Belle & Sebastian

ALS MAN IHNEN NAHELEGTE, IHR KONZERT IM COOLSTEN Club der an coolen Clubs so armen Stadt zu geben, lehnten sie ab. Also erscheinen Belle & Sebastian auf der flachen Bühne der Likörfabrik – wie die Teilnehmer eines CVJM-Workshops, die lampenfiebrig ihre frisch erarbeiteten Songs in der Aula eines Gymnasiums zum Besten geben. In maßvoller Zimmerlautstärke, doch glasklar, weich und impressiv sind dann Stücke wie „Seeing Other People“ oder „Century Of Fakers“ einfach da. In all ihrer eindringlichen Schönheit, vorgetragen von Stuart Murdoch in Jeans und T-Shirt und sehr kontemplativer Stimmung. Ein schönes Bild:Trompeter Mick Cooke wartet nägelkauend auf seine Einsätze. Chris Geddes hat sich hinter Keyboards und seiner dicken Hornbrille verschanzt und Isobel Campbell wartet lauschend, das Cello zwischen den Beinen geparkt, zu welchem Song die Gruppe sich denn als nächstes durchringen kann. Genau das ist es auch, wozu Belle & Sebastian ihr Publikum mit sanftem Zwang nötigen: Klappe halten, zuhören, einlassen. Zwischenrufe à la „You’re brilliant“ werden mit einem schüchternen „That’s not true, you’re far too kind“ quittiert, Spielfehler mit entwaffnendem Schulterzucken entschuldigt – und Frontmann Murdoch muß sich bei seinen halbherzigen Scherzen („Are you all drunk?“) vom Bassisten unter die Arme greifen lassen („He means,’cause of the Oktoberfest, you know“). Das ist von solch naiver Unprofessionalität, daß man sie knuddeln möchte. Und dann ist da wieder schlichte, luftige Schönheit („The State That I Am In“), schwitzender Northern Soul („Dirty Dream Number Two“) und holpernd vorgetragene Poesie („A Space Boy Dream“),für die man sie noch mehr knuddeln möchte. Nach einer Stunde schon bedanken sich die acht artigen Schotten für die Aufmerksamkeit, schleichen ohne Zugabe von der Bühne und entlassen die Hörer hinaus in die verregnete Nacht. Mit klarem Kopf und diesem warmen Gefühl umfassender Zärtlichkeit im Bauch. Gleichzeitig.

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