Musicaholic: Bill Laswell zeigt keinerlei Spuren von Materialermüdung

Bill Laswells einzige Konstante scheint die Baskenmütze zu sein. Ansonsten ist es bei dem Mann, der mehr Platten produziert und eingespielt hat, als manche Leute überhaupt in ihrer Sammlung stehen haben, eine Frage von Wochen, ob man ihn als Ambient-Tüftler, Funk-Profi, Drum’n’Bass-Wizard, Fusion-Produzenten, Ethno-Experten oder Hardcore-Bassisten antrifft. Natürlich ist er das alles zusammen und noch viel mehr. William Laswell, wohnhaft Manhattan, Park Avenue, lebt Musik. In ihm kommen alle Stränge der Musikgeschichte zusammen – bis 1979, als er selbst eingriff. Damals kam Bill als neugieriger Bassist von Detroit, von Funk und MC5, nach New York und rutschte mitten in die Avantgarde: Brian Eno, Fred Frith, John Zorn, Henry Threadgill wurden seine neue Familie. Und Material, das groovende All-Star-Workshop, in dem von Whitney Houston bis William Burroughs alle mitmachten, wurde sein Projekt. Seitdem ist viel Wasser den Hudson heruntergelaufen und Laswell hat seine eigene Welt geschaffen. Deren Koordinaten sind sein Studio in Brooklyn, seine Auftragsarbeiten als Produzent und sein an den Major Island angeschlossenes Label Axiom. Dazwischen schießen neue Label und Projekte wie Pilze aus dem Boden, um kurze Zeit später wieder zu verschwinden. Ist das nicht etwas konfus? Laswell verzieht den Mund und nickt. Er selbst geht in den Laden um sich seine Veröffentlichungen zu kaufen, sagt er, so daß er wenigstens eine hat. Momentaufnahme ist das Stichwort, Dokumentation von ständiger Bewegung. Was dabei die meisten neueren Veröffentlichungen bestimmt, ist die Vermeidung von Images, keine Gesichter, weniger Gegenständliches, wenig Texte – wie Techno, wie Ambient. Laswell nickt. „Ja, ich halte das für gut, denn was erfahren wird, ist Sound. Es wird keine Karriere vorangetrieben, niemand berühmt gemacht, es geht lediglich um Sound. Der andere Bereich ist eher Sport oder Zirkus.“ Die Entwicklung hat sich längst von traditionellen Songformen und einer akademischen Konstruktion von Musik gelöst. „Ich habe großes Interesse daran, eine konventionelle Zusammensetzung von Musik aufzulösen. Die Einführung in solche Bereiche wie Ambient konfrontiert Menschen mit anderen Möglichkeiten, Musik zu konstruieren.“

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