Interview

Bloc Partys Kele Okereke: „Ich brauche das Geld nicht, ich muss mir das nicht antun“

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Der alles und auch nichts sagende Begriff Auszeit ist für Bands eigentlich der Genickschuss unter den Statusmeldungen – danach kann nichts mehr kommen, was über brühwarme Comebackversuche hinausläuft. Bei Bloc Party, die mit SILENT ALARM eins der großen Debütalben der Nullerjahre aufnahmen, fiel der Begriff zum ersten Mal im Herbst 2009, dann wieder im Sommer 2013 nach einem Auftritt auf dem Latitude Festival, woraufhin Schlagzeuger Matt Tong die Band verließ. Bassist Gordon Moakes verkündete seinen Weggang lapidar via Twitter.

Nachtigall, ick hör dir zwitschern: Etwas ganz Grundsätzliches stimmte wohl nicht in dieser Band. In der Weiß-was-geht-Postille „NME“ erklärte Sänger Kele Okereke, den man jahrelang nicht auf Bloc Party ansprechen durfte, dass die beiden Abschiede damit zu tun gehabt hätten, dass „ein jemand Kokain genommen und ein anderer keine Lust mehr gehabt hatte“. Klingt ja alles viel zu vage. Jetzt, da Bloc Party nach vier Jahren relativ plötzlich mit einem neuen, anders klingenden Album namens HYMNS zurück sind, fragen wir besser selbst nach. Kele Okereke, der mit Gitarrist Russell Lissack die Band einst gegründet hatte, gibt bekanntlich nicht gern Interviews. Im Konferenzraum seiner Berliner Plattenfirma sitzt aber ein durchtrainierter, entspannter, mit sich zufriedener, fast auskunftsfreudiger Mann – der grad nur Probleme hat, sich ein bisschen Restapfel zwischen den Zähnen herauszuchippen.

Wenn eine Band erklärt, sie nehme eine Auszeit, ist ja meist der vorletzte Sargnagel eingeschlagen. Wie kommt’s, dass ihr jetzt doch weitermacht als Bloc Party?

KELE OKEREKE: „Der einzige Moment, an dem ich dachte, die Band wird nicht weiter existieren, war auf unserer USA-Tour 2013. Wir hatten die Aufnahmen für unser viertes Album FOUR mit der richtigen Einstellung begonnen, nachdem wir uns eine Zeitlang nicht gesehen hatten. Sobald wir aber auf Tour waren, sind wir wieder in die alten Muster verfallen. Ich dachte mir dann: Das wird wahrscheinlich immer so laufen, wir werden wahrscheinlich nie ein besonders enges Verhältnis haben. Will ich das? Ich brauche das Geld nicht, dachte ich mir, ich muss mir das nicht antun. Als wir dann auf Tour waren, es diese Situation gab, und wir uns von unserem Schlagzeuger getrennt haben, hatte ich gleich ein viel positiveres Gefühl. Eine Freundin von mir hat ihn ersetzt, sie hat gleich eine ganz andere Energie reingebracht, und mir wurde klar, dass ich das weiterhin machen will. Die Probleme, die wir hatten, hatten nichts mit der Sache, sondern mit der Besetzung zu tun. Wenn das so ist, dachte ich, müssen wir neu anfangen und alle Charaktere austauschen, die dagegensteuern. Also haben wir uns noch vom Bassisten getrennt und zwei neue Mitglieder reingeholt. Der Vibe in der Band ist gleich ganz anders.“

Russell Lissack ist in der Band geblieben. Warum funktioniert das mit euch beiden?

„Ich kenne Russell seit der Oberstufe. Er war damals von der Schule abgegangen, lebte von Arbeitslosengeld und spielte Gitarre in Bands. Er war ein Freund von Freunden. In Essex, wo ich aufwuchs, gab es nicht viele Leute in unserem Alter, die sich für alternative Musik interessierten. Man kannte sich, wir gingen auf die gleichen Partys. Ich habe ihn dann nach einem Auftritt angesprochen, ob er nicht mit mir in einer Band spielen wolle. Richtig kennengelernt haben wir uns in den drei, vier Jahren, bevor wir einen Plattenvertrag bekamen. Gordon, unser Bassist, hatte sich damals auf eine Anzeige im „Melody Maker“ gemeldet. Matt, der Drummer, war ein Freund eines Freundes. Ich kannte die beiden nicht wirklich. Natürlich haben wir uns über die Jahre, die wir in der Band verbracht haben, immer mehr angenähert. Aber Russell ist wahrscheinlich der Mensch, den ich am längsten kenne und mit dem ich noch befreundet bin. Ich habe kaum Kontakt zu den Leuten aus der Zeit, bevor ich mit der Band angefangen habe.“

Und, schon mal zusammen in den Urlaub gefahren?

„Nach den Aufnahmen für eine Platte sind wir anschließend mehr als zehn Monate auf Tour. Ich glaube, in unserer Freizeit sollten wir unser Privatleben für uns behalten. Wir haben alle Familie, Partner, da sollten wir die Zeit, die wir nicht miteinander verbringen, eher darauf fokussieren. Wenn ich Solosachen mache, treffen wir uns aber schon und tauschen uns aus, beim Mittagessen oder auf Spaziergängen.“

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