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High- und Lowlights

Bread&&Butter 2018: Instagram und Garage Rock

Die Bread&&Butter ist eine Modemesse, seit 2015 owned by Zalando, die jährlich in Berlin stattfindet. Influencer und Influencete, Models, Blogger, Neugierige, Skater, Instagram-Stars und -Sternchen versammeln sich hier unter einem Dach, um die neuesten Modetrends, die in zwei riesigen Messehallen präsentiert werden, auszuchecken und zu konsumieren.

Sneakers For Free

Bei dem Event steht Konsum naturgemäß im Vordergrund: Modemarken präsentieren ihre neuesten Kollektionen, es gibt Sneakers for free (wie Bilderbuch einst sangen), Make-Up-Aktionen, vieles gratis, viel für teures Geld und vor allem viel Instagram-Präsenz. Jeder versucht auf seine Art und Weise die Anderen zu übertrumpfen – darin ähneln sich die Blogger und Influencer ironischerweise alle sehr.

Skater, Bands und lauter Sound

Im „House Of Vans“ gibt’s besagte Umme-Sneakers. Wer einen der wenigen Workshop-Plätze ergattern konnte, hat die Möglichkeit, sich nigelnagelneue Vans zu designen. Außerdem gibt es hier Skate-Workshops und Konzerte, und die Luft ist nicht ganz so parfümiert wie in den anderen Locations der Messe. Außerdem gibt’s hier interessante Konzerte – selbst wenn der Sound immer ein wenig zu laut aufgedreht ist. Denkbare Produkterweiterung für 2019: Ohrenstöpsel. Lassen sich bestimmt auch auf Instagram inszenieren. Irgendwie.

Kooperation

Hier vier weitere Highlights und vier Lowlights der diesjährigen Bread&&Butter:

Highlights

1. Mø live zum Anfassen

Mø tritt Samstagabend auf der vermutlich kleinsten Bühne der Messe auf. Wenn sie dir dann direkt vor der Nase herumtanzt, ist das definitiv ein lohnendes Event gewesen. Die Dänin hat keine Berührungsängste und macht den Eindruck des sympathischsten Stars, den man sich nur vorstellen kann. Eigentlich geht es hier um die Präsentation des neuen Adidas-Falcon-Sneakers, und im Anschluss zu Møs Auftritt wird gesponsertes Bier, Wasser und Sekt zur Abkühlung gereicht.

2. Gurr im „House Of Vans“

„Ich hab auf diesem Event eigentlich nur versucht, so viel Free Stuff wie möglich abzugreifen – leider ziemlich erfolglos. Überall Konsum und lange Schlangen…wem es ähnlich ging, schreit jetzt mit uns!“

Das Berliner Garage-Rock-Duo hat seine Band mitgebracht, wälzt sich am Boden, springt ins Publikum und macht einen rundum unglaublich guten Job.

Hier seht Ihr nochmals Gurrs aktuelles Video zu „Hot Summer“:

3. Mø im (Adidas-)Talk

Mø spricht von ihrem Job in der Musikindustrie, ihren früheren Vorbildern (Kim Gordon von Sonic Youth), ihrem linkspolitischen Punk-Background, und erzählt vor allem, wie sie ziemlich schnell den Versuch aufgab, in gesellschaftliche Schubladen zu passen – da sie daran schlichtweg immer wieder scheiterte.  Als Frau im Popgeschäft müsse sie sich außerdem immer wieder beweisen, erzählt Mø, darum sei noch viel Arbeit zu tun, was den Feminismus und die Vielfältigkeit in der Szene anbelangt. Mø grinst, während sie das sagt, und freut sich an der Challenge. Logisch – sie ist ja eine der „Gamechangerinnen“, um eines der beliebten Buzzwords des Talks aufzugreifen.

4. Nimmo im House Of Vans

Das Elektro-Synth-Pop-Duo Nimmo fasziniert. Allerdings brauchen die Bread&&Butter-Besucher immer ein Weilchen, um die kleinen Überraschungs-Acts zu schätzen, und so füllt sich der Zuschauerraum (vorher noch Skatebahn) erst nach und nach. Einer der interessantesten Acts der Messe, wie wir finden. Wie das Ganze klingt, hört Ihr hier:

Lowlights:

1. Lauryn Hill am Freitag live in Berlin – für Manche:

Es hätte ein Highlight werden können, wenn man sie doch bloß erlebt hätte: Schon zweieinhalb Stunden vor Konzertbeginn ist der Eingangsbereich der B&&B-Stage völlig überfüllt, die Sicherheitsbeamten erklären, dass nur eine gewisse Anzahl an Besuchern in den Zuschauerraum darf. Klar, Sicherheit muss sein. Schade ist es trotzdem, dass so viele Messebesucher enttäuscht draußen bleiben mussten.

Für die Fans, die die Wartezeit in Kauf genommen haben, muss es sich allerdings gelohnt haben:

2. Die Princess sagt ab

Princess Nokias Konzert am Samstag wird kurz vor Beginn abgesagt und auf Sonntag vertagt. Noch ein Abend, bei dem die Musikfans nicht ganz auf ihre Kosten kommen.

3. Zelebrierter Konsum

Fila und einige weitere Marken verwenden für ihre Gewinnspiele Geldkanonen und ähnliches Brimborium, die Lose sehen aus wie Geldscheine – und der Anblick von auf Knien kriechenden Instagram-Sternchen, die den Fake-Dollars hinterherjagen, ist irgendwie traurig und spiegelt das Konsumverhalten unserer Zeit schmerzhaft wieder. Klingt wie eine Parodie, war wohl aber keine.

4. Hamzas Auftritt:

Ja stimmt, wir haben Hamzas Performance sogar empfohlen. Irgendwie taugt die Musik den Zuhörern, doch die Live-Performance des Belgiers war eher peinlich. Hamza schafft es leider nicht einmal, das Mikro zur richtigen Zeit an den Mund zu halten, um mit dem Playback mitzuhalten. Vielleicht nächstes Mal.


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