Review

„Lady Bird“-Kritik: Das unbestechliche Auge der Greta Gerwig

Lady Bird“ hat kein Recht, so frisch und unverbraucht und berührend zu sein, wie er ist. Weil man doch alles schon tausendmal gesehen hat, was uns Greta Gerwig in ihrer ersten Arbeit als Regisseurin auftischt: Die junge Protagonistin auf der Schwelle zum Erwachsensein, die das Leben in ihrer Heimatstadt als Strafe empfindet und zwischen Episoden erster Liebe und bohrendem Selbstzweifel entscheiden muss, ob sie die Wünsche ihrer Mutter oder die eigenen Träume erfüllen will. Entscheidend ist das Wie. Denn „Lady Bird“ fühlt sich bis ins kleinste Detail immer echt an, und die Anliegen seiner Heldin drängend.

Nicht weit entfernt von „Frances Ha“

Erstens ist diese Christine McPherson, die „Lady Bird“ genannt werden will, von Greta Gerwig mit einem unbestechlichen Auge geschrieben für alle Macken und Unsicherheiten einer jungen Frau, die mehr will, sich aber nicht sicher ist, wie sie es erreichen soll. Zweitens wird sie von Saoirse Ronan mit einer Offenheit gespielt, als könne man ihr direkt in Herz und Verstand blicken. Unverkennbar verarbeitet Gerwig eigene Jugenderlebnisse in Sacramento, unverkennbar hat Ronan das Vorbild für ihre Rolle bis ins kleinste Detail studiert: Mit ihren rot gefärbten Haaren kanalisiert sie regelrecht die Figur, die Gerwig in „Jahrhundertfrauen“ gespielt hat, und noch dazu alle Manierismen und Kadenzen, die man von ihren übersprudelnden Charakteren kennt: Ein bisschen wirkt „Lady Bird“ auch wie ein Prequel zu „Frances Ha“, den sich Gerwig selbst auf den Leib geschrieben und den ihr Lebensgefährte Noah Baumbach inszenierte hatte.

https://www.youtube.com/watch?v=cMklYkshzLQ

Es ist eine Darstellung für die Ewigkeit, weil es Saoirse Ronan eben immer auch gelingt, die bloße Mimikry hinter sich zu lassen und eine Figur zu formen, die hinter ihrer Ungelenkigkeit und Schüchternheit eine innere Entschlossenheit aufgestaut hat, die sie gegen ihre katholische Schule und, in einer großartigen Szene, gegen ihre Mutter aufbegehren lässt: Während im Ohr noch „Hand In My Pocket“ von Alanis Morissette nachklingt, schwimmt die Filmheldin sich in den eingelebten Bildern von Kameramann Sam Levy frei. Aber nicht so, wie man sich das denken würde. Sondern so, wie es nur Lady Bird kann, unberechenbar und überraschend. Obwohl man es doch schon tausendmal gesehen hat.


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