Aerosmith: Die wichtigsten Alben und Cameo-Auftritte
Wir steigen bei Aerosmith ein!
Aerosmith (1973)
Wenn es jemals ein Album in der Rockgeschichte gegeben hat, das von einem Re-Recording profitieren würde, dann das Debüt von Aerosmith: Steven Tyler stand noch nicht zu seiner Stimme, versuchte sich an einem Blues-Imitat und landete stattdessen bei Kermit, dem Frosch. Ein Monstertrack wie „Mama Kin“, für dessen Riff „See My Way“ der obskuren Britrocker Blodwyn Pig beliehen wurde, ist so drucklos produziert wie mit einem Diktiergerät aufgenommen, das Saxofon geht im Mix völlig unter. Nicht auszudenken, welch ein Jahrhundert-Hit die dramatische Einstandssingle „Dream On“ bei besserer Verarbeitung hätte werden können.
Dreieinhalb Sterne
Toys in the Attic (1975)
Mit ihrem besten Album griffen sie weit in die Zukunft: Ein Remake von „Walk This Way“ sollte 1986 HipHop in den (weißen) Mainstream hieven, die Strophenmelodie von „Uncle Salty“ schnappte sich Shania Twain später für „Man! I Feel Like A Woman“, und mit dem orchestralen „You See My Crying“ als episches Finale nahm die Band den Sound ihres Comebacks gute zehn Jahre später vorweg. Der Höhepunkt „Sweet Emotion“ verführt einen wie eine Schlange, bevor er zubeißt – und nie wieder loslässt.
Fünf Sterne
Rocks (1976)
Gerne wird im Zusammenhang mit dem Album Slash zitiert, der als Jugendlicher von einer älteren Schulfreundin mit klaren Absichten nach Hause eingeladen wird. Doch bevor es zum Äußersten kommt, legt sie Rocks auf, und der Gitarrengott in spe vergisst Raum und Zeit. Mit Songs wie „Rats In The Cellar“ knüpft die Platte direkt an „Toys in the Attic“ an, kommt aber etwas stumpfer und weniger verspielt als der Vorgänger daher – es fehlen eben die Toys.
Viereinhalb Sterne
Permanent Vacation (1987)
Auf den zweiten Anlauf gelang das Comeback, das ihnen 1985 mit „Done With Mirrors“ noch verwehrt geblieben war: Dank erstmaliger Zuhilfenahme von Profi-Songwritern wie Desmond Child, Jim Vallance und Holly Knight, einem Schwenk zum poppigen Hair-Metal sowie einem weiteren Beatles-Cover („I’m Down“), landete die Band drei Top-20-Hits. Die Over-the-top-Ballade „Angel“ erreichte gar Platz drei der USA. Ausverkauf? Und wie! Aber sie verkauften viel!
Vier Sterne
Pump (1989)
Auch jenseits der 40 nicht um anzügliche Pennälerwitze verlegen, ließ die Band auf dem Cover ihrer zehnten Platte „Trucks“ kopulieren. Die Botschaft war klar: Trotz des Gänsehautstücks „Janie’s Got A Gun“ über Kindesmissbrauch war das hier eine Feel-Good-Platte. Die Titel sprechen für sich: Mit „Young Lust“ und „F.I.N.E.“ geht’s los, wobei das Akronym für „Fucked Up, Insecure, Neurotic, and Emotional“ steht, bevor Tyler zum ungenierten „Love In An Elevator“ aufruft. Die Songs werden von kurzen Skits und Instrumentals zusammengehalten. Mit der abschließenden countryfizierten Powerballade „What It Takes“ zementierten Aerosmith zum Jahrzehntwechsel ihren Ruf als „America’s Greatest Rock and Roll Band“.
Fünf Sterne
Get a Grip (1993)
So überwältigend war der popkulturelle Einschlag der Videoreihe mit Alicia Silverstone, so von Ohrwürmern durchbohrt die dazugehörigen Instant-Classics „Cryin’“, „Amazing“ und „Crazy“, dass die Sozialkritik im Fast-Food-Format der vorangegangenen Singles „Livin’ On The Edge“ und „Eat The Rich“ schnell vergessen wurde. So wie letztlich auch der Rest des Albums. In Erinnerung blieben nur der „Walk This Way“ zitierende „Intro“-Rap sowie der herzhafte Rülpser am Anfang des Titelstücks.
Viereinhalb Sterne
I’m Down (geloadet)
Am 27. Juni 1994 veröffentlichten Aerosmith als erster Musik-Act einen Song als digitalen Download und stellten das bereits zuvor als B-Seite von „Eat The Rich“ erschienene „Head First“ als vier Megabyte große WAV-Datei für Abonnent:innen des Internetdienstanbieters CompuServe zur Verfügung. Rund 10.000 User luden den Song in den ersten Tagen herunter, was jeweils fast eine Stunde dauerte.
The Movie
Nicht nur durch ihre Videos etablierten sich Aerosmith auf unseren Bildschirmen. Immer wieder hatten sie (Cameo-)Auftritte in Filmen und steuerten Songs für Soundtracks bei. Schon der Titel „Walk This Way“ geht auf ein Zitat aus Mel Brooks’ 1974er-Komödie „Frankenstein Junior“ zurück. Erstmals traten Aerosmith 1978 in dem Beatles-Musicalfilm „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ auf, mit dem sich die Bee Gees und Peter Frampton arg verhoben. In dem unglücklichen Streifen verkörperten sie die „Future Villain Band“ und performten ein Cover von „Come Together“.
Im Zuge ihres Comebacks belieferten sie 1987 den „Less Than Zero“-Soundtrack mit einer Neuaufnahme des 1957er-Oldies „Rocking Pneumonia And The Boogie Woogie Flu“. 1990 gesellten sie sich ins Kellerstudio von Wayne Campbell und Garth Algar und gaben für einen „Wayne’s World“-Sketch der Sendung „Saturday Night Live“ die Titelmelodie der Reihe zum Besten. Im selben Jahr steuerten sie das Doors-Cover „Love Me Two Times“ für den „Air America“-Soundtrack bei. 1991 wurden sie zur ersten Band mit einem Cameo-Auftritt bei den „Simpsons“, in der 10. Folge der 3. Staffel, „Das Erfolgsrezept“ (im Original „Flaming Moe’s“).
1993 spielten sie in „Wayne’s World 2“ „Dude (Looks Like A Lady)“ (der Song taucht im selben Jahr auch, passend, in „Mrs. Doubtfire“ auf) und „Shut Up And Dance“ und gaben „Sweet Emotion“ für das Intro des Richard-Linklater-Dramas „Dazed And Confused“ frei. Kurz vor Jahresende landete der Pump-Outtake „Deuces Are Wild“ auf der Compilation The Beavis and Butt-Head Experience (wo auch der letzte zu Kurt Cobains Lebzeiten veröffentlichte Nirvana-Song „I Hate Myself And Want To Die“ zu finden war).
Fünf Jahre darauf standen sie mit der Schnulze „I Don’t Want To Miss A Thing“ an der US-Chartsspitze; die Diane-Warren-Komposition entstammte dem „Armageddon“-Soundtrack, auf dem ebenso „Come Together“, ein Remix von „Sweet Emotion“ sowie der neue Song „What Kind Of Love Are You On“ zu hören waren. 2000 komponierten sie den Song „Angel’s Eye“ für den Soundtrack von „Drei Engel für Charlie“, zwei Jahre später rockten sie das „Theme From Spider-Man“ für den ersten Film mit Tobey Maguire als Peter Parker.
Im Jahr darauf waren sie in einem „Roger Rabbit“-artigen Cartoon-Video zu ihrem Stück „Lizard Love“ aus dem Film „Die Rugrats auf Achse“ zu sehen. 2005 traten sie in der John-Travolta-Komödie „Be Cool“ auf, in der Tyler eine tragende Rolle übernahm.




