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Heftige Proteste nach Festnahme von Rapper Pablo Hasél in Spanien

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Am Dienstag führte die Festnahme des spanischen Rappers Pablo Hasél zu gewalttätigen Ausschreitungen und Protesten in einigen Städten Spaniens. Der 32-Jährige wurde vergangene Woche wegen Majestätsbeleidigung und Verbalattacken gegen die Polizei zu neun Monaten Haft verurteilt.

Angriff auf die Meinungsfreiheit

Hasél machte schon im Vorfeld publik, dass er sich gegen die Strafe wehren und nicht freiwillig zu seiner Haft antreten würde. Am Abend vor seiner Festnahme schrieb er auf Twitter:

„Ich bin zusammen mit einigen Unterstützern in der Universität Lleida eingeschlossen. Sie müssen also hier einbrechen, falls sie mich verhaften und ins Gefängnis stecken wollen.“

In einer Pressekonferenz erklärte der Künstler, dass es sich bei seiner kommenden Inhaftierung um einen Angriff auf seine Meinungsfreiheit handele. Zuvor hatte er die Möglichkeit, sich bis zum 12. Februar 2021 freiwillig zu stellen.

Pablo Rivadulla Duró, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, geriet aufgrund kontroverser Twitter-Beiträge, die sich gegen die spanische Monarchie und Polizei richteten, ins Visier der Regierung. Beispielsweise beleidigte er den 2014 abgedankten Ex-König Juan Carlos als Dieb, nach dem dieser sich nach Korruptionsvorwürfen und angesichts von Justizermittlungen nach Abu Dhabi abgesetzt hat.

„Tod dem faschistischen Staat!“

In den Morgenstunden begann die Polizei damit sich Zutritt zum Gebäude zu verschaffen. Nach zwei Stunden führten sie Pablo schließlich ab. Dieser hielt bei seiner Festnahme die Faust nach oben und schrie: „Sie werden uns niemals ruhig kriegen. Tod dem faschistischen Staat!“

Proteste und Demonstrationen in Spanien

Nachdem bekannt wurde, dass der 32-Jährige verhaftet wurde, gingen mehrere Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Urteilsvollstreckung zu demonstrieren. Alleine in Barcelona sollen es 1700 Demonstrant*innen gewesen sein. Viele von ihnen schwenkten Plakate, auf denen „Free Pablo“ zu lesen war. Als die Polizei versuchte, die Versammlungen aufzulösen, fing ein Teil der Demonstrant*innen an, die Polizei mit Steinen und anderen Gegenständen zu bewerfen. Außerdem zündeten einige von ihnen große Mülltonnen an und verursachten dadurch ein Feuer. Weitere Ausschreitungen soll es in Madrid, Valencia, Lleida und Girona gegeben haben.

Reformen zu spät

Die spanische Regierung erklärte bereits vergangene Woche, sie wolle die Strafen für „Verbrechen der Meinungsäußerung“ wie die Verherrlichung des Terrorismus, Hassreden und Beleidigungen der Krone und der Religion im Zusammenhang mit künstlerischen oder kulturellen Aktivitäten verringern. Diese Reformen helfen dem Rapper jedoch zunächst nicht.

Seit der Verurteilung machen sich neben Tausenden Bürger*innen auch Dutzende Promis für die Freilassung von Hasél stark. Mehr als 200 Künstler*innen, darunter der Filmregisseur Pedro Almodóvar und der Hollywoodstar Javier Bardem, haben eine Petition gegen seine Haftstrafe unterschrieben. Diese wurde am Montag von einem spanischen Gericht bestätigt. Amnesty International twitterte, dass Hasels Verhaftung eine schreckliche Nachricht für die Meinungsfreiheit in Spanien sei.

Spanien als Weltmeister in der Inhaftierung von Musiker*innen

Es ist nicht das erste Mal, dass Pablo Hasél aufgrund seiner Meinungen und Ansichten in Konflikt mit dem Gesetz gerät. 2014 wurde er in einem separaten Verfahren für schuldig befunden, den Terrorismus zu verherrlichen. Jedoch wurde seine Haftstrafe 2019 ausgesetzt, mit der Kondition, dass er sich nicht innerhalb von drei Jahren erneut strafbar wurde.

Ein ähnlich spektakulärer Fall spielte sich im Jahr 2018 ab. Damals flüchtete der spanische Rapper Valotonyc nach Belgien, nach dem er in seinem Heimatland wegen ähnlichen Vorwürfen wie bei Hasél, zu 3 ½ Jahren Haft verurteilt wurde. Die belgische Regierung lieferte den Rapper jedoch nicht nach Spanien aus, da die Anklagepunkte in ihrem Land keinen Strafbestand darstellen.

Spanien ist bekannt dafür, Musiker*innen wegzusperren. Alleine im Jahr 2019 waren es 14. Damit liegt Spanien vor dem Iran(13) und der Türkei (9) und ist somit Weltmeister darin, Künstler*innen einzubuchten.


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