Ash Essen, Zeche Carl


Die vier Iren haben sich neu entdeckt. Und können doch nicht ganz vom Früher lassen.

Der Mann vom Label hat vorgewarnt: „Es wird spät heute Abend. Ash haben fünf Vorbands.“ So kann man’s auch sehen. Die Veranstalter sprechen dagegen von einem Festival. Fünf Rockgruppen aus dem nahen Um- und Ausland gastieren heute in der Zeche Carl, plus Ash als Headliner. „Essen bebt‘ nennt sich das Ganze, doch nach ein paarSchritten durch den Konzertsaal fragt man sich, ob es nicht besser „Essen klebt“ geheißen hätte: Reichlich Bier ward ausgeschenkt in den letzten Stunden, und da die Menschen rauschend feierten, ging ein nicht unerheblicher Teil verschütt. „Darfst halt nie zu lange an einer Stelle stehen bleiben“, lächelt die Begleitung charmant, obwohl sie sie’s ja selbst weiß: Am Fleck hält’s einen eh nicht mehr, wenn Ash erst einmal losrollen. Das passiert jetzt gerade. Zum Einstieg donnern sie uns „Meltdown‘ entgegen, den Titelsong ihrer neuen Platte. Dass die in diesem fiesen Tribal/Rammen-Artwork steckt, ist kein Beweis für guten Geschmack, hat aber Symbolik. Ash sind ruppiger denn je, haben die Gitarren zurückgeholt in den Vordergrund – was sich auch gleich aufs Erscheinungsbild auf der Bühne überträgt: Trommler Rick McMurray nimmt man die meiste Zeit ebenso wenig wahrwie Bassmann Mark Hamilton; Ash live sind netto Charlotte Hatherley und Tim Wheeler, die singen und dazu Gitarre spielen. Nur jetzt grad nicht, weil Wheeler was loswerden will: „Wir haben unser erstes Deutschland-Konzert in diesem Raum gespielt. Als Support Act für die Spermbirds. Verdammt, das ist über zehn Jahre her!“ Ash. ganz recht, haben den Britpop überlebt, wenn auch nur knapp und über den Umweg einiger onentierungsloser Jahre. Kein Wunder, dass sie sich nicht eben drum reiflen, dorthin zurückzukehren. Zwei, drei Uraltsongs gibt’s für die Ewigtreuen „inlhose really old-school Ash T-shirts“ ganz vorn, dazu die Hits von 1977 Idem Album), nu-clear SOUNDS und free all angelb Machen Ash das jetzt, weil ihnen danach ist oder weil sie meinen, es den Fans zu schulden? Immer, wenn sie neue Songs spielen, hat man jedenfalls den Eindruck, dass sie gar nicht mehr damit aufhören möchten, meltdown am Stück war ja auch was, vielleicht stellenweise mit etwas weniger Gelärm, das Ash nun wirklich nicht brauchen, um ihre Melodien dahinter zu verstecken. So aber beschränken sie sich in anderthalb Stunden auf die Essenz der Platte. Mit „Orpheus „, selbstredend, als Finale furioso. Damit es auch der Letzte im Saal begreift: Das vorhin, das waren tatsächlich nur die Vorbands.