Kritik

„Ratched” (Staffel 1) bei Netflix ist nicht mehr als serieller Hochglanz-Psycho (Kritik)

In dieser Klinik ist Fürsorge Ansichtssache! Serien-Fließbandproduzent Ryan Murphy schickt in seiner neuen Horrorthriller-Serie „Ratched“ eine psychopathische Krankenschwester in den Dienst. Kompetenz, Hilfe und fesselnde Momente dürfen von der Fachkraft allerdings nicht erwartet werden.

Missglücktes Prequel

Eine Unbekannte dürfte die Figur Ratched Filmliebhaber*innen nicht sein. In der preisgekrönten Bestsellerverfilmung „Einer flog übers Kuckucksnest“ von 1975 spielte Schauspielerin Louise Fletcher die despotische Oberschwester, die Jack Nicholson das Leben schwer machte. Doch im Gegensatz zu Ryan Murphys Serie, welche die Vorgeschichte der fiktiven Figur erzählt, war der ursprüngliche Charakter aus Miloš Formans Oscar-Film (5 Preise in den Hauptkategorien Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch) deutlich subtiler und mit feineren Zügen angelegt. Ihre Boshaftigkeit äußerte sich weniger durch blutiges Eingreifen als durch bewusst pflichtgemäße Einhaltung der unmenschlichen Klinikregeln.

Stattdessen zeigt sich die jüngere Version von Mildred Ratched als offensichtlich gestörte Persönlichkeit, die auf gewisse Art und Weise in der psychiatrischen Einrichtung gut aufgehoben ist. Als interessantes Forschungsobjekt eignet sich die Neuinterpretation jedoch kaum.       

Staffel 1 von „Ratched“ ist ab 18. September bei Netflix im Abo verfügbar. Eine weitere Staffel ist bereits angekündigt.

Netflix, Saeed Adyani

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