Spezial-Abo

Billy Nomates Billy Nomates


Invada (VÖ: 7.8.)

von

Man muss Billy Nomates nicht sehen, um die hochgezogene Oberlippe zu hören. Der Rhythmus stolpert entschieden voran, der Bass pumpt monoton, der Refrain kommt eher nicht, und wenn er kommt, dann ist er meist eine melodische Enttäuschung, aber das ist alles egal: Was zählt, ist die Haltung, ist der Zorn, der Trotz, das Selbstbewusstsein, das Du-kannst-mich-mal, das satte englische Arbeiterklassen-Fuck-You, kurz: die hochgezogene Oberlippe.

„BILLY NOMATES“ bei Amazon.de kaufen

Dass Tor Maries, wie Nomates im bürgerlichen Leben heißt, die Sleaford Mods, deren Jason Williams sein patentiertes Flüchespucken hier als Gast praktiziert, zu ihren Kumpels zählt, ist deutlich zu hören, aber eben vor allem in der Haltung.

Der Sound dagegen gründet nicht auf Elektronik, allerdings hat Geoff Barrow, eine Hälfte von Portishead und Besitzer des Labels, auf dem Nomates‘ Debüt erscheint, Bass, Schlagzeug und Gitarrenklänge zu einer Art Singer/ Songwriter-Rave produziert, der direkt in die Beine geht, während einem Billy Nomates ein Ohr abkaut, abkotzt über den Job, den sie hasst, über die doofe „Hippy Elite“ und die Brexit-Befürworter, von sexueller Belästigung erzählt, einen praktischen Feminismus propagiert und auch ansonsten Chrissie Hynde überzeugend auf den allerneuesten Stand bringt.

BILLY NOMATES im Stream hören:


ÄHNLICHE KRITIKEN

Grey Hairs :: Health & Social Care

Punk-Rock-Ethik, Part 75. Was macht man mit den Ansprüchen, wenn man kein Verein von ganz jungen Hüpfern mehr ist?

Sleaford Mods :: Eton Alive

Wütender, Postpunk-geschulter Schimpfrap und kein Ende. 

Beak> :: >>>

Das Portishead-Nebenprojekt wandelt sich in viele kosmische Rock-Richtungen.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Massive Attack: Welcome to the sorrowdome

Massive Attack entfachten eine Revolution im Pop, die zunächst gar nicht als solche wahrgenommen wurde. Doch ihre von Downbeats und Samples definierten Aufnahmen haben eine unauslöschlich melancholische Spur in der DNA der Gegenwartsmusik hinterlassen – und waren immer auch ein Paradies für Gastvokalisten. Lest hier unsere ME-Helden-Geschichte über Massive Attack.

Der Komponist Krzysztof Penderecki ist im Alter von 86 Jahren gestorben

Mit dramatisch-gruseligen Kompositionen für „The Shining“, „Der Exorzist“ und „Shutter Island“ wurde er weltberühmt.

Die besten Quarantäne-Tipps (Teil 3): Florian Kölsch empfiehlt Rainald Goetz, Studio Ghibli und seine Wohlfühl-Playlist

Und was macht Ihr so den ganzen Tag? Steckt Ihr wie wir zuhause fest und probiert Euch am Heimarbeiten? Die Coronavirus-Zeiten sind und werden hart. Kein Socializen in der Lieblingsbar, keine neue geniale Live-Band mehr im Club entdecken und ins Kino gehen fällt auch flach. Was also tun? Hier kommen unsere Tipps gegen das Durchdrehen. Heute von und mit: Florian Kölsch.


„The Masked Singer“: Das waren die besten Auftritte der vorherigen zwei Staffeln
Weiterlesen