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Lohnt sich noch der Traum vom Popstar?

Es sollte ein netter Abend werden in der schick ausgeleuchteten Fabrikhalle. Alle sind sie da, die Jungen, die Schönen, die Kreativen, die Verblüht- und Verblichenen. Der Alkohol ist umsonst, die Stimmung entsprechend. Dann jedoch geht das Licht aus und auf einmal steht da dieses Ding auf der Bühne: eine junge Frau in einem schwarzen Vinyl-Catsuit, mit schwarzen Lackstiefeln, einer blinkenden Sonnenbrille und einem leuchtenden Etwas in der Hand, das aussieht wie eine verwegene Kreuzung aus Mikrofon und Disco-Dildo.Die Neu-Berliner Mitteschicht in ihren zu engen Hosen schaut kurz auf, verdreht die Augen, nippt am Glas, tuschelt. Sogleich ist man sich einig: Das da oben ist selbst für eine Fashion-Week-Party, selbst für die von Michael Michalsky, eine Zumutung, unfassbar. Absolut störend, absolut unpassend. Und dann die greisliche Musik, die so prollig daherkommt wie die Entwürfe des Gastgebers – okay für die Kirmes, nicht okay für das neue Berlin, das gerade so sehr damit beschäftigt ist, sich in sich selbst zu verlieben. Die Elektroschock-Barbie mit den wasserstoffblonden Haaren und dem Disco-Dildo lässt sich nicht beirren. Sie singt drei Stücke, hopst ein wenig mit den beiden Tänzern im Takt, bedankt sich artig und das war es dann auch schon. Berlin dreht ihr den Rücken zu. Wie die Künstlerin heißt, interessiert noch weniger als ihr Auftritt. An Applaus ist nicht zu denken.So geschehen im Juli 2008.Zweiundzwanzig Monate später sind die Haare der jungen Dame immer noch vom Peroxyd verblichen und einige Gäste der Michalsky-Party werden sich nur schmerzlich an den Abend in den Uferhallen im Berliner Wedding erinnern. Vor allem diejenigen unter ihnen, die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, geschmäcklerisch zu sein. Die Wichtigtuer, Vordenker, Schaumschläger, Kulturfilter. Denn aus der Blondine mit dem Disco-Dildo ist in Atemraubender Geschwindigkeit das Fame Monster entwachsen. Die Rede ist natürlich von Lady Gaga, Und Lady Gaga ist der größte Popstar unserer Zeit.Lesen Sie die komplette Titelgeschichte im aktuellen

Musikexpress

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Jörg Harlan Rohleder – 19.05.2010

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