Ozzy Osbourne kehrt zurück – als KI-Avatar, der nie sterben soll

Jack Osbourne verspricht Geschmack, Sharon will Unsterblichkeit wie Elvis – doch wer entscheidet, was der digitale Ozzy sagt? Das steckt hinter dem Hyperreal-Projekt.

Der Satz, an dem sich alles entscheidet, fällt nicht in einer Pressemitteilung, sondern in einem YouTube-Livestream. Jack Osbourne kontert die Kritik am KI-Avatar seines Vaters Ozzy mit der vielleicht ehrlichsten Formulierung, die diese posthume Industrie je hervorgebracht hat: Es werde „so tasteful“, verspricht er, „it’s not gonna be fucking lame.“ Ein Mann gelobt Geschmack, indem er flucht. Sehr Osbourne.

Unsterblichkeit als Geschäftsmodell

Vergangene Woche kündigten Jack und seine Mutter Sharon auf der Licensing Expo in Las Vegas an, dass Ozzy zurückkehrt — nicht als Hologramm-Geste, sondern als interaktiver, antwortender Doppelgänger, gebaut von der Tech-Firma Hyperreal. Die ersten lebensgroßen Touchscreen-Einheiten sollen ab Spätsommer 2026 in den USA und Großbritannien erscheinen. Sharon formulierte das Versprechen direkt: Man könne den digitalen Ozzy alles fragen, und er antworte in seiner eigenen Stimme — und sage, was Ozzy gesagt hätte. Das Vorbild, das sie nannte, ist verräterisch: Elvis sei vor 50 Jahren gestorben, und jeder kenne Elvis — genau das wolle sie für Ozzy. Unsterblichkeit als Geschäftsmodell. Doch genau dieses Versprechen wirft die Grundsatzfrage auf: Wie soll eine KI, trainiert auf Archivmaterial, je wissen, was Ozzy gesagt hätte? Sie weiß es nicht. Sie schätzt. Und schon stehen wir wieder näher an einer Folge von „Black Mirror“.

Eine Zustimmung, die niemand bezeugen kann

Jacks stärkstes Argument ist zugleich das unüberprüfbarste. Die Familie habe die Idee mit Ozzy vor seinem Tod besprochen, er wäre dafür zu haben gewesen. „I know he would be into this.“ Eine Zustimmung, die als Erinnerung weitergereicht wird, bleibt eine Behauptung — der Einzige, der sie bestätigen könnte, soll künftig im Touchscreen wohnen.

Das Ende, das keines sein soll

Pikant ist das Timing. Noch keine zehn Monate ist Ozzys Tod her. Am 5. Juli 2025 saß er bei „Back to the Beginning“ in Birmingham auf einem Thron, spielte sein letztes Konzert mit Black Sabbath; 17 Tage später starb er. Die Ärzte hätten gewarnt, der Auftritt könne ihn umbringen — er wollte es trotzdem. Es war einer der epischsten Abschiede, die ein Musiker nehmen kann: ein ausverkauftes Stadion, Zehntausende, die jede Zeile mitsangen, ein einzelner Mann im Zentrum — Bilder, wie sie zuletzt Freddie Mercury bei Live Aid heraufbeschwor. Nur dass damals niemand vom Ende wusste und diesmal jeder im Raum. Der reale, sterbende Mann inszenierte ein Ende, weil er eines wollte. Der digitale verspricht, dass es keines gibt: „Er wird digital als er selbst existieren, solange wir Computer haben.“ Als Trost gemeint, klingt es wie eine Drohung an die Ruhe.