Beirut Artifacts


Secretly/Cargo (VÖ: 4.3.)

von

Wer auf den Dachboden klettert und dort in alten Koffern wühlt, stößt im besten Fall auf vergessene Schätze, aber auch ein vergilbtes Fotoalbum ist ja nicht schlecht. Wie einen Ausflug auf den Dachboden darf man sich ARTIFACTS vorstellen. Beirut-Mastermind Zach Condon hat eine Menge Kram da oben gefunden, noch nicht ganz vergessene Klamotten, aber eben auch verblichene Kinderbilder.

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Die B-Seiten sind schön, aber schon bekannt, ebenso wie die EP „Lon Gisland“ oder das Caetano-Veloso-Cover „O Leãozinho“. Spannend wird es bei den unveröffentlichten Aufnahmen, die zum großen Teil aus der Zeit stammen, bevor Condon zu der Reise durch Europa aufbrach, die seinen Sound so nachhaltig prägen sollte. In den Liner Notes ist nachzulesen, wie der junge Zach die Schule geschmissen hatte und in seinem Kinderzimmer saß, geplagt von „Frust und Zukunftsangst“.

Auf dem Dachboden findet sich manchmal ein Juwel

Und in Songs wie „Sicily“ sind eben nicht nur ungelenke elektronische Beats zu hören, sondern jenes dunkle Gemüt des Highschool-Dropouts, das sich Bahn bricht in ausschweifenden Melodiebögen und sehnsüchtigen Trompetenlinien, auf denen der Erfolg von Beirut fußt.  Die epische Melancholie hat Condon also nicht erst in Osteuropa aufgeschnappt, das ist die eine Erkenntnis von ARTIFACTS.

Die andere: Auf dem Dachboden findet sich manchmal ein Juwel. An „Now I’m Gone“, so Condon, habe er obsessiv gearbeitet, um den Song frustriert wegzulegen und nie wieder anzuhören, weil er dem, was er im Kopf hatte, nicht nahe kommen wollte. Angesichts der Größe dieses Wunderwerks würde man gerne mal in Zach Condons Kopf das Original hören.


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