Interview

Mathea im Interview: Ich wollte Background-Tänzerin für Justin Bieber werden!

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Erst in der vergangenen Woche erlebten wir Mathea im Konzert für #SEATsoundsLIVE x Musikexpress. Wer nicht schon via Livestream dabei war, kann die Show mit Songs wie „2x“ und „Chaos“ noch ganz schnell via YouTube nachschauen. Jetzt hat uns die österreichische Musikerin im Gespräch mehr dazu erzählt, wie sie nach dem Zerplatzen ihres Berufswunsches neuen Mut fasste und mit einer ganz neuen Leichtigkeit ans Singen heranging und wie gut sich das Überwinden der eigenen Ängste anfühlt.

So kurz vor einer Show: Worauf freust du dich beim Livespielen am meisten?

Mathea: Das ist gar nicht mal so einfach zu beschreiben, denn dieses Gefühl ist erst mal ziemlich unangenehm. Ich bin dann nervös und habe schon ein bisschen Angst. Aber wenn ich die überwunden habe, ist es das schönste Gefühl überhaupt – dieses Überwinden der eigenen Unsicherheiten finde ich am Livespielen wirklich am besten. Und wenn ich auch noch mit einer Crowd interagieren kann und dadurch Feedback bekomme, ist es einfach ein Traum.

Wenn du von Unsicherheiten sprichst, was beziehungsweise welche meinst du damit?

Kurz bevor ich auf die Bühne gehe, denke ich so oft, ich hätte jetzt bestimmt die Texte von den Songs vergessen, die ich eigentlich schon seit drei Jahren singe und von denen ich sonst glaube, ich könnte sie dir wirklich sofort aufsagen, wenn du mich mitten in der Nacht wecken und nach der dritten Zeile in einem bestimmten Track fragen würdest. Und dann passierte es mir tatsächlich mal, dass ich schnell noch meinen eigenen Songtext googlte, kurz bevor ich auf die Bühne gehen musste. Das Intro lief bereits und meine Band stand auch schon auf der Bühne und wartete auf mich. Das war krass! Und ich bin mir sicher, dass ich überhaupt so hektisch nach dem Text suchen musste, hatte mit dieser Angst zu tun, die mich mit einem Mal überkam und mein klares Denken komplett vernebelte.

Du könntest dir auch sagen: Genau so ein Textaussetzer in einer Show macht dich nahbarer für deine Fans, was ja auch nicht verkehrt sein kann.

Dazu fällt mir das Wien-Konzert auf meiner allerersten Tour ein. Da war der Druck auf jeden Fall richtig hoch. Ich hatte das Gefühl, alle schauen auf mich. Es waren auch so viele Leute aus der Branche da und deshalb war für mich klar: Ich muss abliefern. Und dann ging einfach alles schief. Sobald ich auf der Stage war, konnte ich mich selbst nicht hören und während ich mich versucht habe, zu sammeln, bin ich noch über einen Monitor gestolpert und hab’ mich so richtig hingelegt. In dem Moment ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Ich dachte, ich könnte nie wieder in Wien auftreten, denn das Schlimmste, was passieren könnte, war auch wirklich eingetreten. Trotzdem musste ich ja das Konzert irgendwie durchziehen. Ich habe mich letztlich versucht, mit Wiener Schmäh aus der Situation herauszuretten. Und das hat funktioniert. Zumindest meinten die Leute hinterher, dass das eigentlich das Coolste an der ganzen Show war. Also ja, vielleicht stimmt es, was du sagst, und fürs Publikum war das eher so: Okay, sie ist eben nur ein Mensch.

Und du kannst dir sagen, dass selbst so ein holpriger Start kein Weltuntergang ist.

Mein DJ meinte mal ganz richtig zu mir: Wir sind in der Musikbranche und nicht in der Medizin. Wir sind keine Ärzte – wenn also etwas daneben geht, stirbt keiner. Es passiert nichts. Es ändert sich rein gar nichts an deinem Leben oder dem der anderen. Und diese Weisheit von ihm nehme ich mir echt zu Herzen. The show must go on.

Wie schwer war es, dich von ebendieser Aussage selbst zu überzeugen, als du realisiert hast, dass du nicht wie geplant eine Tanzkarriere anvisieren kannst, sondern aufgrund zahlreicher OPs eine neue Sache für dich finden musst, für die du brennst?

Das war schon heftig. Ich habe ja schon mit drei Jahren angefangen mit dem Ballett und alle möglichen Kurse besucht. Ich komme ja vom Land und da gab’s gar nicht so viel. Aber ich habe einfach alles mitgemacht, was irgendwie im entferntesten mit Tanz zu tun hatte. Meine Eltern haben das alles auch mit durchgezogen und sind mit mir, seit ich sieben Jahre war, zu Wettbewerben gefahren, weil sie wussten, dass Tanz und ich nicht von einander zu trennen sind.

Dann kamen die Schmerzen?

Ja, immer wieder. Es wurde dann festgestellt, dass meine Hüfte eine angeborene Fehlstellung hat, woraufhin ich mehrere Operationen und schließlich eine sehr große hatte, die mich für eine längere Zeit im Krankenhaus hielt. Da war ich so 14. Ich war ein halbes Jahr im Rollstuhl und musste erst wieder das Gehen lernen. Das war crazy. Und schlimm. Weil die Ärzte eben meinten, dass das Tanzen so nicht mehr gehen würde. Ich war mit den Nerven am Ende. Denn ich hatte mich zu der Zeit außerdem auf einem musischen Oberstufen-Gymnasium in Österreich beworben, um dort in Tanz meinen Abschluss zu machen. Aber nach der OP konnte ich wirklich keine Aufnahmeprüfung dafür machen. Das war hart. Aber die Schule wollte ich trotzdem nicht aufgeben. Also wechselte ich kurzerhand zum Gesang. Und die Prüfung habe ich auch gleich geschafft, was mir Halt gab. Es war so gut, gleich eine neue Leidenschaft zu entdecken.

Und da womöglich auch nicht mit demselben, immensen Druck wie beim Tanz zu starten?

Rückblickend würde ich schon sagen, dass mir die Leichtigkeit am Anfang zugute kam. Ich bin da ja echt eher reingerutscht. Andere waren schon zum Zeitpunkt der Aufnahmeprüfung richtige Profis, die längst unzählige Gesangsstunden hinter sich hatten. Aber sobald ich angenommen wurde, spürte ich auch noch mal einen ganz anderen Druck – vor allem den selbst auferlegten. Ich bin schon ein sehr ehrgeiziger Mensch und will viel erreichen. Da mache ich mir oft eine Menge Stress.

Welches Ziel hattest du dir als Tänzerin überlegt?

Ich hatte so meinen festen Freundeskreis und zusammen wollten wir natürlich auch den Abschluss schaffen. Das war schon heftig, als das nicht mehr so im Team ging. Eigentlich wollte ich auch Background-Tänzerin werden.

Für wen denn?

Für Justin Bieber natürlich!

Ok, das ist sehr konkret.

Ja, schon. Vor knapp einem halben Jahr habe ich zum ersten Mal im Rahmen meiner Musik mit Tänzern zusammengearbeitet. Das fühlte sich aber gar nicht wie Arbeit an, sondern so, als würde ich mir doch noch mal einen Lebenstraum erfüllen können, als ich mit ihnen ein paar Moves einstudierte. Ich konnte mich einfach wieder etwas mit ihnen bewegen, was irre erschien, auch wenn ich natürlich nicht mehr auf ihrem Level war.

Darfst du jetzt nach den OPs doch wieder etwas tanzen?

Naja, ich sag’ mal so: Es wird mir immer noch nicht dazu geraten. Aber ich mache das, was möglich ist in Bezug auf die Schmerzen. Es wurde ja quasi nur eine Seite meiner Hüfte repariert, eine weitere große Operation wollte ich nicht mehr machen. Das war mir einfach zu viel. Deswegen muss ich immer abwägen, was ich machen darf.

Ich finde es wirklich hart, dass du schon so viel an deinen so klar gesteckten Zielen herummodifizieren musstest.

Aber für mich hatte das auch was Gutes. Ich hatte immer so viele Träume auf einmal. Ich wollte zwischenzeitlich sogar mal Ärztin werden. Aber dann war es gut, auch mal sich auf eine Sache zu fokussieren und darauf einzuschießen. Also habe ich mich für die Musik entschieden – was super war. Und dann kam halt „The Voice“ und von da aus ging es weiter.

Gerade kam mit „Willst Du Mich“ dein Duett mit Mark Forster heraus. War das so ein Life Goal?

Das mit Mark war schon echt eine große Sache für mich. Vor allem, weil er musikalisch komplett meine Jugend geprägt hat und ich früher auch auf seinen Konzerten war. Und jetzt hat er sich einfach so organisch bei mir gemeldet und mir gesagt, dass er meine Songs feiert – und nicht etwa über sein Management eine Anfrage schicken lassen. Das war Mind-Blowing, genauso wie der Fakt, dass wir jetzt eine gemeinsame Single draußen haben.

Was willst du da als nächstes oben draufsetzen?

Na, ich will auf sein Level kommen! Ich möchte coole Popmusik machen und freue mich natürlich, wenn das weiterhin Anklang findet. Es ist so schön, zu sehen, dass man Leute teilweise auch aus schwierigen Situationen rausretten kann mit der eigenen Musik oder man einfach merkt, dass man da gerade bei einem Auftritt ein bestimmtes Gefühl genau so richtig transportieren kann. Das macht mir so viel Spaß und das möchte ich unbedingt weiterhin machen. Ich liebe Musik auch so sehr. Deshalb möchte ich wirklich noch größer werden. Noch noch mehr Hits, noch mehr Auftritte und noch mehr größere Shows spielen können – das ist der Plan.

#SEATSOUNDSLIVE X MUSIKEXPRESS

Die neue Streaming-Reihe #SEATsoundsLIVE x MUSIKEXPRESS bringt sommerliches Konzertfeeling ins Wohnzimmer. Bei #SEATsoundsLIVE x MUSIKEXPRESS spielen Künstler*innen ganz besondere und intime Shows — im Tonstudio oder anderen persönlichen, ungewöhnlichen und speziellen Orten. Neben Performances haben Fans auch die Möglichkeit, den Musiker*innen in einem Livechat Fragen zu stellen. Alle vergangenen Konzerte kann man noch einmal auf dem YouTube-Channel von #SEATsoundsLIVE erleben. Mehr Informationen finden sich auf Musikexpress.de/seatsoundslive.


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