Konzertbericht

Vier Engländer heizen dem Berliner Winter ein: Only The Poets live

Only The Poets verwandeln einen kalten Februar-Abend in der Hauptstadt in ein tanzbares Erlebnis. Unser Nachbericht.

Am 7. Februar ist es in Berlin-Neukölln grau, matschig, kalt und ungemütlich. Keine Kulisse, die gute Stimmung verspricht – es sei denn, man findet sich gegen 20:45 Uhr in Huxleys Neuer Welt wieder. Dort spielt an diesem Abend die britische Alternative-Indie-Pop-Band Only The Poets ein Konzert, das das miese Wetter vor den Türen schnell vergessen lässt.

Die Formation um Leadsänger und Gitarrist Tommy Longhurst ist zu diesem Zeitpunkt bereits seit einer Woche in Europa unterwegs, um den Release ihres Debütalbums AND I’D DO IT AGAIN zu feiern. Einen Tag zuvor noch im Carlswerk Victoria in Köln, stehen die vier Männer aus Reading jetzt auf einer Bühne in der Hauptstadt. Longhurst verspricht den Fans im Voraus gemeinsam mit seinen Bandkollegen Andrew „Andy/Roo“ Burge, Clem Cherry und Marcus Yates, die gesamte LP in chronologischer Reihenfolge zu spielen. So viel sei verraten: Dieses Versprechen halten sie ein.

AND I’D DO IT AGAIN als gelungenes und tanzbares Debüt

Ein Blick ins Publikum zeigt schnell – diese Band zieht vor allem weibliche Fans, genauer gesagt Fangirls, an. OTP, wie Only The Poets oft abgekürzt werden, gewannen besonders an Popularität als Vorband des ehemaligen One-Direction-Mitglieds Louis Tomlinson auf dessen Welttournee 2022. Immer wieder sind auch Merchandise-Artikel des Weltstars in der überwiegend weiblichen Crowd zu entdecken.

Wie angekündigt beginnt der Gig von Only The Poets mit dem ersten Song des Albums – einem Instrumental, das das Konzert gebührend einleitet. Mit „Monumental“ folgt direkt ein tanzbarer Track, den die Gruppe doch recht unaufgeregt auf der Stage runterperformt, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Kurz fragt man sich, ob ihnen bewusst ist, dass sie nicht im Proberaum stehen, sondern vor etlichen Fans ihre neue Platte präsentieren. Die Platte, die erst eine Woche vor dem Gig erschienen ist, verspricht einen energiegeladenen Abend, denn das Werk selbst strotzt geradezu vor Songs, die live super funktionieren sollten. Wenig später soll OTP mir das beweisen, als mit „Emotionally Hungover“ ein Lied ins Huxleys gebracht wird, den die Menge dankend und vor allem tanzend annimmt. Dass die LP zu diesem Zeitpunkt erst seit einer Woche veröffentlicht ist, tut der Textsicherheit der Fans keinen Abbruch.

Nach einem obligatorischen „Berlin, how we feeling tonight?“ bedankt sich Tommy Longhurst bei seinen deutschen Fans – AND I’D DO IT AGAIN hat es auf Platz 6 der deutschen Albumcharts geschafft. Glückwunsch!

Liebe, Herzschmerz und Heilung im poppigen Gewand

„Ready to party, Berlin?!“ ruft der Frontmann der Menge entgegen, unmittelbar bevor die ersten Töne des Hits „Sake“ erklingen. Während des gesamten Konzerts gibt es zwei Fans zu sehen, die tatsächlich zu jedem einzelnen Song eine Art eigene Choreo haben. Wer weiß, vielleicht dürfen sie diese schon bei der nächsten Show der Band im Frühling als Backgroundtänzer präsentieren.

Für den ruhigeren Song „Madeline“ begeben sich drei der vier Bandmitglieder von Only The Poets auf eine kleine Empore auf der Bühne und lassen damit ihren Leadsänger am vordersten Rand der Stage in Huxleys Neuer Welt in Berlin allein. Er performt den emotionalen Track so konzentriert und gefühlvoll, dass man kaum einen Unterschied zur Studioaufnahme merkt. Weiter geht es in der chronologischen Reihenfolge der Platte mit den Stücken „Freeze“ und „SAY!“, die erneut beweisen, dass AND I’D DO IT AGAIN live gut funktioniert. Insgesamt ist die Performance bis hierhin zwar fehlerlos und solide, allerdings auch wenig spektakulär. Gleichzeitig scheinen die vier Engländer aber das zu bieten, was ihre Fans sehen wollen.

Nach einer gitarrenlastigen Version von „Bad“ und dem letzten Song der LP „Guess She’s Cool“ verlässt Only The Poets die Bühne. Es dauert nicht lange, bis die Crowd eine Zugabe fordert.

Auf neue Tracks folgen alte Hits

Die Band lässt sich etwas Zeit, bevor sie zurückkehrt – diesmal mit älteren Songs und Fan-Favoriten. Hierfür sammelt das Publikum noch ein letztes Mal für ein paar Minuten all seine übrige Energie, während OTP weiter eine Show liefert, an der es wenig auszusetzen gibt, auch wenn ein echter Wiedererkennungswert fehlt. Die durchgehend textsichere Crowd grölt der Gruppe ihre eigenen Lyrics entgegen, die sich sichtlich freut und sich wenig später bei ihren Fans für genau diesen Support bedankt.

2017 gegründet, ist der englischen Gruppe aus Reading bisher nicht der große Durchbruch gelungen, und trotzdem sind sie stetig gewachsen – gemeinsam mit ihren Fans. Zum Abschluss bedankt sich Longhurst bei der Menge für diesen Support und dafür, die Band in den letzten Jahren begleitet zu haben. Ohne sie, so betont er, wäre eine Show wie diese gar nicht möglich gewesen. Mit den Songs „JUMP!“ und „Emotional“ verabschiedet Only The Poets schließlich das Publikum zurück ins kalte Berliner Grau. Ein Gig, der ohne große Überraschungen und Alleinstellungsmerkmale auskommt, aber dennoch mit ehrlicher Energie und spürbarer Fannähe überzeugt.