Devendra Banhart Mala


Nonesuch/Warner 15.3.

von

Erinnert sich noch jemand an Freak Folk oder New Weird Americana? Hübsche Begriffe, die Kritiker Mitte der Nullerjahre für eine Musikrichtung bzw. -bewegung aufgetan hatten, die sich um eine damals deviante Idee von Singer/Songwritertum drehten (und auf Greil Marcus’ Wortschöpfung „Old Weird Americana“ anspielten, die sich wiederum dem Studium von Harry Smiths ANTHOLOGY OF AMERICAN FOLK MUSIC verdankte). Devendra Banhart war als Häuptling und Pin-up des Freak Folk ausgemacht worden, auf seinen Platten durfte bald eine wachsende Schar von Freunden und Psych-Folk-Forschern bewundert werden, die, angeführt vom inkommensurablen Wimmern und Winseln des Sängers, die Wonnen des Vereinslebens feierten. Seine Songs konnten vom Sprießen des Bartes, von tanzenden Zähnen und lachenden Zitronenbäumen handeln, sie hielten das Schöne und Wunderliche des Moments unter einem psychedelischen Brennglas fest. Mit dem 2009er-Album WHAT WILL WE BE hatte Banhart sich schon ein Stück weit aus dem selbst gezimmerten Outsider-Universum fortgespielt, mit MALA findet dieser Prozess ein vorläufiges Ende. Das Falsett des schönen Troubadours kringelt sich ganz sanft in zart gestrickte Lieder, die vergessen im Raum schweben oder von Dingen erzählen, die Lichtjahre entfernt sind, plötzlich auf Housebeats davongetragen werden, begleitet von einem Wah-Wah-Wah-Chor, der Andreas Dorau und die Marinas in Erinnerung bringt, gefolgt von einem kruden deutschen Zwischentext: „Als eine flame reist du durch das essentialisierte Universum, inzwischen trinken wir unser Glas des Himmels.“ Mit anderen Worten: Devendra Banhart macht immer noch richtig Spaß, er denkt sich Hildegard von Bingen als VJ, erklärt den Dancefloor zur Domäne der jungen Männer und singt weiter hinten auf der Platte ein wirklich hübsches Come-Home-Lied. Der Mann befindet sich in seiner Softpop-Phase. In den filigran ausgestatteten Songs auf MALA wird der Synthesizer zu einem zuverlässigen Freund, Banhart bewegt sich mit der Leichtigkeit eines Caetano Veloso durch die halbelektronischen Soundräume, die Wörtchen „weird“ und „freak“ sind damit rechtskräftig aus dem Folk-Vokabular gestrichen.


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