Konzertbericht

Bruno Mars im Olympiastadion: Eine Nacht voller Hits

Bruno Mars begeisterte im Berliner Olympiastadion mit einer makellosen Show, Setlist, Silk-Sonic-Reunion und Victoria Monét als Vorband. Unser Konzertbericht.

Es ist kein gewöhnlicher Freitagabend in Berlin, denn Bruno Mars ist samt Gefolgschaft in der Hauptstadt. Grund genug für Fans aus ganz Deutschland, die Anreise nach Berlin am Hitzewochenende anzutreten. Das Outfit ist klar: Es muss Rot beinhalten. Schließlich ist es die „The Romantic“ Tour. Anstatt gemütlich an einem überfüllten See die Füße ins kalte Nass zu halten, steht man nun stundenlang im Golden Circle vor der Front Stage. Was macht man nicht alles für Bruno.

Ein Blick durch die versammelten Menschenmassen zeigt eine Welle synchroner Fächerbewegungen – im Versuch, die heiße Luft etwas mehr wie eine Meeresbrise wirken zu lassen. Während die erste Person der Hitze bereits zum Opfer gefallen ist und auf einer Trage aus dem Stadion transportiert wurde, nimmt man lieber noch einen Schluck aus dem mitgebrachten Wasser. Sicher ist sicher. Schließlich muss man fit sein, um mit Bruno Mars den Cha-Cha-Cha zu tanzen.

DJ Pee .Wee heizt ein

Als die Sonne immer goldener und das Stadion immer voller wird, erscheint etwas Neues auf der Bühne: ein hölzernes DJ-Pult, auf dem der Schriftzug „DJ Pee Wee“ zu entziffern ist. Der Font scheint aus den 70ern zu stammen, und ein freundlicher Herr mit Glatze kündigt das Erscheinen des DJs an. Dahinter verbirgt sich DJ Pee .Wee – also Anderson .Paak, der mit Bob-Perücke und einer Energie, die manch Angestellter nur mit weißem Pulver nachahmen kann, den Play-Button bedient. Ein ganzes Stadion von 0 auf 100 mit einem Song zu bringen ist eine Aufgabe, die er mit ABBAs „Dancing Queen“ meisterhaft löst.

Was folgt, ist eine inflationäre Nutzung eines „Fuck“-Sound-Buttons und eine Reise durch die Jahrzehnte. Zwischen Travis Scotts „FE!N“ und „Pump Up the Jam“ erinnerte die Darbietung an ein Best-of-Animateur mit Like-Mike-Strip-Elementen. Klingt absurd? War es auch. Ist es dennoch einer der besten Pre-Acts, die ich je gesehen habe? Wahrscheinlich ja.

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Während die Kamera zwischendurch ins Publikum schwenkte, war zu erahnen, wie viel Spaß Jung und Alt beim Best-of-Ensemble hatten, das DJ Pee .Wee abfeuerte. Eine aufreißbare Knopfhose und die T-Shirt-Kanone sind offenbar des DJs beste Freunde. Und obwohl man vom Grammy-Gewinner Anderson .Paak musikalisch Anspruchsvolleres erwarten darf, hat er als erster Pre-Act alles erfüllt, was er sollte: Die Crowd war wach, ekstatisch gelaunt und bereit für mehr.

Wenn die Vorband Headlines verdient

Vom einen Grammy-Gewinner zur nächsten. Nachdem Pee .Wee der Welt stolz sein Deutschland-Trikot mit der Rückennummer 69 präsentiert hatte, wurde die Stimmung direkt seriöser. Die nächste Grammy-Gewinnerin betrat die Bühne: Victoria Monét bot eindrucksvoll ein Best-of ihrer Hits, von „On My Mama“ bis „Alright“.

Wer sonst leicht statische Vorbands gewohnt ist, bekam hier den nächsten Beweis, dass bei Bruno Mars selbst die Vorbands Headliner sein könnten. Monét bot mit ihren Tänzerinnen eine Show, die Headline-würdig war. Wer derweil anstand, um ein Bier zu ergattern, verpasste somit einiges. Mittlerweile hatte sich die Sonne in ein tiefes Goldgelb gewandelt – und obwohl noch niemand Bruno zu sehen bekommen hatte, wurden alle bereits für das Ausharren in der Hitze belohnt.

Bruno Mars betritt die Bühne

Kurz noch eine Schweißperle von der Stirn wischen und die Uhrzeit checken: Es ist mittlerweile 20:15 Uhr. Prime Time. Die Lichter senken sich gen Bühne, und die Leinwand verwandelt schwarze Pixel in ein farbenfrohes Bild. Es ist Bruno – wie er in einer Kirche sitzt und Gott darum bittet, ihm zu ermöglichen, den Menschen eine ihrer besten Nächte zu bescheren.

Der romantische Abend beginnt natürlich mit einem Song seines neuen Albums namens „Risk It All“, gefolgt von „Cha Cha Cha“. Bruno tanzt elegant wie eh und je den Cha-Cha-Cha gemeinsam mit dem Publikum und beschert der Menge direkt ein erstes Solo. Eine Plattform fährt aus dem Boden in die Höhe – und trägt, natürlich, eine Bongo. Das einstige Kindergarten-Instrument Nummer eins gibt Bruno Mars die Möglichkeit, ein sattes Solo abzuliefern. Mit rotem Bandana um die Stirn schlägt er auf die gleichfarbigen Bongos ein, als gäbe es kein Morgen. Es erinnert stark an sein Drum-Solo bei der Halftime Show 2014 – nur diesmal auf Bongos statt auf einem Schlagzeug. Das nennt man wohl einen Multiinstrumentalisten.

Falls es noch jemand nicht mitbekommen hat, wird die Ansage-Trommel bedient und ein fettes „Bruno Maaaaaars“ ins Mikro gebrüllt. Die Kameras zeigen den Mann des Abends daraufhin, während ihm ein verschmitztes Lächeln über die Lippen huscht.

Silk Sonic und der Maßkrug

Ein Lächeln huscht mir daraufhin selbst über die Lippen, als die Talkbox bedient wird – jener Schlauch, der wie ein Beatmungsgerät in den Mund gesteckt wird. Und das kann nur eines bedeuten: Es ist „24K Magic“-Zeit. Nachdem Bruno Mars „That’s What I Like“ auf einem roten Cadillac performte, kam wieder „DJ PEEEE WEEEE“ aka Anderson .Paak. Denn mit ihm gründete Bruno bekanntlich das Duo Silk Sonic. Entsprechend durfte man sich auf insgesamt sechs R&B-Klassiker des Duos freuen. Beendet wurde die musikalische Brillanz mit dem Mega-Hit „Leave the Door Open“.

Doch das eigentliche Highlight dürfte gewesen sein, Anderson .Paak aus einem bayrischen Maßkrug mit Henkel trinken zu sehen, nachdem er von einer Brezel abgebissen hatte, während Bruno Mars einen seiner berühmten Hüte aus den 2010er-Jahren in Jagdhut-Optik mit deutscher Feder aufsetzte. Das ist also die deutsche Leitkultur, die unser Kanzler immer meint. Markus Söder wird’s jedenfalls freuen.

Das große Finale

Mittlerweile war es dunkel im Olympiastadion, und ebenso wie die Bühnen-Outfits funkelten auch die Augen einiger Konzertbesucher:innen, als ein Klavier auf die Bühne gerollt wurde. Er wird doch jetzt nicht etwa? Doch er wird. Nachdem die Konfetti-Kanonen bei „Marry You“ abgefeuert hatten, rieselte zu „Die with a Smile“ immer noch sanft weißes Konfetti vom Himmel.

Daraufhin legte Bruno Mars „It Will Rain“, „Talking to the Moon“, „Grenade“ und „When I Was Your Man“ als Knockout-Schlag nach. Die Songs bestätigten ihre Bekanntheit, denn das Publikum lieferte kostenlosen Reverb: Wer textsicher war, hatte danach zwar keine Stimme mehr, konnte sich aber einen kleinen Traum mit dieser Reihenfolge erfüllen. Nach dem Ausflug in die weitere Vergangenheit versuchte „Versace on the Floor“ zunächst, den Puls des Publikums von 200 Schlägen pro Minute auf nur leicht erhöht herunterzubekommen.

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Genug ausgeruht? Gut. Denn die Lichter spielten stroboskopartig verrückt, die Konfetti-Kanonen schossen, was das Zeug hielt, und alle sangen mit. Als „Locked Out of Heaven“ gespielt wurde, hielt es schließlich niemanden mehr auf den Sitzen. Es schien der krönende Abschluss eines ereignisreichen Konzertabends zu sein – doch ehe man sich versah, kamen „Just the Way You Are“ und „Uptown Funk“ um die Ecke. Eine Setlist, die ausnahmslos mit Hits gepflastert ist, neigte sich damit dem Ende zu. Nachdem eine Leinwand das Bühnenbild bereits verborgen hatte, legte Bruno Mars noch „Dance with Me“ von seinem neuen Album als Zugabe nach. Noch einmal tief durchatmen und in den Nachthimmel schauen. Es schien, als hätte Gott Brunos Gebet zu Beginn der Show erhört. Es war garantiert einer meiner ganz großen Konzertabende.

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