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Denis Villeneuve: Das sind die 5 besten Filme des „Enemy“-Regisseurs

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Denis Villeneuve ist der Meister des Verschachtelten. Seine Filme konsumiert man nicht einfach so – hier muss nachgedacht, analysiert und oft genug noch ein zweites und drittes Mal geschaut werden. Nicht anders ist es bei „Enemy“, dem 2013er Mystery-Werk, in dem Jake Gyllenhaal in einer anspruchsvollen Doppelrolle überzeugt. Das Werk läuft am 14. Oktober 2020 um 20.15 Uhr auf Arte. Danach ist der Film noch bis zum 20. Oktober 2020 in der Mediathek des Senders verfügbar. Wir haben die TV-Ausstrahlung zum Anlass genommen, um einmal zu schauen: Welche gehören eigentlich zu den allerbesten Filme von dem „Enemy“-Regisseur? Hier kommt unsere Top 5.

1. „Arrival“ (2016)

 

An zwölf Punkten landen Außerirdische auf der Erde, ihre Raumschiffe schweben nur knapp über dem Boden. Colonel Weber (Forest Whitaker) stellt unverzüglich ein Team aus Expert*innen zusammen, um mehr über sie in Erfahrung zu bringen. Teil davon ist sowohl der Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) als auch Linguistin Dr. Louise Banks (Amy Adams). Ihre Aufgabe ist es,  Kommunikation zwischen den Spezies zu ermöglichen. Bald muss sich die Sprachwissenschaftlerin jedoch nicht nur um die Entschlüsselung der komplexen Schriftzeichen der Außerirdischen bemühen, sondern nebenbei die immer nervöser werdende globale Politik in Schach halten, um einen Krieg zu verhindern.

Arrival“ wird zurecht als einer der besten Science-Fiction-Filme der letzten Jahre gepriesen. Und wie so oft, wenn es eigentlich um extraterrestrisches Leben geht, handelt auch Denis Villeneuves achter Spielfilm vor allem vom Menschlichen. Amy Adams kann im intensiven Thriller zu Höchstleistungen auflaufen, denn auch hier erwartet die Zuschauer*innen eine für den kanadischen Regisseur typische, überraschende wie intensive Wendung.

„Arrival“ ist momentan in den Abos von Amazon Prime Video und Sky enthalten. Als Leihoption ist der Film unter anderem bei Google Play und iTunes verfügbar.

2. „Die Frau, die singt – Incendies“ (2010)

 Der Tod von Jeannes (Mélissa Désormeaux-Poulin) und Simons (Maxim Gaudette) Mutter Nawal (Lubna Azabal) ist der Anfang einer gefährlichen Odyssee in den Mittleren Osten. Als der Notar Lebel (Rémy Girard) die erwachsenen Zwillinge über ihren letzten Willen informiert, überreicht er ihnen zwei Briefe. Einer davon ist für den totgeglaubten Vater bestimmt, der andere für einen Bruder, von dessen Existenz sie bislang nichts wussten. Erst wenn die Mission erfüllt und die Umschläge übergeben sind, soll der Mutter ein Grabstein gesetzt werden dürfen. Bis dahin wolle sie bäuchlings und anonym bestattet werden. Jeanne möchte unbedingt mehr über die Vergangenheit ihrer Mutter erfahren, die kurz vor ihrem Tod verstummte. Und auch wenn Simon zunächst zögert, machen sie sich doch gemeinsam auf die Suche nach Antworten in der vom Bürgerkrieg schwer gebeutelten Geburtsregion Nawals.

Denis Villeneuve oscarnominierte Tragödie geht an die Schmerzgrenze der Zuschauer*innen. Die Reise zu ihren Wurzeln – der Name des fiktiven Landes wird zwar nicht genannt, kommt aber dem Libanon nahe – konfrontiert die Geschwister mit dem Elend und der ungeheuerlichen Gewalt, die die Mutter durchleben musste. Besonders beeindruckend sind die intensiven Bilder, mit denen Wajdi Mouawads Theaterstück „Verbrennungen“ hier ins Filmische übersetzt wird.

„Incendies“ ist als Leihoption unter anderem bei Amazon, Google Play & iTunes verfügbar.

3. „Sicario“ (2015)

 

FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt) erlebt aus nächster Nähe, welche grausamen Taten der Drogenkrieg hervorbringt. Bei einem Einsatz zwischen Mexiko und Arizona stößt sie gemeinsam mit ihrem Team auf ein Haus, in dessen Mauern unzählige Leichen eingearbeitet sind. Schnell wird CIA-Agent Matt Graver (Josh Brolin) damit beauftragt, dem Treiben des Kartells mithilfe einer eigens gegründeten Taskforce ein Ende zu bereiten. Auch die idealistische Kate, die so endlich eine Form von Gerechtigkeit ermöglichen möchte, lässt sich für die Einheit, zu der auch Elite-Soldat Alejandro (Benicio del Toro) gehört, rekrutieren. Doch über die tatsächlichen Interessen und Verbindungen wird sie im Unklaren gelassen.

Mit dem Drogenthriller „Sicario“ ist Denis Villeneuve ein durchdachter Kommentar zum US-amerikanischen „War on Drugs“ gelungen. Er fragt nicht nur, welche Mittel in diesem „Krieg“ legitim sind, sondern auch, was einen „Sicario“ (Spanisch für „Killer“) in einem ethisch fragwürdigen Gemengelage eigentlich noch von der Staatsgewalt unterscheidet. Ein Thriller mit Substanz.

„Sicario“ ist momentan in den Abos von Sky und Joyn+ enthalten. Als Leihoption ist er unter anderem bei Amazon, iTunes & RakutenTV verfügbar.

4. „Blade Runner 2049“ (2017)

 

Dreißig Jahre nach der Handlung des ersten „Blade Runner“ (1982) von Ridley Scott, begleitet der Sci-Fi-Film den „Replikanten“-Jäger Officer K (Ryan Gosling). „Replikanten“, künstliche Menschen, die im Vorgänger noch niedere Arbeiten übernahmen, wurden nach mehreren Aufständen abgeschafft. Einer neuen Generation soll der aufrührerische Impuls fehlen. Doch es gibt immer noch einige rebellische oder einfach langlebige Exemplare, die ausgemerzt werden sollen, um der herrschenden Klasse uneingeschränkte Macht zu ermöglichen. Dabei stößt Officer K jedoch auf ein Geheimnis, das seine Welt aus den Angeln heben könnte.

Blade Runner 2049“ gehört zu den Sci-Fi-Thrillern, die ein besonders düsteres Bild einer zukünftigen Zivilisation entwerfen. Verwüstete Landschaften, fehlende menschliche Wärme und Nutzenmaximierung als oberste Maxime allen gesellschaftlichen Strebens machen die Welt zu einem nicht mehr lebenswerten Planeten. Und obwohl der Film in der Zukunft spielt, verhandelt Villeneuve darin doch Themen, die uns ganz aktuell beschäftigen. Der hochwertige Cast – mit dabei sind unter anderem Harrison Ford, Robin Wright, Jared Leto – rundet das Seherlebnis ab.

„Blade Runner 2049“ ist als Leihoption unter anderem bei Amazon, iTunes & Google Play verfügbar.

5. „Polytechnique“ (2009)

 

Am 6. Dezember 1989 stürmt ein Amokläufer die Polytechnische Hochschule von Montréal. Er trennt die Student*innen nach ihrem biologischen Geschlecht. Während er die Männer zum Gehen auffordert, müssen die Frauen im Saal verharren. Der Film zeigt die Tat aus drei Perspektiven und erzählt ihren Hergang in nicht-chronologischer Reihenfolge. Beleuchtet wird die Sicht des Täters (Maxim Gaudette), eines von Schuldgefühlen geplagten männlichen Studenten (Sébastien Huberdeau), und einem weiblichen Opfer (Karine Vanasse). Obwohl der Film auf wahren Ereignissen beruht und die Geschehnisse genau rekonstruiert, sind die vorkommenden Figuren fiktiv.

Dass der Film in Schwarz-Weiß gedreht wurde, nimmt „Polytechnique“ nichts an seiner bedrückenden Vehemenz. Mit der Verfilmung der grauenhaften Tat hat sich Denis Villeneuve in seiner Heimat Québec einiger Kritik ausgesetzt, die Hochschule distanzierte sich ausdrücklich vom Projekt. Während einige Rezensent*innen bemängelten, dass sich das Drama allein auf die Nachstellung des Amoklaufs verlasse, kann „Polytechnique“ auch als ein wichtiges Mahnmal gegen Frauenhass interpretiert werden – als ein Werk, das ein sehr verstörendes Beispiel eines Femizids dokumentiert.

TV-Tipp: „Enemy“

Unsere Empfehlungen erscheinen anlässlich der Ausstrahlung von „Enemy“ am Mittwoch, den 14. Oktober um 20:15 auf Arte. Den Film gibt es noch bis zum 20. Oktober in der Mediathek zu sehen.


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