Geheime Liste: Wie Madison Square Garden Promis nach Risiko einstuft

Ein Hacker:innen-Leak zeigt, dass Madison Square Garden Promi-Gäste nach Risiko bewertet hat – teils mit Notierung von Hautfarbe, Geschlecht und sexueller Orientierung.

Gerade erst war die Eventhalle Madison Square Garden wegen Taylor Swifts Hochzeit mit Travis Kelce ganz groß in den Medien, nun folgt der nächste Schlag. Im Fokus steht diesmal der Betreiber der Halle: James Dolan, Geschäftsführer der Madison von MSG Entertainment und Eigentümer des Basketball-Teams New York Knicks, ließ seine Mitarbeiter:innen eine detaillierte Liste über alle möglichen Promis und Gäste führen und kategorisierte sie nach steigendem „Risiko“ sowie anderen Faktoren. Darunter auch Pop-Stars wie Lily Allen, Phoebe Bridgers, Morgan Wallen und Anna Wintour.

Diese Liste ist Teil einer internen Datenbank von Madison Square Garden. Die Aufzählung umfasst rund 40.000 Einträge, von denen nur 400 mit einem „Risiko-Score“ versehen sind. Das Hacker:innen-Kollektiv ShinyHunters hatte dieses Dokument neben zahlreichen anderen an die Öffentlichkeit geleakt. Darin sind nicht nur Vermerke zu Risiken zu finden, sondern teilweise auch zu Hautfarbe, Geschlecht und sexueller Orientierung der Promis.

Wie die Einstufung funktioniert

„Markiert“, „Niedriges Risiko“, „Mittleres Risiko“ und „Hohes Risiko“ sind die Abstufungen, in denen potenziell unerwünschte Gäste des Madison Square Garden eingeteilt werden. Die Klassifizierung bezieht sich vor allem auf die Freikarten für Knicks-Spiele. Das New Yorker Basketball-Team hat eine VIP-Reihe, in der bei den Spielen bekannte Gesichter zu sehen sind, und auch sonst einen hohen Anteil berühmter Gäste. Fragt ein Star eine Freikarte an, wird sie also erstmal mit der Datenbank abgeglichen. Keine Markierung, kein Problem. „Markiert“ bedeutet, dass die Person mit einem Vorgesetzten besprochen werden muss. Und dann: Je höher das Risiko-Rating, desto schlechter die Chancen auf Tickets.

Selten mit Begründung

Doch wie die Einteilung zustande kommt, ist größtenteils unklar. Bei einigen Fällen ist ein Grund notiert. So ist der Comedian Adam Pally als „not to be hosted due to previous comments“ vermerkt. Das bedeutet, er soll keine Freikarten erhalten wegen nicht näher definierter Aussagen, die er getroffen habe. Das deutet darauf hin, dass vor allem Kritiker:innen Dolans in den Fokus genommen werden. In der Vergangenheit hatte sich Pally das Knicks-Management beanstandet.

Wie die Risikobewertung entsteht

Eine interne Quelle hatte sich gegenüber dem „Wired“-Magazin, einem US-amerikanischen Technologie-Magazin, das über den Leak berichtete, geäußert. Für die „Talent“-Datenbank werde der Medien-Auftritt der vermerkten Stars gescannt , um ihren Risiko-Faktor zu bewerten. Bereits eine niedrige Risiko-Einschätzung bedeute, dass „du etwas in der Öffentlichkeit oder auf den sozialen Medien getan hast, das die Aufmerksamkeit der falschen Menschen erregt hat“. Die Kritik könne sich lediglich auf das Team oder den Veranstaltungsort beziehen: „Es muss gar nichts so ernstes sein.“

Wer als Risiko gilt

Unter „Niedrigem Risiko“ finden sich Stars wie Ice Spice, Selena Gomez und Benson Boone. Lily Allen, Anna Wintour und Morgan Wallen gelten bereits als „Mittleres Risiko“. Überraschend ist auch das Sammeln von weiteren, persönlichen Information. So werden die Musikerinnen Phoebe Bridgers und Emily Green aus der Band Geese, sowie 90 weitere Personen explizit als „LGBTQIA+“ hervorgehoben. Auffällig ist auch die Kategorie des „Hohen Risikos“.

User:innen auf TikTok fiel auf, wie präsent vor allem männliche Schwarze Rapper in dieser Einstufung sind, darunter Freddie Gibbs, Lil Jon, DaBaby und A Boogie Wit da Hoodie.

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Vorwürfe einer politischen Agenda

Die Autor:innen von „Wired“ vermuten hinter der Datenbank eine politische Agenda des Unternehmens: Unter anderem sind auch 32 politische Kandidaten gelistet, die von Madison Square Gardens PAC (Political Action Committee) unterstützt werden.  60 Namen darunter hatten sich für eine Erneuerung von Dolans Lizenz für die Eventhalle eingesetzt.

„Big Brother is a sports fan“, kommentierte ein:e Leser:in unter dem Artikel von „Wired“. Die Datensammlung des Unternehmens weckt bei manchen ein Orwell’sches Level der Überwachung. Bereits 2023 war die Muttergesellschaft von Madison Square Garden in die Kritik geraten, weil sie Gesichtserkennung am Einlass mehrerer Veranstaltungsorte nutzte. Mit Hilfe der Technologie hinderte sie Anwält:innen, deren Kanzleien in Gerichtsverfahren gegen das Unternehmen verwickelt waren, daran, Events zu besuchen.

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