Nach einigen Kinderkrankheiten hat sich die Prince-Website zum fanfreundlichen Online-Shop entwickelt


Noch neun Tage bis 1999. Der Künstler, der zu diesem Zeitpunkt nicht Prince heißen will, steht auf der Bühne der Frankfurter Festhalle und beschwört seine Fans. Die mögen bitte die neu eingespielte Version seines Hits aus den achtziger Jahren mit der Jahreszahl als Titel kaufen – und nicht die, die seine ehemalige Plattenfirma Warner im Januar wiederveröffentlicht hat. Die Wunden, die Prince Anfang der neunziger Jahre durch den „Knebelvertrag“ mit dem Major-Label erlitten hat, sind lange nicht verheilt. Er hatte sich eingeschränkt gefühlt in seiner künstlerischen Freiheit, hatte sich ein „Slave“ auf die Wange geschrieben als Zeichen seines Protests und war 1996 endlich frei, als er mit der Veröffentlichung von chaos & oisorder seinen Vertrag erfüllt hatte. Endlich frei? Nicht ganz. Die Rechte an seinen Aufnahmen von 1978 bis 1996 bleiben bei Warner. Deshalb hat Prince „1999“ neu aufgenommen. Wer aber „1999 – The New Master“ kaufen will, muss das entweder bei den Konzerten tun, oder er stolpert mit ein wenig Glück über einen überteuerten Import im Plattenladen. Die Originalversion, die Warner veröffentlicht hat, ist in jedem Kaufhaus zu bekommen. Das musikalische Genie ist nicht unbedingt ein Marketing-Genie.

1996 wird die 3-CD-Box emancipation von EMI mit großem Medienrummel als Wiedergeburt von Prince angekündigt. Sie erweist sich als künstlerisches (die Höhepunkte auf einer CD hätten ein gutes Prince-Album ergeben] und kommerzielles Fiasko und ist bald in den Ramschkisten der Plattenläden zu finden. Zwei über BMG vertriebene Alben (new power soul und rave UN2 the jqy fantasticI erleiden dasselbe Schicksal. Prince denkt über unabhängige Vertriebswege nach. Die 4-CD-Box crystal ball wird 1998 exlusiv über die US-Laden-Kette „Best Buy“ vertrieben – oder (mit einer fünften Bonus-Discl über Princes Homepage www.love4oneanother.com. Wer die Box online ordert, könnte unter Umständen sein blaues Wunder erleben. Manche Besteller warten monatelang, andere erhalten T-Shirts statt der Box, wieder andere bekommen gar nichts, obwohl das Geld für die Bestellung von ihrem Kreditkartenkonto abgebucht ist. Man sei auf die große Nachfrage nicht vorbereitet gewesen, heißt es später.

Die Lage ändert sich am 14. Februar.2001 mit der neuen Prince-Website NPG Music Club. Sie verspricht die „ultimate fan experience.“ Und hält das Versprechen. Prince ist nicht der erste Musiker, der eine Homepage betreibt, aber wie kaum ein anderer geht er mittlerweile elegant und Fan-freundlich mit dem Medium Internet um. Wer Mitglied des NPG Music Club ist (die lebenslange Mitgliedschaft kostet 25 US-Dollar) genießt Vorzüge, von denen Fans anderer Acts nur träumen. Wer über die Homepage Konzertickets bestellt, darf beim Soundcheck dabei sein, später das Konzert von einem abgesperrten Bereich vor der Bühne aus sehen und wird beim Einlass zu den legendären After-Show-Konzerten bevorzugt. Dass der NPG Music Club nicht nach den Grundsätzen der Demokratie und freien Meinungsäußerung geführt wird, können die Fans verschmerzen. Wer sich zum Beispiel im Fan-Forum über zu lange Lieferzeiten auslässt, wird seinen Beitrag unter Umständen am nächsten Tag nicht mehr wiederfinden. Vielleicht findet er aber demnächst ein kostenloses Goodie wie die 4-CD-Box one nite alone … live in seinem Briefkasten. Anfang April 2004 eröffnet Prince einen Download-Shop auf seiner Website. Mitglieder können für 7,77 Dollar (Nicht-Mitglieder: 9,99 Dollar] das aktuelle Album musicology Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung downloaden. Eine Woche nachdem musicology zum Download bereitgestellt wurde, vermeldet Prince sechstellige Downloadzahlen. Zwar wird er mit seinem Download-Shop weniger Songs verkaufen als etwa über iTunes, allerdings wird am Ende mehr Geld in der Kasse sein, weil die Plattenfirma als mitverdienende Zwischenstation ausgeschaltet ist. Im Fall von musicology gilt das nicht uneingeschränkt. Für sein aktuelles Album hat Prince einen Vertriebsdeal mit Sony Music abgeschlossen, einer der Major-Companys, denen er vor Jahren den Kampf angesagt hat. Weshalb Prince wieder einen Major-Deal unterschrieben hat. der, .Möglichkeiten der Zusammenarbeit… für zukünftige Veröffentlichungen“ vorsieht, bleibt sein Geheimnis. Wir mutmaßen: Weil Künstlervon Natur aus eitle Menschen sind, wollen sie gerne beachtet werden – nicht nur von ihren Fans. Und selbst in schwierigen Zeiten tragen die Marketing-Mechanismen der Plattenfirmen die frohe Botschaft eines neuen Albums weit über die Hardcore-Fan-Kreise hinaus,