„Sicario 2“-Kritik: Ein grenzwertiger Film

Der Schmuggel von Menschen über die US-Grenze ist für die mexikanischen Kartelle mittlerweile wertvoller als der von Drogen. Als nun auf illegalem Weg Islamisten in die Staaten gelangen und sich in einem Supermarkt in die Luft sprengen, reiben sich die Behörden die Hände: Endlich werden die Kartelle als Terrororganisationen eingestuft, mehr Geld und weniger Restriktionen eröffnen neue Wege für deren Bekämpfung.

In der „Sicario“-Fortsetzung, nach der kaum jemand gefragt hatte, fehlt Denis Villeneuve, stattdessen übernimmt Stefano Sollima die Regie. Mit Emily Blunt ist dazu das letzte bisschen Menschlichkeit aus dem Kartellkrieg verschwunden. Übrig bleibt eine bärbeißige Eingreiftruppe (knurrig: Josh Brolin, noch knurriger:
Benicio Del Toro). Die Grenze zwischen den Ländern wird als Hochglanz-Hölle präsentiert, bewaffnete Drohnen kreisen anmutig über der Wüste, moralbefreite Soldaten sind die coolsten Schweine auf Erden.

Szenen, die eigentlich zu drastisch sind

Dass die gezeigte Gewaltspirale immer mal wieder aktuelle politische Debatten streift, verleiht „Sicario 2“ dabei gerade noch so die nötige Relevanz. Sonst würde nur die Lust in der Eskalation bleiben – und die obszöne Blutrünstigkeit, mit der Sollima einen realen Konflikt zum Action-Franchise ausbaut.

Wenn ein Loch im Kopf eines Erschossenen quälend lang in Nahaufnahme gezeigt wird oder Sollima (der in Italien den ebenfalls derben „A.C.A.B“ gedreht hat) zeigt, wie sich ein Attentäter direkt neben einem Kleinkind in die Luft sprengt, dann tut das schon sehr weh und wirft die Frage auf, ob die Geschichte nicht mit weniger drastischen Bildern funktionieren würde. Wir nehmen die Antwort mal vorweg: Sie würde es.


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