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Voll retro: Das Millennium schlägt zurück

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Man könnte denken, man sei zurück in der Zukunft. Kids laufen über die Straßen, als wären sie einer „Bravo“-Foto-Lovestory aus den 90er-Jahren entsprungen. Die Kleidung ist voluminös, die Sneakers sind derb und die Haare streng gescheitelt. Skandinavische Wave-Popper wie First Hate und deutsche Trap-Rapper wie Rin avancieren mit eben diesem Look zu Botschaftern des allgegenwärtigen 90er-Revivals.

Mit ihren Konfirmandenfrisuren, randlosen Brillen und Marshmallow-Daunenjacken spiegeln sie den Millennium-Look der Millennials wider. Weiße Shirts mit großflächigen Logos oder Slogans gelten als Fashion-Statements, sackige Hochwasser-Karottenjeans als Distinktionsmerkmal. Vor allem junge Frauen holen sich mit dieser Unaufgeregtheit ihr von Werbung und Hollywood zerredetes Körperbewusstsein zurück. Nicht zufällig entdeckt gerade diese Generation, die sich in Versatzstücken der 90er-Popkultur kleidet, das feministische Potenzial der Spice Girls nun für sich.

Verblüffend, wie viele in Vergessenheit geratene Sportartikelhersteller dadurch ihren zweiten Frühling erleben. Fand man die schnöde geschnittenen Hoodies von Champion und Ellesse vor nicht allzu langer Zeit noch auf Kaufhaus-Grabbeltischen, schlagen sich nun Trendsetter wie das dänische Designstudio Wood Wood darum, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Der Zusatz „Heritage“, also Erbe, kurbelt nicht nur die Verkaufszahlen der Kollektionen an, sondern gibt den Modeaffinen das wohlige Gefühl, die Deutungshoheit über die Klamotten, in die sie ihre Eltern früher steckten (oder noch schlimmer: ihre Eltern herumliefen), erlangt zu haben.

Durch diese eigenständige Adaption ist selbst die Bauchtasche – lässig über die Schulter geworfen – zum omnipräsenten Lieblings-Accessoire geworden. Ihre englische Bezeichnung, Hip Bag, gibt der kleinen Tasche, mit der Pauschaltouristen so gerne durch ihren Urlaubsort flanieren, eine ganz neue Bedeutung.

Auch an den Füßen setzt sich diese Endlos-Spirale aus Zitieren und Okkupieren fort: 90er-Jahre-Sneaker-Mutationen wie der Fila Disruptor feierten durch ihre dicken Sohlen – die einen unweigerlich daran erinnern, mal wieder einen Termin beim Orthopäden zu machen – ihre triumphale Rückkehr. Die Ästhetik, das wird deutlich, stellt sich zugunsten des Komforts hinten an.

Die Zeitspanne, die gewisse Looks zurücklegen müssen, um als retro zu gelten, ist längst so kurz wie die Aufmerksamkeitsspanne junger Heranwachsender. Hält der Trend der hyperironisierten Aneignung des eigenen Aufwachsens an, können wir uns spätestens 2019 auf das große Mode-Revival der Noughties einstellen.

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