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A24: Ein kleines New Yorker Studio macht Indie-Filme endlich wieder spannend

Am Beginn unserer Karrieren fanden wir Filme nicht besonders spannend. Und genau darin sahen wir eine Chance“, sagte Daniel Katz in einem Interview vor drei Jahren. Katz hat gemeinsam mit John Hodges und David Fenkel das Independent Filmstudio A24 Films in New York gegründet. Die drei arbeiteten vorher bei Focus Features und Big Beach Films („Little Miss Sunshine“). 2012 gaben sie bekannt, mit A24 jährlich acht bis zehn Filme auf die Beine stellen zu wollen – entweder deren Vertrieb oder direkt die gesamte Produktion. 2016, nur vier Jahre nach der Gründung, ist A24 zum vielleicht aufregendsten Indie-Studio der USA herangewachsen.

Wann A24 den endgültigen Durchbruch hatte, ist dabei nicht ganz einfach zu definieren. In tiefsten Indie-Kreisen, in denen ein Kinofilm gar nicht avantgardistisch genug sein kann, gelang dem Studio bereits 2013 der große Wurf. Und zwar mit „Spring Breakers“, Harmony Korines Psychospielchen mit Selena Gomez und James Franco. Kurz darauf brachte A24 dann „Under the Skin“ mit Scarlett Johansson und „Enemy“ mit Jake Gyllenhaal auf den Markt. Bereits ein Jahr nach der Gründung haben Katz, Hodges und Fenkel Schauspieler und Filmemacher angelockt, die zwar großes Geld mit Mainstream-Kino machen, sich aber auch immer wieder mal nach einem kleineren Projekt mit ungleich kreativerem Output sehnen. Ein Beispiel: Emma Watson („Harry Potter“) wird im kommenden Jahr in Disneys „Die Schöne und das Biest“-Remake weltweit auf Platz Eins aller Kinocharts landen. Respekt als Darstellerin hat sie sich aber mit Sofia Coppolas „The Bling Ring“ verdient – erschienen 2013 bei A24 Films.

Die Gründer des Studios mischen ihre Erfahrungen im Filmgeschäft mit Start-up-Spirit und transportieren in ihre Kampagnen New Yorker Hipster-Chic. Die Gemeinsamkeit aller A24-Filme: Geschmack für Themen, einen konstant durchgezogenen Look und für die richtigen Darsteller – bevorzugt sind dies bereits bekannte Gesichter, an denen man sich aber noch nicht satt gesehen hat, wie Daniel Radcliffe, Paul Dano, Oscar Isaac, Brie Larson, Michael Fassbender. Sie alle haben ihren zuletzt stilsichersten Film bei A24 gedreht: Radcliffe begeisterte auf dem Sundance Film Festival in „Swiss Army Man“ (Kinostart noch unbekannt) an der Seite von Paul Dano als Allzweck-Leiche.

Vier Oscars in vier Jahren

Oscar Isaac generierte durch seine Rolle in „Ex Machina“ mehr Fans, als durch seinen Auftritt in „Star Wars“, Brie Larson erhielt durch den von A24 vertriebenen „Room“ einen Oscar für die beste weibliche Hauptrolle. Spätestens bei der vergangenen Oscarverleihung, als von A24 vertriebene Filme zwei Oscars erhielten („Ex Machina“ für die besten Effekte), war der endgültige Durchbruch für das junge Studio besiegelt. Indie dringt – auch dank A24 –  wieder zuverlässig in den Mainstream ein, den viele Zuschauer ob zu vieler Fortsetzungen, Remakes und Superhelden mittlerweile als nervtötend empfinden. Auch viele Gesichter und Filme aus dem Independent-Kino kommen dem gemeinen Rezipienten zu beleidigt und defensiv daher.

Der schnelle Aufstieg des Studios basiert dabei nicht nur auf der geschmackvollen Auswahl der Produktionen, sondern ebenfalls auf Marketing-Coups, die den Filmen dann die gewünschte (positive) Presse beschert. Zu „A Most Violent Year“ ließ A24 beispielsweise ein Retro-Blog über das Millieu in den 1980ern anlegen, in dem der Film spielt. Auf dem Sundance Festival 2015 erschien plötzlich Ava auf der Dating-App Tinder als eine künstliche Intelligenz, mit der Flirt-Willige Festivalbesucher schreiben konnten – eine Werbeaktion für den Film „Ex Machina“, in dem sich ebenfalls alles um die Roboter-Dame dreht. Die Aktion bedurfte nur einen Monat Planung, kostete wenig und sorgte für Schlagzeilen auf der ganzen Welt – Chapeau!


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Dazu rollt A24 Filme wie „Room“ in den USA erst langsam aus und lässt sie nur in wenigen Kinos laufen. Mundpropaganda ersetzt so teure Werbemaßnahmen vor dem landesweiten Kinostart und suggeriert ohnehin mehr Authentizität. Asif Kapadia, der die Dokumentation „Amy“ über die verstorbene Sängerin Amy Winehouse drehte und dafür einen Oscar gewann, schwärmt ebenfalls von den Fähigkeiten der Vertriebs-Newcomer aus New York: „Sie wählen das richtige Startdatum, die richtigen Kinos, die richtige Plattform. Bei ‚Amy‘ hatten sie einen Instinkt, folgten ihm und hatten am Ende recht.“

Gute Drehbücher und irre Filmideen

Doch egal, wie gut A24 seine Kampagnen aufzieht. Der Erfolg des Unternehmens fußt letztendlich auf den Drehbüchern, die hier verfilmt und vertrieben werden: Tom Hardy wurde in „Locke“ zum Ein-Mann-Ensemble. Colin Farrell droht in „The Lobster“ (voraussichtlicher Kinostart in Deutschland am 23. Juni 2016) die Verwandlung in einen Hummer, wenn er nicht in wenigen Wochen einen Freund findet. Patrick Stewart ist aktuell in dem von A24 vertriebenen „Green Room“ als Anführer einer Bande von Neonazis zu sehen. Die New Yorker achten bei jedem ihrer selbst produzierten oder eingekauften Produkte auf einen gewissen Twist – und enteilen dadurch gerade Indie-Konkurrenz und Mainstream-Einfallslosigkeit.

Den ersten ganz großen Coup in Deutschland könnte A24 am 3. November gelingen. Dann startet „Morris aus Amerika“, der auf dem diesjährigen Sundance Festival vor allem für sein Drehbuch und seine Darsteller gefeiert wurde. In „Morris aus Amerika“ schlägt ein übergewichtiger, schwarzer Junge eine Karriere als Gangster-Rapper ein – im deutschen Heidelberg.

 


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