„Es gibt Tage, an denen ich mich down fühle“: Haftbefehl spricht über den Umgang mit Depressionen

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Harte Schale, weicher Kern? Das Thema Depression ist zwar gesellschaftlich noch nicht endgültig enttabuisiert, jedoch gibt es mittlerweile deutlich mehr Künstler*innen, die offen über ihre Gefühle und seelische Verfassung sprechen, als noch vor ein paar Jahren. Dass sich Gangster-Rapper wie Bushido, deren Image seit Beginn an Härte und Gefühlskälte ausstrahlt, zu dem Thema äußern, ist jedoch relativ neu. Im Podcast „Podkinski“ mit Palina Rojinski sprach nun Haftbefehl offen über seine Depressionen und wie sich diese in seiner Musik widerspiegeln.

Depressionen sind Teil von Haftbefehls Leben

Dass Haftbefehl hin und wieder an Depressionen leidet, gab der Rapper aus Offenbach schon in anderen Interview-Formaten und in Dokumentationen offen zu. Im Gespräch mit Palina Rojinski kam der Musiker auf den Einfluss von depressiven Phasen auf seine Musik zu sprechen. So beschrieb er letztere als Inspirationsquelle für seine düsteren Songs: „Es gibt natürlich Tage, an denen ich mich down fühle. Und dann entsteht so ein Song und dann muss ich halt darüber reden. Ganz einfach. Wenn ich jetzt die ganze Zeit darüber rappen würde, wie schön die Welt ist, wäre das nicht so cool von mir .“ Auch betonte der Rapper, dass Depressionen und schwache Momente, die im Straßen-Rap oft ausgeklammert werden, einfach menschlich wären: „Ich hatte auch mal Liebeskummer als Jugendlicher, weißt du was ich meine? […] Man streitet sich im Leben mit seinen Liebsten. Man streitet sich mit seinem Bruder. Es ist halt ein auf und ab.“

Haftbefehl und Palina Rojinski trafen sich zum gemeinsamen Gespräch:

 

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Bereits 2015 rappte Haftbefehl über „Depressionen im Ghetto“:

Touren durch Kinderheime statt Rap über Geld?

Bei Haftbefehl bedeutet geteiltes Leid halbes Leid. Der Rapper möchte seinen Fans offenbar auf Augenhöhe begegnen und deshalb seine schwachen Momente preisgeben: „Die sollen jetzt nicht denken ‘ok dem geht es gut und uns nicht’ – nein – das ist nicht der Fall. Wir haben genau dasselbe Problem. Wir bluten auch. Wir haben Depressionen, deswegen sprechen wir offen drüber. Dann können die sich ihr eigenes Bild daraus machen. Das versuche ich den Menschen mitzugeben.“ Im weiteren Gespräch spricht Haftbefehl, der schon früh seinen Vater verlor, über seine Jugend und seine Zeit als Dealer in Frankfurt. Sozialen Brennpunkten beziehungsweise der „Gosse“ möglichst schnell zu entfliehen, sei laut dem Rapper nicht leicht und koste viel Kraft. In diesem Zusammenhang überraschte der Offenbacher auch mit einer Idee, die er der Deutschrap-Szene ans Herz legte: Geld sammeln, um durch deutsche Kinderheime zu touren.

„Ich würde das viel cooler finden, anstatt immer dieses Geld-Gelaber […] das geht mir mittlerweile so auf die Eier […] Man braucht es natürlich halt, man will seine Familie absichern, aber dass man da den ganzen Tag so einen Scheiß redet […] Die sollen einfach ihre Fresse halten, Musik machen und schauen, dass man der Jugend etwas zurückgibt.“

DAS SCHWARZE ALBUM von Haftbefehl erschien am 16. April 2021.


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