Biig Piig Bubblegum


RCA (VÖ: 20.1.)

von

Was ja wirklich Freude macht, in Bezug auf sehr junge Musiker*innen, ist ihr auf den ersten Blick lässiges, beiläufiges Musizieren. Das vermeintlich Unangestrengte ist natürlich das Ergebnis von gründlicher Überlegung und Arbeit, stresst den Konsumenten aber nicht, sondern trägt ihn. Die Irin Biig Piig, die mit richtigem Namen Jessica Smyth heißt, ist ein gutes Beispiel für diese Virtuosität im Umgang mit Einflüssen und Strömungen.

Ihre Musik die, trippig, hiphopig und neo-soulig daherkommt, begeistert durch ihre entspannte Hörbarkeit in allen Lebenslagen, aber eben auch durch eingebaute Triggermomente, die das Ganze hochinteressant machen. Mal fühlt man sich an Mariah Carey in ihren besten, losgelöstesten Momenten erinnert, mal an französische oder spanische Sängerinnen der 70er-Jahre. Die 24-Jährige sagt von sich selbst, dass sie ihren Künstlernamen Biig Piig deshalb ausgewählt hat, weil er sie nicht unter Druck setzt und die Möglichkeit gibt, wahlweise total fertig oder „cute“ zu sein.

Musikalisch scheint diese Haltung auf dem Debüt-Mixtape BUBBLEGUM durch, denn sie kontrastiert hier das Schwebende des Gesangs mit zum Teil harten, junglehaften Rhythmen oder verliert sich hemmungslos im Pop der 80er- und 90er-Jahre, ohne cheesy rüberzukommen. Das hatte schon Erfolg, 2017 wurde ihre ersten Single sieben Millionen Mal auf Spotify gestreamt. Darauf sollte nun aufgebaut werden.


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