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Highlight: Die 50 besten Alben des Jahres 2016

David Bowie Scary Monsters (and Super Creeps)


Beatles (EMI)

Enttäuschung, die jedoch schnell verflogen ist: David Bowie, der bislang nahezu mit jeder LP neue Perspektiven zumindest vortäuschte, flüchtet sich ins Pierrot-Kostüm und begibt sich stilistisch zurück zwischen die Alben STATION TO STATION und LOW. Dort allerdings schafft er sich auf neutralem Gebiet ein zeitloses kreatives Universum, das ohne die Erfahrungen von LOW, HEROES und LODGER kaum hätte entstehen können. Die Hast, dem Trend immer ein paar Takte vorauszusein, findet also auch bei David Bowie (vorerst) ihre Ruhe in der Erkenntnis, daß er keine Rolle im Teenage Wildlife mehr spielen will oder kann. Er verweigert sich:

„You’ll take me aside, and say
‚Well, David, what shall I do?
They wait for me in the hallway‘
I’ll say ‚Don’t ask me, I don’t know any hallways‘
But they move in numbers and they’ve got me in a corner
I feel like a group of one, no-no
They can’t do this to me
I’m not some piece
of teenage wildlife“

Bowie verzichtet diesmal auf herausragende Experimente. Keine elektronischen Klanggemälde wie auf LOW und HEROES, kein Vordringen in musikalische Ursprungsgebiete wie auf LODGER; David Bowie und Produzent Tony Visconti entschieden sich diesmal für ein homogenes musikalisches Umfeld. SCARY MONSTERS ist ein faszinierendes Gebilde aus lebendig arrangierten Soundwänden, zusammengehalten durch das nun schon obligatorische manisch/magische Schlagzeug. Bowies Genie besteht darin, Souveränität zu beweisen, wo andere längst banal oder im anderen Extrem eben pathetisch wären. Übrigens hatte er neben seiner bewährten Band wieder einige Gäste im Studio. Darunter Pete Townshend, der für Bowies Elvis-inspirierte Gefühlsausbrüche in „Because You’re Young“ seine geradlinige Handschrift hinterließ und Robert Fripp, der sogar auf sechs Titeln some burning guitar (inklusive einiger Takte Frippertronics) beisteuerte.

Kooperation

Auf SCARY MONSTERS erreicht Bowie, was Texte und deren Interpretation angeht, die höchste Intensität seit Jahren – dieses Engagement steigert sich gelegentlich jedoch bis zum Rand überschnappender Hysterie. David Bowie hat (Generations-)Probleme zu verarbeiten. In diesem Fall ein Segen für seine Kreativität. War LODGER musikalisch vielleicht mutiger, so wirkt David Bowie auf der neuen LP überlegener. In „Ashes To Ashes“, als Song gleichermaßen verräterisch wie geheimnisvoll, konfrontiert er uns sogar mit „SPACE ODDITY“-Nostalgie. Zwar erfahren wir nun, daß der abgehobene Major Tom ein lunkie ist, aber hat Bowie ihn damit wirklich entmystifiziert? Er gibt in diesem Album einiges preis, allerdings auch nicht zu viel.


Die 10 wichtigsten Alben von David Bowie
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