Nächste Kanye-West-Absage in Europa? Hellwat Festival unter Beschuss
Nach London und Marseille gerät Kanye West auch in Italien unter Druck: Politiker:innen und Gewerkschaften fordern, den Hellwat-Festival-Auftritt zu streichen.
In der jüngeren Vergangenheit machte Kanye West vor allem mit faschistischen und antisemitischen Aussagen auf sich aufmerksam. Mit Tweets wie „I am a Nazi“ fiel er bei einer breiten Öffentlichkeit in Ungnade und löste hitzige Debatten aus. Nachdem es nach den Kontroversen still um ihn wurde, strebte der Musiker mit einem Konzert-Run durch Europa und Großbritannien im Sommer 2026 ein großes Live-Comeback an. Das Echo seiner Aussagen traf ihn allerdings hart. So wurde bereits das Wireless Festival in London aufgrund von Yes geplanter Headline-Show abgesagt; auch ein Konzert in Marseille von ihm fand letztlich nicht statt. Nun gerät er bezüglich eines weiteren Festivals unter Druck.
Hellwat Festival: Mit oder ohne Ye oder waas?
Am 18. Juli 2026 sollte Kanye West beim italienischen Hellwat Festival in der RCF Arena in Reggio Emilia auftreten. Der Event findet über mehrere Wochenenden im Juli statt und präsentiert ein Line-Up aus den Genres Rap, Pop und Elektro. Gegen den geplanten Auftritt von Ye gibt es nun Gegenwind, der auch politischer Natur ist. Die jüdische Gemeinde der Stadt, antifaschistische Widerstandsgruppen, Gewerkschaften und Politiker:innen fordern, dass die Show von dem US-Rapper gestrichen wird.
Die Reaktionen auf den geplanten Italien-Auftritt sind damit identisch zu jenen, die die Shows in England und Frankreich nach sich zogen. Es ist daher naheliegend, dass die nächste Absage bald folgen könnte.
Politische Stimmen gegen Kanye West
Pina Picierno, Vize-Präsidentin des Europäischen Parlaments und Mitglied der Demokratischen Partei Italiens, legte der Regierung nahe, ähnlich wie in England und Frankreich einzugreifen und das anstehende Gigs zu verhindern.
„Das Vereinigte Königreich hat das Visum verweigert. Frankreich hat das Konzert in Marseille faktisch verhindert“, sagte sie der Lokalzeitung La Gazzetta di Reggio. „Italien hingegen sieht bei 68.000 verkauften Tickets tatenlos zu, als wäre nichts geschehen.“
Die Repräsentantin des Italienischen Gewerkschaftsbunds in der Emilia-Romagna, Rosamaria Papaleo, äußerte sich ebenfalls aufgebracht: „Es erscheint ziemlich widersprüchlich, dass ein Künstler, der für seine antisemitischen Äußerungen bekannt ist, in unserer Stadt zu Gast sein darf, die sich stets nachdrücklich für antifaschistische Werte eingesetzt hat. Antifaschismus ist für uns keine Laune, sondern ein Wert, der in unserer Geschichte verwurzelt ist“, sagte sie gegenüber „CBS News“.
Die Gewerkschaft wandte sich zudem an den Bürgermeister von Reggio Emilia, Marco Massari, und forderte ihn auf, Kanye West zu einem Treffen mit der jüdischen Gemeinde der Stadt zu bewegen. Der Politiker „distanzierte“ sich von dem Künstler, ließ allerdings verlauten, dass eine finale Entscheidung über das Stattfinden der Show bei der italienischen Regierung liege.
Festival verteidigt Booking
Während die kritischen Stimmen immer lauter werden, verteidigt das Hellwat Festival die geplante Zusammenarbeit mit dem Grammy-Preisträger. Direktor Victor Yari Milani nannte die Veranstaltung einen „Raum für freie künstlerische Entfaltung“. In einem offiziellen Statement fügte er hinzu: „Die früheren Äußerungen des Künstlers haben zweifellos eine berechtigte Reaktion hervorgerufen, doch sollten wir auch nicht vergessen, dass Ye sich im Januar über das Wall Street Journal offiziell entschuldigt und erklärt hat, er sei weder Nazi noch Antisemit, sondern leide unter einer bipolaren Störung.“
Was passiert mit dem Headliner-Spot?
Die Veranstaltung findet vom 04. bis zum 18. Juli 2026 statt. Der „I wonder“-Interpret war für den letzten Termin als Headliner vorgesehen. Neben ihm sind weitere Headliner wie Travis Scott oder Martin Garrix mit von der Partie. Man könnte daher meinen, dass das Festival den Verlust eines Haupt-Acts verkraften könnte. Der Haken ist allerdings, dass die verschiedenen Headliner jeweils für einen eigenen Termin während der Laufzeit des Events vorgesehen sind.
Was mit dem 18. Juli 2026 passiert, bleibt offen. Angesichts der wachsenden Kritik gibt es noch kein Statement seitens der Veranstaltenden oder des Rappers, das eine Absage des Auftritts oder eine Ersetzung des Headliner-Spots implizieren würde. Auch ob dem Beispiel des Wireless Festivals gefolgt und der letzte Tag der Reihe komplett abgesagt wird, ist bisher völlig unklar. Ob aus den Initiativen gegen das Konzert Konsequenzen gezogen werden, bleibt abzuwarten.







