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Im Gespräch mit DJ Koze: „Ich bin gern ein guter Schafhirte, der alle zusammenführt“


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Die Musik hochangesagt, der Name noch aus den 90ern. Das weiß DJ Koze aka Stefan Kozalla selbst. Dennoch trägt der geborene Flensburger seinen Namen mit Würde – und das während er Welterfolge feiert. Ein ganzes Vierteljahrhundert. Auf seinem aktuellen Album KNOCK KNOCK mixt und experimentiert er mit verschiedenen Genres, verzichtet auf Auto-Tune, Trap-Beat und bringt Künstler wie Sophia Kennedy und Róisín Murphy zusammen. Der Musikexpress hat mit DJ Koze über fehlende Refrains, Schafhirten und die gute alte Zeit gesprochen.

Auf Deinem Album gibt es keinen einzigen richtigen Chorus. Wie kommt’s?

Róisín Murphy habe ich geschrieben: Unser Lied ,Illumination‘ ist super geworden, damit kommen wir zu ,Top Of The Pops‘! Sie hat mir geantwortet: My Dear, es gibt kein ,Top Of The Pops‘ mehr, seit zehn Jahren, und außerdem hat das Lied keinen Refrain… Da ist mir erst aufgefallen: Die Refrains fehlen auf dem ganzen Album. Ist ja genial. Ich mache Popmusik und habe das wichtigste Element vergessen! Das Schwerste und das Beste! Vielleicht ist das aber genau der richtige Aggregatzustand für meine Musik.“

Und warum beschreibst Du Dich in Interviews mitunter als Schafhirte?

Ich will auf einer Platte wie in einem Garten ganz viele Schäfchen vereinen, die eigentlich auf anderen Wiesen rumlaufen würden – und eigentlich ist sogar ein Zaun dazwischen. Ich bin gern ein guter Schafhirte, der alle zusammenführt – und trotzdem fühlen sie sich da wohl, weil ich ihnen nicht meinen Scherenschnitt verpasse, sondern sie so lasse, wie sie sind, aber ihnen vielleicht ein neues Jäckchen schneidere.“

Schäfchen hin oder her: Seinen Humor hat DJ Koze nie verloren. Auf seinem letzten Album hieß ein Track „Track ID Anyone?“, KNOCK KNOCK endet mit „Drone me up Flashy“.

Eine Prise Humor rettet manchmal vor Pathos. Das kann Schmerz, Dreck oder etwas Brüchiges sein, das dem Perfekten gegenübergestellt ist. Humor ist ein schnelles Tool, um das zu erreichen, aber es führt das andere schnell ad absurdum. Die meisten Leute können das dann nicht zusammen denken. Bei mir geht es mehr darum, zu verwirren oder zu irritieren, den Hörer bloß nicht in Sicherheit wiegen zu wollen. So höre ich ja auch Musik. Wenn etwas Unerwartetes mitschwingt, dann ist es für mich: Wow!“

DJ Koze

Herz, Soul und Schmerz – das macht einen Song für ihn gelungen. Vor dem Auflegen interessiert ihn nur eins: Welches Publikum wird da sein, was fordert ihn heraus und was würde er am liebsten selbst hören wollen? Man bucht ihn als „Enfant Terrible“, quasi die Katze im Sack. Was aber noch viel wichtiger ist, ist die Reaktion vor Ort, sagt er:

 „Oft ist es dann doch so, dass du irgendwo hinkommst und siehst: Hier stehen jetzt tausend Jungs vor der Bühne, die druff sind wie die Flieger. Dann kann ich mein Gamelan-Intro in die Tonne treten und muss keinen Bildungsauftrag abliefern – das würde ich auch von mir nicht hören wollen.“

Die guten alten Zeiten

Und genau das ist das Besondere und die Fähigkeit, die DJs nach ein paar Jahren entwickeln – ein sogenannter „Radar für Vibes“. Doch heute stellt DJ Koze sich die Frage, ob es in den guten alten Zeiten nicht doch besser war: „Es war für den Menschen früher angenehmer, weniger konsumieren zu müssen, aus weniger selektieren zu dürfen, mit weniger Happen auszukommen. Heute wissen wir das alles gar nicht mehr zu schätzen, was es alles im Überfluss gibt. Wann hattest du denn im letzten Jahr mal Zeit, dir ein Album wirklich ans Herz wachsen lassen zu können?“

Noch mehr von DJ Koze gibt es in diesem Video von Telekom Electronic Beats:

 

Robin Hinsch

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