Künstler der Woche: Drake

Dass Drake ein absoluter Superstar ist, können Unwissende auch an der folgenden Nachricht ablesen: Mit seinem neuen, am Freitag sehr spontan veröffentlichten Album SCORPION sprengt der kanadische Rapper sämtliche bisherigen Streaming-Rekorde. Kein Album wurde innerhalb von 24 Stunden so häufig gehört dieses. Allein auf Apple Music und Spotify wurde es innerhalb des ersten Veröffentlichungstages über 300 Millionen Mal im Stream gehört – 170 Millionen Mal bei Apple Music, 132 Millionen Mal bei Spotify. Und das trotz der gerade für Streamingdienst-Häppchenjäger enormen Länge von SCORPION.

Das ist nämlich das größte Problem von Drake, wie ME-Autor Ivo Ligeti in unserer SCORPION-Rezension über ihn schreibt: Er kann sich nicht kurz fassen. SCORPION ist mit seinen 25 Songs das Gegenteil von Kanye Wests neuerlicher Gewohnheit, nur sieben Stücke auf ein Album zu nehmen, und damit ein Koloss, der auf wackligen Füßen steht.

Dass Drake auf einer ähnlichen Länge mit Bravour bestehen kann, hat er 2012 mit TAKE CARE gezeigt, nur um vier Jahre später mit VIEWS grandios daran zu scheitern. Dem im April 2016 erschienenen vierten Album von Drake attestierte ME-Autor Davide Bortot, dass der R’n’B-Meister sich darauf um sich selbst drehe – mit genialen Momenten.

Mit der 2017 veröffentlichten Playlist MORE LIFE läutete der kanadische Rap-Superstar das endgültige Ende des Albums ein, wie Bortot ebenfalls befand, „vielleicht“, vor allem verabschiede er sich aber vom inhaltlichen Konzept.

Mit SCORPION nun hat Drake somit zum Albumformat zurückgefunden. Die Platte soll im Laufe des Monats auch physisch auf Doppel-CD erscheinen. Sowohl inhaltlich wie auch musikalisch gelingt Drake darauf mindestens jeweils ein Scoop: An einer Stelle bestätigt Drake darauf die Existenz seines Sohnes, rappt die Zeile „I wasn’t hidin‘ my kid from the world / I was hidin‘ the world from my kid“. An einer anderen Stelle, im Track „Blue Tint“, ist plötzlich Michael Jackson zu hören. Den King of Pop als Wunderwaffe einzusetzen, noch dazu eine unveröffentlichte Gesangsspur, ist einerseits der Gipfel des Größenwahns, andererseits ein seltener Fall von würdevollem Umgang mit verstorbenen Sängern. Die laue, sommerliche Stimmung erinnert an „Hold On We’re Going Home“. Wenn wir bei Drake eins in den letzten Jahren vermisst haben, ist es dieser schlichte, aber zeitlose Popglanz. Hier haben wir ihn wieder.

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