkellosen Schlusspunkt. Keine Spielereien, keine Zugaben. Nur Dolmayan verteilt noch ein gutes Dutzend Schlägel ins Publikum. Sie können es also noch. Bleibt nur die Frage, wie lange man sich bis zum nächsten Mal gedulden muss.

Clemente Ruiz

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