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Bill Callahan Shepherd In A Sheepskin Vest


Drag City/H‘Art (VÖ: 14.6.)

von

Drei herausragende und durchformulierte Alben veröffentlichte Bill Callahan zwischen 2009 und 2013, alle zwei Jahre eines, sehr diszipliniert. Diese Arbeit hatte ihn wohl ein wenig müde gemacht, sodass der Sänger mit der Seelenruhe eine Zeit lang pausierte, ein Live-Album in Jack Whites Third-Man-Imperium aufnahm und sich dann ohne Eile diesem neuen Projekt widmete. „It feels good to be writing again“, singt er im Schlüsselstück „Writing“.

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Callahan, der früher häufig über seine inneren Dämonen sang, sitzt nun am Fuß der Berge und erfreut sich daran, wie die Musik vom Gipfel auf ihn herunterpurzelt, wie einfach es ihm daher erscheint, neue „Mountain Music“ zu schreiben – und wie verwunderlich es doch ist, dass seine Konkurrenz da nicht mithalten kann. „Where have all the good songs gone?“, fragt er und lässt dazu die Melodie von Pete Seegers Protestlied „Where Have All The Flowers Gone?“ anklingen.

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20 Songs bietet dieses Doppelalbum, wir hören Akustikgitarre, Bass (gespielt wie auf Van Morrisons ASTRAL WEEKS), getupftes Schlagzeug und Callahans tiefe Stimme sowie dann und wann eine Gastsängerin, Marimba und Mundharmonika, leise Elektronik. Nicht alle Stücke sind zwingende Höhepunkte seines Schaffens, aber als kompaktes Werk ist diese Sammlung auch nicht angelegt.

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Bill Callahan gönnt sich die Freiheit, seine Qualitätskontrolle etwas zu lockern, er kann sich das leisten, kaum ein Stück wirkt überflüssig, zumal man dieses Album wie eine lange Erzählung deuten kann, die vom Aufwachen in einer Boeing 747 erzählt, von Pflanzen wie dem Chinesischen Sternjasmin oder von Tieren, die sich an Orten aufhalten, wo der Mensch nicht hingelangt. Dabei gelingt es Callahan, aus den kleinsten Beobachtungen größtmögliche Weisheit zu erlangen. „I see what you see, don’t you worry“, singt er am Ende, wohlwissend, dass auch er kein Großmeister ist, sondern nur die klügeren Schlüsse zieht.

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