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Nach jahrelangen Rassismusvorwürfen: US-Rapperin Mulatto ändert ihren Namen

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Alyssa Stephens, die als Rapperin Mulatto bekannt ist, sah sich seit Beginn ihrer Kariere harscher Kritik aufgrund ihres Namens ausgesetzt. Als Reaktion auf die nicht abnehmenden Vorwürfe änderte sie nun ihren Namen in „Big Latto“. Doch auch diesen Move betrachten viele Leute kritisch. Dabei geht es um eine hitzige Debatte um die Begriffsherkunft des Namens und seine rassistische Konnotation.

Mulatto reagiert auf jahrelange Kritik

Im Rahmen der Ankündigung eines bisher unveröffentlichten Songs gab die Rapperin Mulatto offiziell ihre Namensänderung bekannt. In einem kurzen Handyvideo sieht man die Musikerin aus einem Auto steigen und folgende Zeilen rappen: „Blogs wollen wissen, mit wem ich Sex habe. Rap Bitches reden über gar nichts. Scheiß drauf. Ich ändere meinen Namen, aber ich wette, sie finden immer noch irgendetwas, das sie stört. Ihr kriegt mich nicht unter (…) Neues Geld, neue Crib, neue Peitsche, neuer Name, aber ich bin immer noch diese Bitch.“ Gleichzeitig ist nun auf all ihren Social-Media-Kanälen der Name Big Latto zu sehen.

Zuvor hatte die Musikerin in einem Interview mit „HipHopDX“ angedeutet, dass sie darüber nachdenke, ihren Namen zu ändern. Dieser Schritt wurde nun offenbar vollzogen.

 

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Die Problematik des Namens

Der Begriff „Mulatte“, der heute kaum noch verwendet wird, ist eine rassistische Bezeichnung für Menschen, deren Eltern eine schwarze und weiße Hautfarbe haben. Wissenschaftler*innen und Lexika ordnen dem Begriff verschiedene Ursprünge zu. Insbesondere die Herleitung der Real Academia Española, die darauf hinweist, dass der Begriff Mulato ursprünglich ein Maultier, also eine Kreuzung zwischen Pferd und Esel, beschrieb, sorgte dafür, dass der Begriff als besonders problematisch, rassistisch und diffamierend eingestuft wurde. Auch der deutsche Duden folgt dieser Definition. In der Zeit des Sklavenhandels wurde der Begriff verwendet, um „gemischte“ Kinder zu beschreiben, die meistens aus Vergewaltigungen von schwarzen Frauen hervorgingen.

Mulatto heißt nun Big Latto:

 

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Big Lattos Intention und die neue Kritik

Die 22-jährige Rapperin, die 2019 mit dem Song „Bitch From Da Souf“ ihren Durchbruch hatte, ist die Tochter einer weißen Frau und eines schwarzen Mannes. Während ihres ersten Fernsehauftritts bei der Reality-Show „The Rap Game“ im Jahr 2016 sagte die damals 16-jährige Stephens, die sich damals noch Miss Mulatto nannte, folgendes zu ihrem Namen: „Ich bin Miss Mulatto. Der Begriff Mulatto ist technisch gesehen eine rassistische Beleidigung. Er beschreibt einen Menschen, der halb schwarz und halb weiß ist. Er ist also kontrovers. Ich habe dem Begriff die Negativität genommen und jetzt nennen mich alle Miss Mulatto. Warum muss ich mich für eins entscheiden? Ich bin beides.“

Big Lattos erster Fensehauftritt:

Mulattos erster Hit „Bitch From Da Souf“ von 2019:

Kontrovers bleibt für viele jedoch auch ihr neuer Name Big Latto. Einige bezeichnen den Akt ihrer Namensänderung nun als „performativ“, da es sich hier lediglich um eine Abkürzung ihres alten Namens handelt. Hier wird auch betont, dass Stephens einfach bei ihrem ursprünglichen Namen bleiben und sich der Kritik nicht hätte beugen sollen.


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