Foreigner


Eines schönen Tages, es war im Frühjahr 1976, trafen sich der Gitarrist Mick Jones und der Multiinstrumentalist Ian Mc-Donald – beide Wahlamerikaner mit britischem Pass – in einem Studio in New York, um den Ex-Stories-Leadsänger Ian Loyd bei einem Soloprojekt zu unterstützen. Jeder wußte von der Existenz des anderen in New York, doch an jenem denkwürdigen Tag sahen sich die beiden das erste Mal. Mick Jones hatte eine bewegte Vergangenheit hinter sich, während Ian McDonald seit Ende der sechziger Jahre, wo er noch bei King Crimson mitgespielt hatte, nur hin und wieder im Popund Rock-Geschehen der siebziger Jahre mitmischte. Jones hatte die Saiten bei Spooky Tooth gezupft, bis ihm dieser Zahn zu faul wurde und er sich Gary Wrights Wonderwheel anschloß. Als Studiomusiker packte er seine schwarze Gibson Les Paul bei George Harrison und Peter Frampton aus und half auch weniger berühmten Kollegen wie dem Franzosen Johnny Hallyday und dem Gitarren-Wizard Leslie West. Selbst die wandelnde Rock’n’Roll-Legende Jerry Lee Lewis griff auf ihn zurück.

Mick Jones wollte eine „Langzeitgruppe“ gründen

Jones und McDonald erwogen Möglichkeiten einer gemeinsamen Band. Doch nach den Ian Lloyd-Sessions trennten sie sich wieder. Eines schönen Tages hatte dann Mick Jones vom ganzen Sessiontheater die Ohren gestrichen voll, und er fing an, seine Uridee einer eigenen Band wieder aufzuwärmen. Er erinnerte sich an Ian McDonald, rief ihn an, und Foreigner war – in den Köpfen von Jones und McDonald – geboren. Es dauerte nicht lange, da war auch schon ein Keyboardmann zur Stelle: Al Greenwood, in New York eine lokale Rock-Größe, sah in Foreigner seine Chance, aus dem Zirkel von Manhattan auszubrechen. Er sollte Recht behalten. Fehlten noch Rhythmus und Lead-Gesang. Mick Jones war sehr wählerisch, da er Foreigner als „Langzeitgruppe“ plante: „Ich wollte keine Altstars, bei denen die Luft raus war. Mein Unternehmen Foreigner sah junge, unverbrauchte Musikanten vor, die der gemeinsamen Musik einen frischen Wind geben sollten…“ Mit Dennis Eliott holte sich Jones dann aber doch noch einen altgedienten Rockdrummer. Eliott hatte bei der britischen Jazz-Rock-Formation If die Trommeln gerührt und spielte zuletzt mit dem früheren Mott The Hoople-Chef Ian Hunter bei dessen Solo-Sessions. Sänger Lou Gramm hatte sich seine Referenzen bei der Rock-Gruppe Black Sheep in fünf Jahren Kleinarbeit ersungen – eine Band, die insgesamt zwei Langspielplatten hervorbrachte. Für den Bass meldete sich der italienische Einwanderersohn Ed Gagliari, und somit hatte Foreigner das trübe Licht der Skyline von Manhattan erblickt.

Das Sextett zog sich in einen Übungsraum zurück und probte. Mit dem Beschluß, eine Live-Gruppe zu werden, ging die Band in Klausur. In langen Übungsstunden wurde arrangiert, komponiert, probiert und diskutiert, bis den Herren Foreigner die Köpfe rauchten. Nach einiger Zeit war ein erkleckliches Repertoire zusammen, das für zwei LP’s gereicht hätte.

Jerry Greenberg, der Oberboß von Atlantic Records, wurde zu einer kleinen Kostprobe eingeladen, und schon hatte das Märchen von der Rockband einen frühzeitigen Knalleffekt: Die Gruppe bekam sofort einen Schallplattenvertrag und ging im November 1976 ins Studio. Am Anfang wollten Mick Jones und Ian McDonald die Platte selbst produzieren, doch dann ließen sie diesen Gedanken wieder fallen. In John Sinclair und Gary Lions (zuständig für Queen und Pilot) fanden sie zwei zum Unternehmen Foreigner passende Produzenten, und mit relativ geringem Aufwand wurde das Debüt-Album der Gruppe produziert. Jones und McDonald gaben den Bändern im Januar ’77 beim Abmischen den letzten Schliff, und mit viel Trara kam die Platte schließlich am 8. März 1977 in die Läden diesseits und jenseits des Atlantik. Gleichzeitig wurde die Single „Feels Like The First Time“ veröffentlicht, lief alsbald den ganzen Tag lang überall im US-Radio und rutschte rasch in die Charts.

Foreigners Ohrwürmer tummeln sich in den Top Ten

Die LP zog nach, und plötzlich sah alles genauso rosig aus, wie es sich die Herren Jones und McDonald vorgestellt hatten, als sie ihre Traumband gründeten. Gold wurde fällig, dann Platin; die zweite Single, „Cold As Ice“, ebenfalls von der LP ausgekoppelt, gesellte sich wiederum zu der Abteilung Ohrwürmer in Amerikas Top 10.

Im Sommer räumte das Sextett in Amerikas Stadien und Theatern ab und stellte seine musikalische Souveränität auch live unter Beweis. Egal, wo die Gruppe auftauchte, sie wurde überall mit Ovationen begrüßt. Foreigner war die erste Gruppe in der Geschichte des Greek Theaters in Los Angeles, bei der das Theater binnen kürzester Zeit ausverkauft war. Ganz schön flott für einen Newcomer. In der Regel bieten Plattenfinnen ihre Künstler immer als das Beste an, was es auf dem Markt gibt. Nach dem Motto „Gelobt sei, was Kohle bringt“. Bei Foreigner hatten die Werbestrategen Glück: Ihre Sprüche vom „Über-Rock einer Gruppe mit Zukunft“ hatten irgendwo schon eine Beziehung zur Realität…