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HipHop-Recap: Mit Lugatti & 9ine, Ramzey, 2LADE, Chima Ede, J Hus und Drake


Was können die neuen Rap-Releases? Wir ordnen ein.

Sommerloch im HipHop? Gibt’s nicht. Auch 9. Juni wurden wir mit ordentlich neuem Material beliefert, das uns durch das sonnige Wochenende begleitet hat. Vom unerwarteten Boom-Bap-Brecher von Lugatti & 9ine, über Ramzeys zweite EP bis zur Zusammenarbeit von J Hus und Drake – wir präsentieren euch die fünf spannendsten neuen Rap-Releases.

Lugatti & 9ine – „Selbe Ecken“

Die Kölschen Jungs sind zurück. Und im Gepäck haben sie ihre neue gemeinsame Single „Selbe Ecken“, produziert von snice1. L & 9 sind eigentlich für ihren Trap-Sound bekannt: 140 BPM, schnelle Hi-Hats und scheppernde 808s. Mit „Selbe Ecken“ schlagen sie allerdings in eine ganz andere Kerbe. Wir hören einen Old-School-Breakbeat über den verzerrte Gitarren shredden, die Bass-Line ist lebhafter als auf üblichen Trap-Produktionen und es gibt sogar den einen oder anderen Scratch auf die Ohren. Textlich bleiben sich die „Kinder der Küste“ treu und lehnen Trends strikt ab – musikalische, sowie kulturelle. „Du bist so hart auf Opiaten, Mann, du redest wie die Sims / Junge, nein, ich brauche keine Nase wie die Sphinx / Ihr habt euch verändert und wir bleiben, wie wir sind / Rennt Trends hinterher, doch die Wahrheit ist, ihr hinkt“, eröffnen sie den Track. Dazu gibt’s noch ein Musikvideo in gelungener 90er-Ästhetik. „Selbe Ecken“ schürt Vorfreude auf das nächste Projekt der beiden Kölner.

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Ramzey – BLUT AUF DEN GRILLZ

BLUT AUF DEN GRILLZ von Ramzey ist auf das erste Hören eine Ansammlung von unbeschwerten Tracks mit einem etwas unbedarftem Humor. Wenn die Texte ihre Wirkung allerdings vollständig entfalten, wird die Tiefe, die sich hinter selbigen verbirgt, erst deutlich. Zwischen den Zeilen zeichnet der Frankfurter das Bild eines jungen Mannes, der von der Gesellschaft durchgekaut und wieder ausgespuckt wurde. „Kaum Emotion’n in der Kindheit / Ging sie nicht arbeiten, ging bei uns Licht aus / Ich wurde zwischen Gewalt groß / Darum geht’s weiter so, auch wenn es hinhaut“, rappt Ramzey auf „Unter dein Pulli“. Der Track beschreibt die Beziehung zwischen dem harten Lyrismus und der versteckten Gesellschaftskritik am besten. Soundästhetisch bewegt sich BLUT AUF DEN GRILLZ im Bereich des In-Die-Fresse-Rap, wodurch die intelligent eingepasste Meta-Ebene noch eindrucksvoller zur Geltung kommt.

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2LADE – „DREI2EINS“

Kann 2LADE Gedanken lesen? In seinem neuen Stück „DREI2EINS“ wendet er sich jedenfalls mit der Zeile „Wird Zeit, dass ich droppe, ‚cause it’s been a while“ an seine wartenden Fans. Soundtechnisch knüpft er damit an seine früheren Singles an: Horror-Sample, Trap-Drums, 808. Dazu kommt sein bedrohlicher Flow, dessen Wirkung durch seine Stimme unterstrichen wird. Das fertige Produkt ist ein astreiner 2LADE-Track, der alle Kriterien erfüllt – aber auch nicht mehr. Überraschungsmomente bleiben aus. Vergangenes Jahr übertraf der Hamburger mit seiner Platte MANN MIT DER BRILLE alle Erwartungen, es bleibt also zu hoffen, dass er 2023 daran nicht scheitert. „DREI2EINS“ ist eine solide Single, die sofort den Wunsch nach mehr Material aufkommen lässt.

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Chima Ede – „11von10“

Etwas ruhiger geht es bei Chima Ede zu. Dieser hat nun mit „11von10“ einen smoothen Love-Song abgeliefert. Ein elektrisches Piano spielt eine atmosphärische Akkord-Folge, in der Hook kommt ein Streicher-Sample dazu. Untermalt wird dieses Zusammenspiel von einem entspannten Drum-Groove, der zum Tanzen auffordert. Wie schwerelos bewegt sich Chima Ede über den Beat und offenbart seine Gefühle für eine Partnerin, die offenbar seine Skala sprengt – sie ist „11 von 1o“. Chima Ede kommt dabei ganz ohne Kitsch aus. Im Gegenteil sogar: Er beweist seine Fähigkeit, schöne Lyrik mit modernen HipHop-Einflüssen zu verschmelzen. „Sag, wo du bist, ich hol dich im Coupe ab / Du bist zu schön für die U-Bahn / 65, bisschen Love, bisschen Bubatz“, heißt es in der Hook. „11von10“ ist ein schöner Sommer-Track, der zeigt, dass Rap und romantische Gefühle sich nicht ausschließen.

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J Hus & Drake – „Who Told You“

Ja, richtig gelesen: J Hus und Drake haben einen gemeinsamen Song veröffentlicht. Einen richtig guten sogar! Auf „Who Told You“ stellt sich das ungleiche Duo die Frage: „Wer hat dir erzählt, dass böse Männer nicht tanzen? Wer hat dir erzählt, dass Gangster nicht tanzen?“ Eine berechtigte Frage. Bei einem solchen Instrumental wird sogar der fieseste Verbrecher das Tanzbein schwingen. J Hus und Drake harmonieren ebenfalls gut miteinander. Der Beat dürfte dem UK-Rapper, der am 26. Mai sein Comeback nach drei Jahren feierte, noch fremder gewesen sein, als dem Kanadier. Trotzdem überzeugen Hus‘ Parts noch mehr als der eine von Drake – vor allem die Hook. Mit „Who Told You“ liefern J Hus und Drake eine echte Hymne für den Sommer, die unter strahlendem Himmel erst recht seine Wirkung entfalten wird.

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