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Carla Dal Forno Look Up Sharp


Kallista/Cargo (VÖ: 18.10.)

von

Die beste Musik des bald zu Ende gehenden Jahrzehnts, ist die, die nicht leicht einzuordnen ist, weil sie sich nach zwei Dekaden des Anything goes aus den unterschiedlichsten Quellen speist und aus dem resultierenden Patchwork wiederum Neues entsteht. Das nennt man musikalische Evolution. Zur besten Musik des Jahrzehnts zählt die von Carla Dal Forno. Sie darf mal mehr, mal weniger als elektronischer Avant-Pop bezeichnet werden, mit Ausschlägen in den Dream Pop, in die introspektive Seite des Postpunk, inklusive psychedelische Elemente.

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Das Info-Blatt zum zweiten Album der Australierin ist so überfrachtet mit Referenzen, Band- und Künstler*innen-Namen, dass dem referenzsüchtigen Musikkritiker die Lust vergeht, näher auf sie einzugehen. Bis auf einen Namen: Young Marble Giants. Die Postpunk-Band aus Cardiff, die viel zu selten als Einfluss für The xx genannt wird, hat bewusst oder unbewusst auch ihre Spuren auf LOOK UP SHARP hinterlassen. Nicht so sehr, was das Songwriting betrifft, sondern in Bezug auf den Umgang mit Stille und musikalischen Räumen, die hier sehr sparsam, geschmack- und effektvoll eingerichtet sind.

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Es dominieren dunkelgraue Stimmungen, die Songs mit ihrem verwaschenen Gesang bewegen sich in Zeitlupe dahin, Monotonie und Repetition werden zu wichtigen Stilmitteln. „Hype Sleep“ ist Minimal-Pop mit leichtem Neo-Klassik-Einschlag, „I’m Conscious“ verfügt über die beste Popmelodie auf dem Album, „Heart Of Hearts“ verbindet Ambient-Strukturen mit Cello. Die Zehnerjahre im avancierten Pop haben mit der Hinwendung auf die Stille begonnen, danach folgten die üblichen Irrungen und Wirrungen, mit LOOK UP SHARP schließt sich der Kreis.

LOOK UP SHARP im Stream hören:

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