Als die Helden fliegen lernten

Es ist eine Entwicklung, die niemand vorhersagen mochte: Was bis Ende der 90er-Jahre von Kritik und Fans noch argwöhnisch beäugt wurde und in den Jahrzehnten zuvor mal prächtig ausgestattet und erzählerisch seriös, mal mit dem traurigen Charme preiswerter Spezialeffekte und simplistischer Dramaturgie zwischen magischer Blockbuster-Fantasie und theatralischen B-Movie-Manierismen schwankte, avancierte in den letzten Jahren zum tragenden Stützpfeiler des kommerziellen Unterhaltungskinos. Die Rede ist vom Superheldenfilm und seinem unmittelbaren Verwandten, dem Comicfilm.

Der Blick auf die Startankündigungen zeichnen ein klares Bild: Alleine in den nächsten 12 Monaten kommt durchschnittlich ein neuer Superheldenfilm pro Monat ins Kino, ein Großteil davon aus den Vorlagen der beiden Verlagsriesen Marvel und DC. Vor allem letzterer – für ein gutes Jahrzehnt etwas nachlässig dabei, seine großen Helden Batman, Superman, Wonder Woman und Co in einem vernetzten fiktiven Universum, ähnlich dem von Konkurrent Marvel, auf die Leinwand zu bringen – schwenkt mit dem Startschuss von „Batman v Superman: Dawn Of Justice“ ebenfalls auf einen Veröffentlichungszyklus um, der bis 2020 mindestens zwei neue Filme pro Jahr garantiert. Das Publikum will die kostümierten Übermenschen jedoch nicht nur im Kino sehen: Serien wie „The Flash“, „Arrow“, „Agents Of S.H.I.E.L.D.“, „Jessica Jones“ und „Daredevil“ zeigen, wie tief sich Superhelden in das kollektive popkulturelle Bewusstsein gegraben haben.

Der Versuch der Gleichsetzung mit den Göttersagen und Legenden des antiken Griechenlands und Roms ist in der akademischen Annäherung an das Thema Superhelden so allgegenwärtig wie logisch: Der Kern der Geschichten, in denen fiktive, mit übermenschlichen Fähigkeiten versehene Figuren untereinander ihre Fehden und Machtkämpfe austragen – mal besorgt, mal gleichgültig gegenüber dem Wohlergehen der einfachen Menschen –, lässt sich bei Zeus, Herakles und Hades ebenso finden wie bei Superman, Captain America und Thanos. Der Zweck der Geschichten scheint unverändert: die Vermittlung von sozialen Normen und Werten über Archetypen, die Ausformulierung eines speziellen Diskurses anhand jener, in den Geschichten durch die Übermenschen vertretenen, Ideale.

Superman war ganz bestimmt nicht der erste Held

Batman (1989)
Batman (1989)

Auch wenn die Geburtsstunde des Superhelden- Comics in den Juni des Jahres 1938 verortet werden darf, als Superman erstmals auf den Seiten des Action-Comics „#1“ zu sehen war, liegen die Urspünge der Superhelden weiter zurück. Bereits die Helden der Pulp- und Abenteuerromane und der ersten in Tageszeitungen abgedruckten Comic-Strips zeigten die Eigenschaften der Superhelden: Außergewöhnliche Fertigkeiten wie die von Hauptmann John Carter, der in Edgar Rice Burroughs’ „Die Prinzessin vom Mars“ auf dem fernen Planeten zum mächtigen Helden reift, Kostümierungen wie die von Zorro oder dem Phantom, mit denen zivile Identitäten geschützt werden sollten, exzentrische und ins Karikaturhafte überzeichnete Bösewichte wie die kriminellen Gegenspieler von Ermittler Dick Tracy oder die technischen Wunder eines Buck Rogers’ oder Flash Gordons hatten in den billigen Groschenheftchen, in den Hörspielen der Radio-Serials oder auf den stetig wachsenden Comicseiten der Tageszeitungen jene popkulturelle Saat ausgebracht, die in Superman und seinen Kollegen nun ihre Früchte trug.

Die neue Generation der Helden passte perfekt in jene Ära: geboren aus der wortwörtlichen Populärkultur der Massenmedien von Pulp, Comics und Radio, genährt von dem Hunger nach dem Ungesehenen, nach dem Spektakel, nach dem Exotischen, gewachsen unter dem Druck einer entfesselten und Richtung Utopia oder Dystopia voranpreschenden Welt, in der Gut und Böse als absolute Werte gegeneinander antraten. Binnen weniger Monate sprangen Dutzende Verlage auf die Erfolge Supermans auf und ließen sowohl bis heute bekannte Figuren wie Captain Marvel, Wonder Woman, Flash und Captain America als auch vergessene Charaktere wie Catman, The Fighting Yank, Skyman und Bulletman auf die Leserschaft los. Comics – zuvor auf die seriellen Strips in Tageszeitungen beschränkt – wurden eigenständig.


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Der Sprung von den Comicseiten ins Kino ließ im Zuge der Superhelden-Manie dann auch nicht lange auf sich warten. Die mehrteiligen Kinoserien zu klassischeren Pulp-Helden wie Zorro und Batman – aufgrund des Mangels an echten Superkräften eher in der Tradition maskierter Detektive wie Green Hornet und The Shadow zu sehen – stürmten bereits ab Ende der 30er-Jahre die Leinwände, Captain Marvel folgte 1941 als erster echter Superheld. Captain America und Superman zogen 1944 und 1948 nach. Die Kino-Serials selbst waren für damalige Verhältnisse im Hinblick auf Spezialeffekte und purem cineastischen Spektakel einmalig. Fliegende Menschen, eindrucksvolle Fähigkeiten wie Röntgenblick und übernatürliche Kraft wurden dank eines ständig anwachsenden Repertoires an filmischen Tricks dargestellt – das Publikum war verzaubert.

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