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Jahrhundertfrauen

Regie: Mike Mills, USA 2016, Start: 18. Mai 2017
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Die Filme von Mike Mills könnten nur dann noch persönlicher sein, wenn er vor einem säße und seine Lebensgeschichte direkt ins Gesicht erzählen würde. In „Beginners“ und nun auch „Jahrhundertfrauen“ kommt er dem Zuschauer so nahe, dass man seinen Atem riecht: Es ist regelrecht unangenehm, anderen Menschen so sehr auf die Pelle rücken zu dürfen. Was natürlich das ultimative Kompliment ist für einen Künstler, der sein eigenes Leben und Erleben stets zu einem allgemeingültigen Kunstwerk komprimiert.

Das ist die ureigene Qualität der Filme von Mills, den die Punk-Generation als Mann hinter dem Cover des Sonic-Youth-Albums WASHING MACHINE oder Clip-Regisseur von Air und Moby kannte, bis er als Filmemacher sein eigenes Leben in den Mittelpunkt seiner Kunst stellte. War „Beginners“ vor sieben Jahren noch eine Hommage an seinen Vater, der sich nach dem Tod der Mutter nach 44 Ehejahren als schwul outete, ist „Jahrhundertfrauen“ nun ein Liebesbrief an seine Mutter und an die Zeit an der Schwelle zum Erwachsenwerden Ende der 70er-Jahre in Südkalifornien.

Am Ende liebt man alle Figuren

Man denkt gleich an Filme wie „Laurel Canyon“, „Der Tintenfisch und der Wal“ oder „The Kids Are All Right“, aber mehr noch ist diese punktgenaue Reminiszenz erfüllt vom Kino eines Eric Rohmer: Es ist als hätte der Großmeister der Nouvelle Vague dieses Schwellenjahr 1979 so hautnah miterlebt wie Mills’ 14-jähriges Alter Ego Jamie. Wie der Junge befindet sich Punk an einem Scheideweg: muss sich entscheiden zwischen der unerschrockenen Innovation weg von der Drei-Akkord-Philosophie und den ersten Gehversuchen der schroffen Hardcore-Variante, so wie Jamie sich entscheiden muss, welchen Weg er im Leben einschlagen will. Das bereitet seiner freigeistigen Hippie-Mutter Dorothea Sorgen, weil sie spürt, dass ihr Sohn ihr entgleitet, aber noch nicht erwachsen genug ist, um wirklich auf eigenen Beinen zu stehen. Deshalb überredet sie eine junge Fotografin, ihr bei seiner Erziehung beizustehen.

Es ist eine Versuchsanordnung, so wie das Leben immer eine Versuchsanordnung ist. Weshalb „Jahrhundertfrauen“ auch keine klassische Handlung hat, sondern sich an Vignetten entlanghangelt, die bisweilen allzu zuckersüß wären, würde Mills sie nicht mit den harten Realitäten des Lebens kollidieren lassen. Am Ende liebt man alle Figuren, weil auch Mills sie liebt. Und sein Herz so groß ist, wie es eine Leinwand zulässt.

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