K.I.Z rappen über ihre musikalischen Anfänge: „Kinderkram“ (Musikvideo)

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Ältere Fans werden sich noch an die Zeit erinnern, in der bei jedem öffentlichen Auftritt von K.I.Z über die eigentliche Bedeutung ihres Bandnamens gerätselt wurde. „Kannibalen in Zivil“ oder doch „Klosterschüler im Zölibat“? Mitte der 2000er-Jahre brachten K.I.Z ihren humorvollen, absurden und grenzüberschreitenden Rap-Stil in die Charts und etablierten mal eben ein neues Subgenre im Deutschrap. Mit ihrer neuen Single „Kinderkram“ blicken sie auf ihre musikalischen Anfänge zurück.

Kinderkram haben sie gesagt

Mit Kritik kennen Maxim, Nico und Tarek sich bestens aus. Sei es Kritik von Rap-Kollegen, die mit dem K.I.Z-Humor nichts anfangen können, oder von Magazinen wie dem Spiegel, der die drei Musiker einmal als „Pornorapper“ bezeichnete. Über die „menschenverachtenden“ Texte der Band, die 2018 bei „Wir sind mehr“ in Chemnitz auftrat, echauffierte sich zuletzt (absurderweise) ein Politiker der AfD, der im Intro des neuen K.I.Z.-Albums RAP ÜBER HASS verwurstet wurde. Öffentlichen Gegenwind nehmen K.I.Z also – ebenso wie andere Schicksalsschläge – bis heute mit Humor.

In „Kinderkram“ erzählen sie beispielsweise, wie sie bei „Rock am Ring“ mit Flaschen beworfen oder im Krankenhaus nach einer beunruhigenden Diagnose von Fans nach Autogrammen gefragt wurden. Diese Lebenseinstellung der Berliner sowie deren Beharrlichkeit bescherte ihnen nicht nur kommerziellen Erfolg, sondern auch eine treue Fangemeinde. Das Musikvideo zu „Kinderkram“ besteht passenderweise aus einer Collage von alten Videoaufnahmen, welche die Gruppe bei ihren ersten Gehversuchen im HipHop-Geschäft und bei chaotischen ersten Live-Auftritten begleiten. Dem einen oder anderen Fan dürften die Rapper mit dieser ordentlichen Portion Nostalgie eine Träne entlocken.

„Kinderkram“, haben sie gesagt/
Stoßt euch erst mal die Hörner ab/
Bis hierher ist alles gut gegangen/
Fick-deine-Mutter-Rap seit 20 Jahren/

 

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Spätpubertät oder Midlife-Crisis?

Reine Selbstbeweihräucherung ist „Kinderkram“ allerdings nicht. Zuweilen wird es auf dem Song sogar sehr persönlich, was für K.I.Z, die sich nur zu gerne hinter Kunstfreiheit und Ironie verstecken, eigentlich untypisch ist. Maxims Strophe zeigt, wie das selbst aufgetragene Rap-Image und die Realität eines heranwachsenden Mannes auch mal auseinander fallen können. So beichtet er gleich zu Beginn seines Parts: „Ich bin 16, in mein‘ Texten fick ich hart. Doch trau mich nicht zu fragen, ob ich sie küssen darf.“ Ein amüsantes und ehrliches Statement, das man sich öfters aus einem Musikgenre wünschen würde, das noch immer von Bildern toxischer Männlichkeit geprägt ist. Auch dass das ständige Wiederholen von Schimpfwörtern einem erwachsenen Mann auch mal zu denken geben sollte, beschreibt Maxim pointiert: „Jetzt bin ich Mitte 30 und langsam ist es peinlich. Ist das noch Pubertät oder schon Midlife-Crisis?“ Diese Frage sollte man sich als erwachsener Rapper schon mal stellen dürfen.

RAP ÜBER HASS erschien am 27. Mai 2021.


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