Festivalbericht

Die 6 wichtigsten Beobachtungen vom Primavera 2018


Das Festival in Barcelona erweist sich als Hölle für Instagram-Junkies und hat ein gutes Händchen für Einwechslungen.

Die Festival-Saison ist in vollem Gange, und das Primavera Sound in Barcelona wird in diesem Jahr endgültig als heimliches Coachella Europas gehandelt. Wir können euch beruhigen: So schlimm ist es da noch nicht. Im Gegenteil: Spirit und Mythos um das unglaublich geschmackssichere spanische Festival sind immer noch spürbar. Hoffen wir, dass sich das Blatt so bald nicht wendet.

1. Der letzte Funken Rock’n’Roll

Indie-Rock ist 2018 ja ungefähr so sexy wie Heino. Aber es gibt ihn noch, den letzten Funken Rock’n’Roll, und der ist gar nicht so uncool wie man zunächst vermuten würde. Und: Nein, den versprühen nicht etwa die Arctic Monkeys mit ihrer auf Dauer doch recht drögen Primavera-Performance, sondern Ariel Pink. Kein Witz: Der Synthie-Pop-Sonderling kommt mit Haarband, Make-up und knallenden Sektflaschen auf die Bühne, trägt ein „Call Of Duty“-Shirt und wird nicht müde, bei jedem zweiten Song die Hand zur Pommesgabel zu formen und in den spanischen Himmel zu strecken.

Ariel Pink liebt die großen Gesten. Hier ist eine davon.

 

2. Bye bye Instagram!

Natürlich gibt es auch beim Primavera 2018 W-Lan-Areas, damit die Besucher easy Nachrichten verschicken und Insta-Feeds refreshen können, das gehört mittlerweile so sehr zum komfortablen Standard auf Festivals wie wasserbetriebene Klohäuschen und kostenfreie Steckdosen. Doch hübsch hergerichtete Festival-Spots, die besonders instagrammable und „Coachella“-esk daherkommen, sucht man hier vergebens. Gut so!

Das Festivalgelände ist von Natur aus recht ansehnlich und wurde nicht durch einen Insta-Filter gezogen.

3. No Escape From Techno Island

Die leicht abgelegene Halbinsel, die drei Primavera-Floors auf dem Festivalgelände umfasst, muss Gott errichtet haben. Man kann sich auf ihr verlieren, im Sand buddeln, im Gras sitzen, Aperol schlürfen und bunt flirrenden Lichtern zusehen, während man stets mit schier unglaublich guter, elektronischer Musik beschallt wird.

Jon Hopkins, Honey Dijon, John Talabot, Peggy Gou: Sie alle spielen hier, sie alle sorgen dafür, dass es auch mitten in der Nacht nie richtig kühl in Barcelona wird. Einziges Manko: Will man zu den beiden Main-Stages, um ASAP Rocky, Arctic Monkeys oder Lorde zu sehen, muss man mindestens eine Stunde für den Weg einplanen. Das Eiland kann man nur über eine schmale Brücke verlassen, die zur Rush-Hour so überfüllt ist, dass man kurz darüber nachdenkt, zehn Meter in die Tiefe zu springen und zum anderen Ufer zu schwimmen.

John Talabot legt softe Disco-Tunes am Strand auf.

4. Das schönste Duett

… liefern ASAP Rocky und Tyler, The Creator. Ersterer kommt überraschenderweise schon zur Freitag-Show seines Kollegen Tyler als Überraschungsgast auf die Bühne gesprintet, um mit ihm den Überhit “Who Dat Boy“ zu performen.

Tyler, The Creator hat sicherheitshalber die Warnweste an.

5. Die beste Einwechslung

… liefert Skepta, der kurzerhand für Migos einspringt, weil das Trap-Trio aus den USA ihren Flieger verpasst hat.

Skepta springt für Migos ein.

6. Pop-Up-Stores

Festivals werden immer exzessiver versponsert. Je bigger das Festival, desto bigger die entsprechenden Werbekunden, die im Rahmen großangelegter Kooperationen ihre Namen auf Hauptbühnen, Bierbecher, Festival-Bändchen und Booklets drucken lassen. Ein Festival als Business-Modell. Das Primavera legt 2018 noch einen oben drauf: Hauptsponsor Mango – genau, die international bekannte Fashion-Brand aus dem Norden Barcelonas – hat einen eigenen „Summer Shop“ auf dem Gelände errichtet, der sich in seiner Fanciness von einem regulären Laden der Kette, den man sonst aus Shopping-Malls und Innenstädten kennt, kaum noch unterscheiden lässt.

Mango-Store auf dem Gelände des Primavera Sound.

 

Foto: Paco Amate
Foto: Paco Amate
Foto: Alba Ruperez
Foto: Sergio Albert
Foto: Eric Pamies
Mango.de